Ein bemerkenswerter Artikel von William Wall zur schandvollen Solidaritätsverweigerung gegenüber Griechenland und dem Wiederaufleben eines Kapitalismus des 19. Jhd. aufgrund geschichtlicher Vergessenheit:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/feb/14/europe-betraying-greece
Wir werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass die momentanen Auseinandersetzungen rund um Griechenland, die so viele Menschen in akute Armut und Chaos zwingen, im Kern ein Verteilungsproblem Arm gegen Wohlhabend europaweit sind, das somit auch im Verhalten der anderen EU-Länder besteht. Dieses Problem beruht auf Exportüberschüssen, perversen Vermögensverteilungen und staatlichem Abbau. Ein privilegierter Teil der Menschen in Europa hat aufgrund der neoliberalen Umverteilung von unten nach oben (Lohnquotenabfall, Einkommensspreizung) und von Staat an Privat (Bankenrettung, Steuersenkungen/Steuervermeidungsmöglichkeiten für Reiche) immense finanzielle Forderungen gegenüber anderen aufgetürmt, so etwa gegenüber dem griechischen Staatssektor, der sich aufgrund der Umverteilung zunehmend über Verschuldung finanzieren musste. Die Menschen dort sollen nun aus Gründen eines zweifelhaften Schuldenabbauprogramms dabei zusehen, wie ihr Wirtschaftskreislauf erstickt wird. So werden aus abstrakten Forderungen konkrete Leiden, ohne dass Aussicht auf positive Entwicklungen besteht. Kein Wunder, wenn immer wieder die falschen Ursachen durch Mythenbildung und Irreführung angegangen werden. Doch diese Krise wird auch nach Deutschland getragen werden, da wirtschaftliche Probleme von Akteuren, die miteinander in regem Außenhandel stehen, nicht vor Nationalgrenzen halt machen, und da die eigentliche Brandlinie wie erwähnt zwischen Arm und Reich verläuft.