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Deutsche Wirtschaft – Alles wird gut! Die fundamentlose Hoffnung vieler „Experten“

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal um 0,2% zurückgegangen, nachdem es im 1. Quartal um 0,7% angestiegen war. Das Bundesamt führt dies – mit Hilfe von vorläufigen Berechnungen für die Wachstumskomponenten (Ergebnisse nicht angegeben) – auf Rückgänge beim Export und den Investitionen zurück. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht in seiner Interpretation deutlich gewagter vor und übertitelt die entsprechende Meldung mit „Geopolitische Krisen dämpfen deutsche Wirtschaft im Sommerhalbjahr“.  Dabei kam die Ausführung des DIWs: „die wohl rückläufigen Ausrüstungsinvestitionen weisen auf erste Bremsspuren aufgrund der geopolitischen Krisen hin“, Wirtschaftsminister Gabriel offenbar so gelegen, dass er daraus – einschließlich des Wortes „Bremsspuren“ – sein Hauptargument formulierte1:

Nach einem starken ersten Quartal hat sich das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Vierteljahr schwächer entwickelt als von den meisten Experten erwartet. Die geopolitischen Risiken im Osten Europas und im Nahen Osten sowie eine schwächere Entwicklung im Euroraum haben vorübergehende Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen. Hinzu kommt ein statistischer Effekt: Die ausgebliebene Frühjahrsbelebung im Baugewerbe nach der deutlichen Expansion im Vorquartal aufgrund des milden Winters belastet die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Vierteljahr. Im ersten Halbjahr insgesamt hat sich die Wirtschaftsleistung verbessert. Der Arbeitsmarkt hat sich weiter erfreulich entwickelt. Die Wachstumsraten in Deutschland dürften im weiteren Verlauf dieses Jahres wieder in den positiven Bereich zurückkehren. Die Risiken aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld haben sich aber fraglos erhöht. Für die weitere Entwicklung kommt es entscheidend darauf an, den wirtschaftspolitischen Kurs zu halten.

Die dazuzugehörige Überschrift der Pressemitteilung lautet zudem: „Gabriel: Geopolitische Risiken belasten derzeit die deutsche Wirtschaft, konjunkturelle Grundtendenz aber nach wie vor positiv“. Tatsächlich haben seit Beginn des Jahres die Exporte nach Russland und die Ukraine zusammen von Januar bis Mai 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42%2 – wohl auch auf Grund der verschlechterten Lage des russischer Rubel und der ukrainischer Hrywnja – abgenommen. Allerdings machten 2012 die Exporte nach Rußland (3,5%) und in die Ukraine (0,5%) nur 4%3 aus. Der Warenexport in die Eurozone nahm innerhalb des gleichen Zeitraums um 2,5%4 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Viele „Experten“ gehen bei der Beschreibung der aktuellen Lage wie folgt vor:

  • der wirtschaftliche Zuwachs im 1. Quartal wird überdramatisiert (Wortwahl: „stark“;  bzw. so schnell, dass es „Bremsspuren“ gibt)
  • der Rückgang im 2. Quartal wird klein geredet oder als kurzfristige Entwicklung dargestellt. („vorübergehende Bremsspuren“, „dürften…in den positiven Bereich zurückkehren„)
  • der Rückgang stößt einem einfach zu wie das Wetter oder „externe“ Krisen (Eurokrise und „geopolitische Risiken“)
  • die wirtschaftliche Lage Deutschlands wird generell positiv dargestellt („Arbeitsmarkt hat sich weiter erfreulich entwickelt“)
  • die aktuelle Wirtschaftspolitik wird meist unterstützt und zur Fortsetzung empfohlen

Im zweiten Halbjahr könnte es sehr wohl zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung kommen, da das Auftragsvolumen der deutschen Industrie, das sie aus der Eurozone erhielt, im 1. Quartal von 2014 um 15%5 zurückging.

Die deutsche Regierung beteiligt sich – in welcher Funktion auch immer – an  der Herbeiführung geopolitischer Konflikte und ist Hauptakteur bei der Durchsetzung von schädlichen Austeritätsprogrammen in der Eurozone.

