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ZAPP-Video bemüht sich im jugendlichen Style um Deutungshoheit in Sachen Alpha-Journalismus

Jetzt, da der Umstand, dass die Chefredakteure deutscher Leitmedien, sowie zahlreiche weitere Journalisten Mitglieder in transatlantischen Netzwerken sind, die öffentliche Wahrnehmung immer stärker erreicht, und dieses Thema auch bereits kritisch in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ aufgegriffen wurde, scheint man sich in den Medien zu bemühen, schnell die Deutungshoheit über diese hochproblematische Tatsache zu erringen. Die NDR-Sendung ZAPP hat das Thema in einem Kurzvideo aufgegriffen:

„Transatlantik – Journalisten unter Bündnisverdacht“

Im Unterschied zu den Kollegen von „Die Anstalt“ mochte ZAPP es jedoch nicht dabei belassen, die Verbindungen zwischen Journalismus und transatlantischen Think Tanks einfach aufzuzeigen, um das Publikum eigenständig darüber nachdenken zu lassen. Das jugendlich aufgemotzte Video von ZAPP, das sichtbar darum bemüht ist, die Thematik in einem hippen Style ans Publikum zu bringen, lässt seinen Sprecher, Daniel Bröckerhoff, im Kapuzenpulli noch eine Interpretationsrichtung mit auf den Weg geben, indem Auszüge aus einem Interview mit Herrn Kornelius (SZ) gezeigt werden, in dem dieser einräumt, dass „die Transparenzfrage“ „zentral“ sei. Schließlich wird noch darauf verwiesen, dass Herr Kornelius zugleich Mitglied beim Deutsch-Russischen Forum ist, dem „Buddy Vodka Club der Russen“, wie Daniel Bröckerhoff cool-flappsig ans Publikum vermittelt, worauf noch die Bemerkung hinterhergeschickt wird: „Das ist doch ausgeglichen!“

Insgesamt bemüht sich ZAPP meinem Eindruck nach mit dem Video auf locker-hippe Weise folgendes Frame an das Publikum zu vermitteln:

>Da ist was schief gelaufen, dass einige Journalisten in transatlantischen Netzwerken unterwegs sind. Das wesentliche Problem besteht jedoch darin, dass dies nicht transparent kommuniziert wurde. Gleichwohl, Herr Kornelius sieht diesen Umstand offenbar ein und wird ihn bald sicherlich verstärkt berücksichtigen. Sonderlich dramatisch ist das Thema allerdings nicht, da Herr Kornelius auch in einem russischen Think Tank unterwegs ist, womit also belegt ist, dass das Ganze mit der Think Tank Aktivität ausgeglichen ist. Die eigentliche Gefahr geht ohnehin von jenen aus, die zunehmend den Medien kritisch gegenüberstehen, denn, wie Herr Kornelius im Interview sagt: „[…] der Einfluss wird immer weniger, die Autorität der sog. Leitmedien oder der etablierten Medien wird immer stärker hinterfragt“.<

Als Beweis für die Gefahr, die vom Netz ausgeht, wird dann noch auf Ken Jebsen verwiesen, der für seine radikale Medienkritik einigen bekannt sein dürfte. Der Kurzausschnitt zu seiner Person dient an dieser Stelle meinem Eindruck nach als eine Art Blitzableiter, nach dem Motto: >verschwiegene transatlantische Netzwerkverbindungen von Journalisten klingen zwar befremdlich und nicht gut, aber schaut euch die radikale Meute im Netz an und folgt besser weiterhin den Expertisen der Leitmedien, ansonsten werden derartige „Spakken“< – so zumindest stempelt der hippe Daniel Bröckerhoff die nicht genauer analysierte Menge von Kritikern ab – >größeres Unheil verbreiten.<

