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Kieler Institut für Weltwirtschaft verleiht Preis an Visionäre

Mit Mario Monti und Friede Springer konnte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) keine Preisträger wählen, die besser ein demokratisches und weltoffenes Europa repräsentieren. Im Zeitalter einer globalisierten und schnelllebigen Welt braucht es den Mut von Visionären und Experten, die im Namen von verunsicherten Bevölkerungen Verantwortung übernehmen und für Stabilität in Europa sorgen.

Im Gegenzug für die lebenswichtige Stabilisierung der Zinsen für italienische Staatsanleihen, die durch fehlendes Vertrauen der Finanzindustrie gegenüber Italien entstanden, konnte durch die unabhängigen und klugen EZB-Chefs, Trichet (damals) und Draghi (heute, vorher Chef von Goldman Sachs), die in Finanzfragen unerfahrene italienische Politik dazu „ermuntert“1 werden, eine Regierung von Fachleuten unter der Führung des mutigen und rational handelnden diesjährigen Preisträgers Mario Monti einzusetzen. Das „normale demokratische Spiel“ (Schäuble) wurde „für eine bestimmte Zeit außer Kraft gesetzt“2, um der von Angst gelähmten italienischen Bevölkerung die Lösung für hochkomplexe Probleme der italienischen Wirtschaft zum Wohle aller abzunehmen. Dankenswerterweise war die Talentschmiede und in Finanzmarktgeschäften erfolgreiche Großbank Goldman Sachs dazu bereit, Montis Arbeitspensum als Berater für die Aufgabe als italienischer Regierungschef zu reduzieren.

Friede Springer – die leistungsbereite Haupterbin des erfolgreichen Springer-Konzerns – nutzt in verantwortungsvoller Tradition die in Bezug auf Publikationsreichweite in Deutschland einzigartig einflussreiche BILD-Zeitung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. In umfangreicher Kleinarbeit und mit Hilfe umfassender Kenntnisse unterstützt Frau Springer die Redakteure, indem sie diese auf deren Fehlwahrnehmungen in Artikeln hinweist und ihnen hilft diese langfristig abzubauen.3

In der Öffentlichkeit wird die BILD-Zeitung häufig als Medium missverstanden, das auch zum Zwecke der Auflagensteigerung Vorurteile und niedere Instinkte aufgreift und damit menschenfeindliche Gefühle wie Nationalismus, Fremdenhass und Armenhass vertieft. Dagegen handelt es sich bei der BILD-Zeitung vielmehr um ein langfristig ausgerichtetes Projekt, um rückständige und menschenverachtende Auswüchse innerhalb der Gesellschaft aufzuspüren. Die Framesetzung der BILD-Zeitung fungiert lediglich als Messsonde der verbesserungswürdigen Strömungen unserer Gesellschaft. Ihr oberstes Ziel ist es als Vorarbeiter zum Abbau dieser Elemente beizutragen. In den letzten 20 Jahren konnten mit Leichtigkeit Frames wie „schmarotzender Arbeitsloser“, „fauler Grieche“ oder „schwarz-rot-geil“ in der Gesellschaft zur Resonanz gebracht werden, um aufschlussreiche Befunde für hartnäckige antisoziale, fremdenfeindliche und nationalistische Einstellungen in der Gesellschaft zu erheben.

Friede Springer und der Axel Springer Verlag setzen sich zudem für die sozialen Belange der Bevölkerung ein, indem sie sich für die wirklich einzige Wirtschaftsordnung einsetzen, die eine soziale Wirtschaftsordnung ist: „Die freie Marktwirtschaft“!4 Denn nur „die freie Marktwirtschaft“ macht minderleistende Menschen zu wirtschaftlichen Verlierern, bzw. stürzt sie in Notlagen und kann auf diese Weise gegen die träge Natur des Menschen heilsame Lernprozesse zur Selbstoptimierung ermöglichen.

Das Institut für Weltwirtschaft ist somit ein Trendsetter gegen populistische Bestrebungen in der Gesellschaft, und hin zu einer wirklichen Pluralität, die nicht allein durch fantasiereiche ökonomische Modellansätze gefördert wird.

Das erfolgreiche Wirtschaftsforschungsinstitut sieht hierbei – ebenso wie das angesehene arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft – in der industriellen Synergie wissenschaftliches Potential und verleiht diesen Preis, in Zusammenarbeit mit der örtlichen Industrie- und Handelskammer, mit Friede Springer und Mario Monti an zwei Personen, die mit ihrem Wirken dem Geist des Ereignisses besser nicht gerecht werden könnten:

„Der Preis soll einen Anstoß geben, die großen weltwirtschaftlichen Herausforderungen durch kreative Problemlösungen zu bewältigen. Ausgezeichnet werden einflussreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die einen besonderen Beitrag zu einer auf Eigenverantwortung basierenden, sozial verantwortungsvollen Gesellschaft geleistet haben.“

 

  1. Brief von Trichet und Draghi an Berlusconi []
  2. Interview von Schäuble im Heute Journal []
  3. Interview im Deutschlandfunk: „Springer: Ich weiß gar nicht, ob das wirklich eine Medienmacht ist, ob das so ist. Ich bin ja nicht im operativen Geschäft. Ich bin ja im Aufsichtsrat. Ich würde nie einen Artikel in unseren Zeitungen irgendwie kritisieren. Also im Nachhinein vielleicht, man kann mal darüber sprechen. Aber ich… Detjen: Tun Sie nicht, wenn Ihnen etwas nicht gefällt? Das kann Sie ja nicht kaltlassen, wenn in Ihren Zeitungen was steht, was Ihnen nicht gefällt! Springer: Nein, nein, darüber rede ich schon mit dem Chefredakteur, aber dann ist es passiert. Ich würde das nicht beeinflussen wollen. Das tu ich nicht. Dann spricht man drüber! […] []
  4. Unternehmensrichtlinien von Axel Springer []

Johannes Stremme

5 Kommentare

  1. Schockiert hat mich an diesem Beitrag, dass drunter steht: satirische Auseinandersetzung. Denkfaule Zeiten sind das. Oder habt Ihr so wenig Zutrauen in Eure Leser? Gefallen hat er mir trotzdem. Meinen Dank.

    • Hallo Udo, Du hast recht, und daher wurde der Zusatz am Ende nun auch nachträglich entfernt. So viel Intentionsauslese sollte auch Hardcore-Systemanhängern möglich sein, die sich evtl. auf diese Seite verirren.

  2. Preise an “Visionäre”?
    So nennt man wohl eher Selbstbeweihräucherung gesellschaftlicher Schma… und vermeintlicher Eliten!
    Eine wirklich gelungene Satire!

    [Anm. JJ: habe ein kleinwenig zensiert ;) ]

  3. Ja, diese klasse Klasse denkt so wie beschrieben.
    Daher wäre es gut, wir würden sie einer produktiven Arbeit zuführen, die uns nützt und weiteres Unheil von den Völkern abwendet.

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