Betrachtet man die Veränderung der Wirtschaftsleistungen unterschiedlicher Länder, die vergleichsweise weniger wirtschaftliche Schäden durch die Krise und ihre unsachgemäßen Bekämpfung erlitten haben, so präsentiert sich die profitträchtige6 deutsche Wirtschaftspolitik von 2000 – 2008 ohne nennenswerte gesamtwirtschaftliche Erfolge. Mit der Krise 2009 konnte die deutsche Wirtschaft ihre durch Lohnzurückhaltung gewonnenen Wettbewerbsvorteile innerhalb der Eurozone ausspielen, aber weder gegen die USA noch Schweden bestehen.growth-winnerGriechenland und Spanien konnten im Zeitraum von 2000 bis 2008 mit 3,7% bzw. 3,3% jährlichem Wirtschaftswachstum sogar beachtliche Erfolge erzielen. Die an Griechenland durchgeführte Schock-Therapie hat dem Land dann allerdings von 2009 bis 2013 jährliche Verluste der Wirtschaftsleistung von 5,2% beschert. Spanien, Portugal und Italien hatten eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung von jeweils ungefähr 1,5% zu ertragen.

Die Güte des Arbeits“marktes“ zeigt sich nicht durch die Arbeitslosenzahl, sondern durch die Zahl vernünftig bezahlter, sozialversicherungspflichtiger und in ausreichender Stundenzahl verfügbarer Beschäftigung. Im Verlauf der deutschen Wirtschaftspolitik seit der Agenda 2010 wurde eben weder mehr Arbeit – in Form von insgesamt geleisteten Arbeitsstunden – geschaffen, noch haben Vollzeitjobs (-1,2 Mio.) zugenommen.avol

Aber auch der durchschnittliche reale Stundenlohn ging – wie hier berichtet – im 1. Quartal 2014 um 1% zurück. Die Hoffnung auf einen intensiven, konsumbedingten Aufschwung besteht offensichtlich auch nicht.

Die Verbreitung der Politik der Lohnzurückhaltung oder der extremeren Politik der Lohnkürzung führt in eine deflationäre Abwärtsspirale, die nur schwer verlassen werden kann. Man sollte also – im Gegenteil – möglichst schnell den bisherigen wirtschaftlichen Kurs verlassen!

  1. mit Hervorhebungen des Autors []
  2. Quelle: Statistisches Bundesamt []
  3. 44 Mrd. von 1.096 Mrd. Euro, 2012 []
  4. Quelle: Bundesbank []
  5. Quelle: Statistisches Bundesamt; preis-, kalender- und saisonbereinigte Daten []
  6. insbesondere für exportstarke Konzerne []

Johannes Stremme

6 Kommentare

  1. Guten Tag,

    ich habe mal eine Frage an die Betreiber dieser Website. Ihre Artikel sind (ähnlich wie die NachDenkSeiten) wirklich sehr gut in Bezug auf die heutigen Problemfelder Medienberichterstattung, Ungleichverteilung der Vermögen/Einkommen, Außen- und Sicherheitspolitik usw. – dafür ein ordentliches Lob!
    Dennoch muss ich mich wundern, warum trotz so viel vorhandener Qualität hier immer noch vom „Wirtschaftswachstum“ schwadroniert wird?
    Für mich ist das auf einem Auge blind.
    Das Ziel, das BIP zu steigern, ist ein Relikt des letzten Jahrhunderts. Wir wissen doch längst, dass wir die Quellen und Senken des Planeten hoffnungslos übernutzen – und das auf vielen Gebieten. Dazu könnte man jetzt Romane schreiben, aber ich denke, eine grobe Vorstellung sollte vorhanden sein.
    Der Glaube, durch Effizienz und Grüne Wirtschaft usw. könnte man das fundamentale Problem lösen, dass energetisch-stofflicher Natur ist, ist natürlich systemisch betrachtet absolut lächerlich und realitätsfern.