Liebes ZAPP-Team, ihr müsst Euch nicht berufen fühlen, dem Publikum einen Interpretationsrahmen vorzugeben und das ernsthafte Thema mit jugendlicher Flappsigkeit zu transportieren, damit es zu einem besseren viral marketing im Netz kommen kann. Setzt Euch kritisch mit dem Thema auseinander, indem ihr nicht nur Herrn Kornelius interviewt und seinen Einzelfall hernehmt, um im Schnellschuss von „Ausgeglichenheit“ zu sprechen. Es handelt sich nicht um Einzelfälle, die zahlreichen Verbindungen zwischen Journalisten und transatlantischen Think Tanks deuten viel eher auf einen strukturellen Umstand hin. Zudem könnt ihr bei der Analyse des Problems nicht einfach die inhaltliche Ebene außen vor lassen, die Uwe Krüger sehr stark in seiner Doktorarbeit, die ihr ja selbst anfangs kurz benennt, berücksichtigt. Die Medien-Berichterstattung in Sachen Ukraine-Krise, die viele Menschen besonders aufmerksam auf die Einseitigkeit der Leitmedien gemacht haben dürfte, ereignet sich schließlich auf eben dieser Ebene. Fragmentierung von Thematiken, Deutungsvorgaben und Übergeneralisierungen (Kornelius) helfen hier nicht weiter, um mit der zunehmend misstrauischen Bevölkerung in kritischen Austausch zu treten. Aber vielleicht geht es auch gar nicht um einen Austausch, sondern darum, einem Umstand ohne tiefere Selbstreflexion einfach entgegenzuwirken, nämlich jenem, den Herr Kornelius selbst im Interview benennt: „[…] der Einfluss wird immer weniger, die Autorität der sog. Leitmedien oder der etablierten Medien wird immer stärker hinterfragt“.

Der Fachkundige zum Thema, Uwe Krüger, hat sich übrigens selbst in Eurem Forum zu Wort gemeldet:

„Zu dem Thema wäre ich als Autor der Studie dann doch ganz gern noch mal befragt worden. Ich freue mich zwar, dass Herr Kornelius sich endlich einmal ausführlicher zu dieser Sache äußert. (Das hätte er auch schon vor Veröffentlichung des Buches tun können, ich hatte ihn eingeladen, seine Sicht der Dinge im Buch darzulegen, und er hatte abgelehnt.) Ich beanspruche aber nicht, wie Herr Kornelius behauptet, >>in unsere Hirne reinzukriechen und zu sagen: Nur weil wir da Mitglied sind, beten wir das wieder, was die sagen<<.
Wie nachzulesen ist, habe ich neben der Netzwerkanalyse zu verschiedenen Themen (erweiterter Sicherheitsbegriff/Afghanistan -Einsatz der Bundeswehr und Münchner Sicherheitskonferenz) Inhaltsanalysen der Artikel durchgeführt und eine inhaltliche Nähe zu Eliten festgestellt. Über den Zusammenhang zwischen personeller und inhaltlicher Nähe stelle ich dann etwas komplexere Vermutungen an als die platte These von der Vereinnahmung. Bitte lesen, Leute! (im Buch S. 144-145 und S. 258)

(Uwe Krüger am 15.5.2014 im NDR Forum zum ZAPP Beitrag)

Wir ermuntern ZAPP dazu, Uwe Krüger einzuladen. Oder was spricht dagegen einen der Fachkundigsten zu Wort kommen zu lassen?

Für die Interessierten, hier das Buch von Uwe Krüger:

“Meinungsmacht – Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse”

Jascha Jaworski

9 Kommentare

  1. Danke für diesen sehr schönen Beitrag, zur wirklich mittelmäßigen Leistung des zapp-Magazins. Simulative Demokratie –> Simulative Aufklärung.
    Hr. Kornelius hält sich und seinesgleichen ja ohnehin für die einzig brauchbaren Journalisten, das hat er uns ja auch klar gemacht. Der gemeine Bürger hat ja gar nicht die Fähigkeiten das zu druchblicken. Sehr schön auch seine (leicht verblendete) Annahme/Behauptung, dass seine Umwelt auf Ihn keine Rückwirkung hätte.
    Das immerwährende Jebsen-Bashing zeigt, dass das Establishment und die Meinungsmacht gerade kalte Füße bekommt.

