Axel Troost berichtet über die Motive der Linken hinter der Klage gegen den ESM: Interview vom 17.7.2012
Es ist wichtig, im Auge zu behalten, wer gegen was und aus welchen Gründen klagt. Auch teilweise sehr rechte Kreise lehnen sich gegen den ESM auf, sie tun dies aber aus rein nationalistischen Gründen heraus und liefern wie üblich die falschen Begründungen für die Probleme. Die sog. Eurokrise lässt sich auf bestimmte Denkweisen zurückführen, die leider sehr mächtig und handlungswirksam geworden sind:
- Marktgläubigkeit (“Finanzmärkte verteilen Kapital perfekt”)
- Fatalismus (“Explodierende Ungleichheit ist politisch nicht beeinflussbar, da Naturgesetze sich entfalten”)
- Unlogik (“Deutschland macht Exportüberschüsse in der Eurozone, die anderen aber bitte keine Defizite”, “Jetzt werden unterm Strich Schulden abgebaut, ohne dass jedoch unterm Strich Vermögen abgebaut werden”)
Gerade diese Denkweisen werden jedoch in den öffentlichkeitsmächtigen Diskussionen hierzulande überhaupt nicht an den Pranger gestellt. Allenfalls über Finanzmärkte darf geschimpft werden, doch wird hier von Lieschen Müller wohl eher in Kategorien gieriger Banker gedacht, anstatt in Kategorien einer menschenverachtenden Marktlogik, die dafür sorgt, dass der politische und somit demokratische Handlungsraum auf eine Abstellkammer reduziert wird. Würde Lieschen Müller den Marktzynismus an sich ablehnen, würde sie zumindest Frau Merkel, die alle Bevölkerungen Europas der “Beruhigung der Märkte” opfert, anstatt sie von ihnen zu befreien, nicht derartige Beliebtheitswerte bescheren.