    Warum wird dies bei Ihnen nicht auch so kommuniziert?
    Ich lerne hier, was die Eliten uns für einen Müll auftischen, die Entdemokratisierung, die unfassbar schlechte Medienpropaganda, die neoliberale Ökonomisierung der Gesellschaft usw….alles tip top.
    Aber dann sehe ich die Analysen, dass das BIP Wachstum doch bloß x,x % beträgt und danke „das kann doch nicht wahr sein“!
    Der selbe Dogmatismus, der uns die heutigen großen Probleme bereitet hat, lässt sich in solchen Aussagen spiegelbildlich erkennen.

    Ich wollte dies einmal loswerden und bedanke mich für die ansonsten gute Berichterstattung, vielleicht konnte ich hiermit ja dazu beitragen, dass Sie diesen Punkt einmal kritisch hinterfragen.

    Vielen Dank.

    • Vielen Dank für den Hinweis, Patrick! Folgende Aussagen beziehen sich nicht in jedem Fall direkt auf dich, sie enthalten Annahmen über generelle Positionen von Wachstumskritikern:

      Der Artikel sollte entlarven, dass selbst im Bild der Mainstream-Ökonomen, die deutsche Wirtschaftspolitik nicht zu rechtfertigen ist, er sollte zudem mit dem wirtschaftlichen Nationalchauvinismus – der Vorstellung einer „gottgegebenen Überlegenheit“ der deutschen Industrie gegenüber anderen – etwas aufräumen. Es geht hier um die Verrücktheiten der herrschenden Ökonomie, die sich über Wirtschaftseinbrüche wundert, während sie weltweit Sparmaßnahmen und Lohnkürzungen verordnet. Fraglich bleibt auch, ob es den dominierenden wirtschaftlichen Interessengruppe nicht eher um Profite als um Wirtschaftswachstum geht. Der Artikel sollte keine (vollständige) Analyse über das globale Wirtschaftssystem darstellen. Ökologische Kritik am Wirtschaftssystem benötigt meiner Meinung nach eine sorgfältigen Umgang, um zwischen Konsumkritik, Wachstumskritik, Schrumpfungsforderungen und strukturellen Defiziten des Wirtschaftssystem differenzieren zu können. Es gibt aber durchaus Leser, bei denen die herausgegriffenen Aspekte sicherlich zu einem ersten Nachdenken gegenüber der etablierten Wirtschaftswissenschaft führen, zum anderen die „Expertengläubigkeit“ etwas abgebaut wird.

      Einige Bemerkung zu Wirtschaftswachstum und Wachstumskritik :
      Im gegenwärtigen Wirtschaftssystem sind Wachstum und Arbeitslosigkeit eng miteinander verknüpft, ein starker Wirtschaftseinbruch – auch aufgrund der politischen Machtverhältnisse – wirkt sich unmittelbar auf das Wohl eines großen Teils der Bevölkerung aus (siehe Griechenland).
      Wirtschaftswachstum ist wie ökologische Zerstörung oder Ressourcenverschwendung ein Resultat der Aktivität des Wirtschaftssystems insgesamt, Wirtschaftswachstum ist nicht Ursache der ökologischen Zerstörung.
      Beispiele:
      Ein Industrieunternehmen entsorgt regelmäßig (und kostenfrei) eine giftige Chemikalie, die im Produktionsprozess freigesetzt wird, in einem Erdloch. Würde es ein weiteres Unternehmen beauftragen die Chemikalie zu neutralisieren, so würde eine weitere Wertschöpfungskette angestoßen aus der eine höhere Wirtschaftsleistung als ohne folgte.
      Einige Menschen erhalten Lohnsteigerung und kaufen damit Lebensmittel, die sonst weggeworfen worden wären und es ergibt sich eine höhere Wirtschaftsleistung.

      Die Zusammenhänge sind also so komplex, dass man weder mit der Devise „Wachstum! Wachstum! Wachstum!“ noch mit der Devise „kein Wachstum! kein Wachstum! kein Wachstum!“ vorgehen sollte. Bzw. könnte man dies in diesem System überhaupt umsetzen? (ab rund 0,1% Wachstum gibt’s ein Kaufverbot?)
      Die massive Umweltzerstörung und andere Ausbeutungsformen sind Ausdruck der globalen Konsum-, Produktions- und Wirtschaftsweise. Um sie zu beenden muss meiner Meinung nach eine tragfähige politische Strategie entwickelt werden, die möglichst ohne krisenartige Verwicklungen stufenweise in ein anderes Wirtschaftssystem übergeht. Diese Strategie sollte möglichst auch in Hinblick auf destruktive Interventionsmöglichkeiten der Gegenseite untersucht werden.
      Es ist durchaus möglich, dass beispielsweise Angela Merkel unter dem Motto „Die Grenze des Wachstums ist erreicht“, eine Welle von „alternativlosen“ Reformen – in ihrem Sinne – durchsetzt oder als Begründung für das Ausbleiben wichtige Investitionen verwendet.

