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No 245

“Kollektive moralische Ächtung kann in aufrichtiger Weise wertvoll sein, wenn sie auf ehrlichen moralischen Grenzziehungen beruht. Doch wenn sie größtenteils durch Selbstbetrug und Selbstglorifizierung befördert wird – durch die Fiktion, dass das, was man verurteilt, sich in einem anderen moralischen Universum ereignet, statt eben nur einige Meter weiter die Straße hinab – dann kann es zerstörerisch sein, indem es das Andere adelt, das eigentlich zutiefst verabscheuungswürdig ist.
Während der letzten Wochen gab es eine Flutwelle von Angriffen des Establishments auf Donald Trump. Mittlerweile ist es nicht mehr nur leicht dies zu tun, sondern nahezu verpflichtend. Doch sehr wenige dieser Angriffe enthalten irgendeine tatsächliche Untersuchung dessen, was seine Popularität und seine Anziehungskraft ausmacht: warum die Botschaft, die aus Verachtung für das Establishment besteht, so starke Resonanz findet, warum die Angst- und Wutlevel so hoch sind, dass der Boden für die zornige Machthaberfigur, die er repräsentiert, so fruchtbar ist. Dies liegt daran, dass die Antwort auf diese Frage das erfordern würde, was die Wächter der U.S. Machtverhältnisse am meisten fürchten und hassen: Die Auseinandersetzung mit sich selbst.”1

(Glenn Greewald, US-amerikanischer Journalist – Donald Trump’s Policies Are Not Anathema to U.S. Mainstream, but an Uncomfortable Reflection of It, The Intercept, 4.3.2016, Übers. Maskenfall)

  1. Original: “Collective moral condemnation can be genuinely valuable if it’s grounded in honest moral line-drawing. But when it’s driven largely by self-delusion and self-glorification — by the fiction that what is being condemned resides in a different moral universe rather than just a couple of degrees farther down the road — it can be quite destructive: ennobling that which is decisively ignoble. Over the past few weeks, there has been a tidal wave of establishment denunciations of Donald Trump. It’s now not only easy to do but virtually obligatory. But very few of those denunciations contain any real examination of what accounts for his popularity and appeal: why a message grounded in contempt for the establishment resonates so strongly, why anxiety and anger levels are so high that the ground is so fertile for the angry strongman persona he represents. That’s because answering that question requires what U.S. establishment guardians most fear and hate: self-examination.” []

Jascha Jaworski

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