  2. Um jedoch nicht missverstanden zu werden: Ich bemängele die Unredlichkeit des Beitrags, der offensichtlich eine bestimmte Botschaft transportieren will und das Reflektieren dabei auf ein bestimmtes Gleis schiebt und dabei besonders um die geeignete Verpackung bemüht ist, die die Sachverhalte PR-technisch verniedlichen soll. So sehr ich aber einerseits Teile der Arbeit von Herrn Jebsen schätze, nämlich lange Interviews mit Menschen, die sich intensiv mit bestimmten Thematiken auseinandergesetzt haben, so halte ich andererseits sein Auftreten teilweise für problematisch, da er meinem Eindruck nach häufiger auch über das hinausschießt, was sich empirisch rechtfertigen lässt, ohne dabei in einem eher zweifelnden Ton zu bleiben. Jene Dinge, die auf Annahmen beruhen, sollten nicht im Wahrheitsstil und allzu vereinfachend verkündet werden. Zudem ist er in – für meinen Geschmack – teilweise unschönen Kontexten unterwegs mit Kandidaten, die ich für überaus problematisch halte (z.B. Jürgen Elsässer).

    • …was sich empirisch rechtfertigen lässt, ohne dabei in einem eher zweifelnden Ton zu bleiben. Jene Dinge, die auf Annahmen beruhen,
      das musst du mir mal näher erläutern, da verstehe ich dich gerade überhaupt nicht….

      • Ich räume ein, dass ich die Aussage nicht näher empirisch gerechtfertigt habe. 😉 Nun müsste ich auf Tour gehen und Beispiele einsammeln. Sollte ich dazu kommen, würde ich es nachschieben. Es ist jedenfalls meine Einschätzung.

    • Halleluja, es gibt Menschen, die die Welt so differenziert sehen wie ich es mir wünsche. Ich stimme hier absolut zu: einige der Interviews von Ken Jebsen sind wirklich Gold wert. Deswegen muss ich sein Umfeld und seine persönliche politische Meinung noch lange nicht kennen, teilen oder gutheißen. Verleumdung hat er aber genauso wenig verdient.
      Genauso ist es ja auch Unsinn zu unterstellen, man wäre ein Fan von Putin und ein Feind der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ wenn man Politiker des „Westens“ kritisiert. Menschen sind nunmal nicht gänzlich gut oder böse. Die Arbeit von genialen Physikern, die leider auch gegen das Frauenwahlrecht waren, benutzen wir doch trotzdem.
      Deshalb: Danke für deine differenzierte Haltung Jascha 🙂

  3. Hallo Herr Jaworski,

    ich hatte schon eine längere Antwort formuliert, aber dann ist mein Browser samt Text leider abgestürzt. Hier nochmal eine Kurzfassung: Danke, für die Auseinandersetzung mit meine Beitrag, die Form war tatsächlich „bemüht“, denn ich habe mir Mühe gegeben, etwas anderes auszuprobieren. Da der Film als subjektiver Kommentar angelegt ist, ist es ganz klar, dass er Interpretationsmuster liefert, an objektiven Journalismus glaube ich sowieso nicht. Zapp-Filme sind außerdem oft sehr haltungs- und meinungsstark, das ist Ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen, wenn Sie die Sendung regelmäßig schauen.

    Wir haben außerdem mit Herrn Krüger schon vor einiger Zeit ein längeres Interview geführt, er kommt in diesem Beitrag zu Wort: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/zapp7203.html

    Ich hab gerade mit ihm nochmals über meinen Beitrag telefoniert und werde darüber und über all die anderen Fragen, die an mich erfreulichweise gerichtet wurden nochmals einen längere Artikel im Zapp-Blog schreiben. Ich lasse Ihnen gerne hier den Link zukommen.

    Beste Grüße, Daniel Bröckerhoff

  4. Ausgeglichenheit? bei einen Kornelius?
    Ich lach mich schlapp. Schon mal seine „transatlantische Liste“ angeschaut?
    So stark kann kein Wodka sein.
    Deutungshoheit? Nein sorry, die Clickzahlen I 2014 sagen was anderes und II 2014 wird noch heftiger!
    Woher solls kommen? EU-Wahl? DAS Top Thema der Wenigen?
    Die anderen sind weg … wird schwer da neue politisch-korrekte Worte oder gar rudimente des Gender-Sprechs gesellschaftlich zu durchdringen.
    Obwohl, könnte mir vorstellen das sogleich Millionen für eine „Scanner-Software“ freigegeben werden und „nicht-regelkonforme“ abgeschaltet werden 😉

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