      Maskenfall wird sich weiterhin für höhere Löhne und mehr Gleichheit – auch wenn Umweltverschmutzungen nicht völlig ausgeschlossen sind – einsetzen, unter dem Ziel, dass in allen Schichten ein politisches Klima erzeugte, so dass ein Übergang in eine wirklich soziale, umweltfreundliche und friedliche Gesellschaft möglich wird.

    • Hallo Patrick.
      Deine Anmerkung halte ich auf jedenfall für berechtigt. Umweltzerstörung und Ressourcenabhängigkeit sind große Probleme, die es in Zukunft zu bändigen gilt, wenn man gefährliche Konflikte um begrenzte Ressourcen vermeiden möchte. Ich habe auf meinem „Notizzettel“ sogar bereits eine Idee für ein Thema, das sich mit solchen Risiken auseinandersetzt.
      Ansonsten kann ich Johannes Beitrag nur nochmal unterstreichen.

      Zum Thema Wachstum allerdings noch kurz: Es ist nicht ganz leicht Wachstum zu bremsen (Eine der zwei Komponenten des Wachstums ergibt sich aus dem technologischen Fortschritt, die andere aus dem Umfang an Arbeit.). Deshalb muss es im Allgemeinen vor allem einen Strukturwandel hin zur Verwendung von Ressourcen geben, die sich unendlich erneuern lassen. Man könnte jedoch Arbeitzeiten und Geburtenraten reduzieren, um den Wachstumsdruck von der Seite der Arbeitskomponente her abzumildern, damit auch erneuerbare Energieressourcen nicht überlastet werden. Da gäbe es meiner Meinung nach also schon eine Möglichkeit, um Wachstum zu strangulieren. Allerdings halte ich es für wahrscheinlich, dass ein negatives Wachstum zusätzlich konjunkturelle Probleme mit sich bringt (also auch ein Steigen der Arbeitslosigkeit), daher empfehle ich die Strategie nur für Länder mit hohem Wachstum, um jenes etwas zu minimieren.

    • Naja,
      dann möchte ich aber doch auf die Bemerkung zur Möglichkeit, Ländern mit relativ hohem Wachstum ein Minimierungsprogramm zu empfehlen, daran erinnern, dass es doch ziemlich eigenartig ist, in einem hoch produktiven Land zu leben und davon zu profitieren, anderen Ländern, die im wirtschaftlichen Aufholprozess sind, diesen jedoch zu versagen. Mit welchem Recht? Wenn, dann müssten wohl doch gerade die hochproduktiven Länder mit gutem Beispiel auf „Wohlstandsverzicht“ vorangehen. (Um nicht missverstanden zu werden, auf den meisten Konsumkrempel könnte ich verzichten, aber wenn die einen es sich herausnehmen und man es den anderen untersagt, hat das weder mit Demoraktie, noch Gleichberechtigung etc. viel zu tun.) Es ist aber wie bereits angeklungen fraglich, ob ökologischer Umbau und umweltverträglicheres Produzieren tatsächlich mit weniger Wachstum einhergeht. Da viele Formen der Aktivität die BIP-Zahl steigern können.
      Das Problem besteht jedoch ohnehin darin, dass unter der aktuellen Machtverteilung der starken Eliten und großen, transnationalen Konzerne, sowie der Apolitisierung, Fragmentierung und von Massenarbeitslosigkeit und Konkurrenzangst getriebenen weiten Bevölkerungsteile eben wenig Raum für einen demokratischen Übergang in ein ökologischeres und humaneres Wirtschaftssystem bleibt.

