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14 Jahre sind nicht genug – Bundesregierung erklärt „Krieg gegen den Terror“

Es war eine der miesesten Metaphern, die jemals zu Propagandazwecken eingesetzt wurde. Mit dem „Krieg gegen den Terror“, hinter dem sich seit 14 Jahren andauernde konzertierte militärische Gewalt, die weder räumliche, noch zeitliche Grenzen kennt und sich auch vom Völkerrecht nicht im Geringsten aufhalten lässt, verbirgt, begann das Regime Bush II seinen abscheulichen Angriff auf die Menschen im Nahen und Mittleren Osten. Er ist dafür verantwortlich, dass mehr als eine Million Menschen getötet wurden. (Siehe z.B. „Body Count – Opferzahlen nach 10 Jahren >>Krieg gegen den Terror<<„, IPPNW et al., 2015)

Was er eingebracht hat, ist heute bekannt. Nicht allein die Zahlen der Opfer sind von Jahr zu Jahr rasch gestiegen, sondern ebenso das Ausmaß des Terrors. Zerstörte Staaten und jede Menge Zorn, Schmerz, Leid und Demütigung, die Mixtur des Terrors, die vom Westen in eine menschenverachtend behandelte Region gepumpt wurde. Doch anstatt die Verbrechen gesellschaftlich aufzuarbeiten (Warum wurde gelogen? Warum gab es keine Konsequenzen für die Verantwortlichen? …), wird die desaströse Denk- und Sprechweise aufgegriffen und – ganz im Sinne des IS – in erneut verheerendes Handeln überführt. Tilo Jung hat die Genese der Unverantwortlichkeit im Regierungskostüm zusammengeschnitten:


(Quelle: „Das Ziel ist der Krieg gegen den Terror – BPK“, YouTube-Kanal Jung&Naiv Ultras)

Man kann gar nicht aufzählen, was alles gegen das Entscheidungsstaccato einzuwenden ist. Es ist geradezu kindisch, wie planlos „irgendwie mal eben“ militärische Gewalt eingesetzt werden soll. Was dahinter steht, ist natürlich der Versuch, den weltweiten Einsatz von Kriegsgerät zur Normalität auch in Deutschland zu machen. Tragikomisch ist dabei die offenkundige Konzeptualisierung der Akteure, was Terrorismus anbelangt. Ausdrücke wie „Ungeheuer“, das von Staaten „wie ein Mann“ „bekämpft“ und „besiegt“ werden soll, machen deutlich, dass Terrorismus als eine umgrenzte, materielle Gegebenheit gedacht wird, die einfach mit Bomben physisch vernichtet werden soll. Dass Terrorismus eine Idee ist, die sich rasch ausbreitet als Resultat von Demütigung, Tod, Angst, dass sie beschleunigt wird auch durch Propaganda, die ein leichtes Spiel hat, da die Propagandisten auf der Gegenseite geradezu Feuereifer an den Tag legten (Bush: „Kreuzzug gegen das Böse“), soll offenbar vom öffentlichen Bewusstsein fern gehalten werden, oder die Verantwortlichen nutzen schlicht die Gunst der Stunde zur Umsetzung ihrer „Neuen Macht – Neuen Verantwortung“.

Die Verheerung und Propaganda West müsste zur Zeit eigentlich jeden Tag im Abendprogramm laufen, damit die Bevölkerung sich ein vollständigeres Bild der Vorgänge rund um den „Krieg gegen den Terror“ machen könnte… wenn wir eben in einer aufgeklärten Gesellschaft lebten:

(Quelle: „The War You Don’t See“, John Pilger, Vimeo, Dokumentation von 2011)

Einen kleinen Überblick zur fleißigen Umsetzung einer weiteren gefährlichen West-Metapher („Kampf der Kulturen“) – wiederum ganz im Sinne des IS – leistete Glenn Greenwald vor einiger Zeit:

„How Many Muslim Countries Has the U.S. Bombed Or Occupied Since 1980?“ (Glenn Greenwald, The Intercept, 6.11.2014)

Jascha Jaworski

3 Kommentare

  1. Danke für diesen und auch für all die anderen Artikel. Nur eine kleine Anregung: es wäre schön, wenn die Beiträge auf Maskenfall Tags (Stichworte) hätten.

  2. Tja,

    Aufklärung hat zur Zeit keine Konjunktur, im Gegensatz zur Börse z. B.
    Aufklärung hat irgendwie nie Konjunktur.

  3. Und dann gibt es doch tatsächlich noch Schwachmaten, die behaupten, für eine gerechte Sache zu kämpfen und Politikdarsteller, die allen Ernstes daran glauben, dass es keine Alternative zum Mordhandeln gibt!

    Und das schlimmste: Ein Großteil der deutschen Bevölkerung glaubt diesen Anstiftern zum Mord auch noch.

    Ich darf da gar nicht zu tief hineindenken und hineinfühlen, sonst verzweifle ich, denn selbst die Menschen in meiner nächsten Nähe lassen sich so plump betrügen.

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