      • Du hast natürlich Recht, dass die reicheren Länder in gewisser Weise vorbildhaft sein müssen, und man deshalb achtsam sein muss, was man Entwicklungs- und Schwellenländer zumutet. Allerdings ist es nicht so, dass ich das nicht in meiner Anmerkung berücksichtigt habe, ich habe nur womöglich ein paar Hintergrundinfos außen vor gelassen.
        Für den Wohlstand jedes Einzelnen ist ja vor allem die Produktivität pro Stunde entscheidend. Die will ich nicht anfassen, daher habe ich extra „von der Seite der Arbeitskomponente her“ geschrieben. Länder mit hohen Wachstumsraten haben meistens sehr hohe Geburteraten, und es wäre für die zur Zeit lebenen Menschen dieses Landes kein Wohlstandsverlust, wenn die Bevölkerung nicht mehr weiter zu nimmt (Zumindest dann, wenn sie sich freiwillig dazu entscheiden, weniger Kinder zu bekommen). Ebenso sind die Arbeitszeiten jedes Einzelnen Vollzeitarbeiters meistens im Bereich von 45-60 Stunden, also 10-50% höher als im Westen. Wenn diese Länder ihr Arbeitsstundenniveau langfristig an unseres anpassen, wäre das meiner Meinung nach keine Ungleichbehandlung gegenüber diesen Ländern, die diese Länder am Aufholen beim Wohlstand (pro gearbeiteter Stunde) hindert. Darüber hinaus ist das Fordern von Maßnahmen zur Arbeitszeitverkürzung sowie zur freiwilligen Geburtenreduzierung mit sozialen Reformen in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt verbunden, was positive Nebeneffekte auf das Sozialwesen in diesen Ländern haben kann.
        Schlussendlich kann ich deiner letzten Anmerkung jedoch nichts entgegensetzen. Es hätte schon vor langer Zeit viel passieren müssen, wenn die Politik im langfristigen Interesse der Bürger handeln würde. Wer einen unnötigen neoliberalen Verzicht fordern kann, hätte auch einen Verzicht auf endliche Ressourcen über Besteuerung fordern können. Die USA besteuern Treibstoff allerdings immer noch fast gar nicht, und bei uns gibt es ebenso keine Diskussionen über Energieknappheit. Konventionelles Öl (leicht abbaubares Öl) hat bereits 2006 sein Fördermaximum erreicht. Wahrscheinlich sehen einige Eliten sogar Vorteile in einem Ressourcenschock.

  2. Vielen Dank für eure qualitativ guten Kommentare.

    ich finde es auch gut und richtig, dass ihr dafür eintretet, dass Löhne / Einkommen fairer werden und die Menschen überhaupt mal dieses ganze Theater, das uns von den Eliten aus Wirtschaft, Politik und Medien tagtäglich aufgetischt wird, besser durchschauen können.
    Dazu tragt ihr einen guten Teil bei, daher nochmal: dickes Lob dafür!

    Konsumkritik, Wachstumskritik…natürlich, alles ist irgendwie miteinander verzahnt und niemand weiß genau, wie es weitergehen soll und kann. Aber es gibt natürlich einige Tendenzen und Realitäten (z.B. die thermodynamischen Gesetze), die einfach für sich sprechen – und, was man nicht vergessen sollte: Das System, das wir haben, ist von Menschen gemacht – kein Naturgesetz!

    – Peak Cheap Energy wird uns in der nächsten Dekade (nachdem der Fracking-Hype dann auch vorbei ist) ernüchternd feststellen lassen, dass der Traum vom „höher, schneller, weiter“ ausgeträumt sein wird
    – Der Reboundeffekt verhindert heute praktisch alles, was wir „Nachhaltig“ etikettieren
    – Wirtschaftswachstum war im 20. Jahrhundert notwendig! (Genau so, wie es für viele ärmere Länder heute definitiv noch notwendig ist – man kann denen ja nicht das vorenthalten, was wir bereits hinter uns gebracht haben)
    Wir brauchen dies heute nicht mehr, denn wenn der unglaubliche Wohlstand in unserem Land vernünftig verteilt wäre, brauchen wir eigentlich nur noch unsere laufenden Grundbedürfnisse decken. Doch da dies der Tod des Kapitalismus wäre, ereilen uns dann ressourcenverschwendende Dinge wie Geplante Obsoleszenz. Ich meine, wir konnten schon vor Jahrzehnten auf dem Mond landen, aber schaffen es angeblich heute nicht mehr, dass wir Waschmaschinen, Fernseher, Autos, Mixer usw. bauen, die so lange halten wie früher? Ich glaube kaum, dass unsere Kenntnisse in Werkstoffkunde usw. schlechter geworden sind. Heute müsste eher alles doppelt so lange halten als früher…

    Wirtschaft ist die bedarfsgerechte Deckung von Bedürfnissen nach Gütern und Dienstleistungen. Wirtschaftswachstum war das Mittel dazu, Geld die Information im System…heute ist das Mittel zum Zweck geworden und Geld das, worum sich alles dreht, so als könne man es gesamtgesellschaftlich horten wie Konservendosen.
    Wir können heute die einfachsten Bedürfnisse teilweise nicht mal decken und haben gleichzeitig einen absolut unerhöhrten Reichtum…innerhalb der gleichen Gesellschaft. Wirtschaftswachstum dient doch heute nur noch dazu, damit die Ungleichverteilung nicht feudale Ausbeutungszustände annimmt, denn solange der Kuchen größer wird, wir es ja noch toleriert, dass sich die kleine Oberschicht bedient wie beim All you can eat.

    @Simon
    Ich glaube definitiv NICHT, dass es eine krisenfreie Entwicklung hin zu einem neuen Wirtschaftssystem gibt. Dazu ist die Globalisierung, die Durchdringung des Finanzsystems, die Vernetzung weltweit so weit fortgeschritten und mit völlig unüberschaubaren Rückkopplungsschleifen versehen, dass das nicht funktionieren wird. Da haben wir über politische Dinge noch gar nicht gesprochen. Aber klar ist: wir docktern bereits an der Stromwende (medial: Energiewende, obwohl Strom nur einen kleinen Teil des Primärenergieverbrauchs ausmacht) rum und das, obwohl wir noch am Anfang dieses Dekaden-Prozesses stehen…und wir haben nicht unendlich Zeit, da dem Klimawandel, dem Peak Oil usw. herzlich egal ist, wie schnell wir Veränderungen schaffen.
    Aber, ich bin ganz der Meinung von Harald Welzer: Wir können noch so viel grünen Strom, grüne Autos usw. herstellen…solange wir in einem System agieren, dass auf Wachstum ausgerichtet ist, werden wir kein Stück nachhaltiger werden und die Zukunft unserer Kinder und Enkel verspielen je länger wir am bestehenden System festhalten. Und genau das ist es.
    Es ist das Dogma unserer Zeit – und das wichtigste, was wir benötigen, ist eine Kulturwende. NUR damit machen all die anderen Dinge erst Sinn.

    Ressourcensteuern, Maschinensteuern, kürzere ERWERB-Arbeitszeit sind da die ersten Dinge, die diskutiert werden müssen.

    Ich kann auch einige Bücher und Autoren empfehlen:
    Den Klassiker (Die Grenzen des Wachstums) brauche ich wohl nicht erwähnen, heute gültiger als je zuvor!
    Richard Heinberg – u.a. Das Ende des Wachstums
    Nico Paech – Befreiung vom Überfluss
    Christian Felber – Gemeinwohl-Ökonomie
    Ax/Hinterberger – Wachstumswahn
    http://www.peak-oil.com
    http://www.peakprosperity.com -> Video-Reihe „Crash Course“ (Version 2008 auf Deutsch, eine neue Version erscheint gerade wöchentlich, bisher only english)
    http://www.ourfiniteworld.com -> Hier ein guter Artikel von der Betreiberin Gail Tverberg:
    http://ourfiniteworld.com/2014/08/14/energy-and-the-economy-twelve-basic-principles/ –> die Verbindung zwischen Energie und Wirtschaft wird hier sehr gut dargestellt. Dies wird von der Wirtschaftswissenschaft praktisch bis heute überhaupt gar nicht gesehen. Energie ist nicht Exergie / Netto-Energie!

    LG
    Patrick

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