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No 307

„Wenn es um die Linken geht, reagiert die SPD schon beinahe pathologisch. Sie tut so, als fürchte sie den Kuss der Todesspinne. Das ist einigermaßen albern. Sozialdemokraten reden über die Linken nach dem Motto: >>Wenn ihr nicht werdet, wie wir, könnt ihr nicht eine Koalition mit uns eingehen.<< Die Erklärung für dieses seltsame Motto ist schon einigermaßen einfach: Die Linken sind Fleisch vom Fleische der SPD. Und wenn die SPD über die Linken redet, dann redet sie über ihre eigene Vergangenheit. Und die Begegnung mit den Linken ist so etwas, wie der Trigger für die Posttraumatische Belastungsstörung der SPD, die zurückgeht auf die Agenda 2010.
Seit geraumer Zeit hat die SPD vor dem Wort >>rot<< Angst und sie kriegt bei dem Wort >>Sozialismus<< Gänsehaut. Die alten roten Lieder, ihre alten Kampflieder singt sie nur noch dann, wenn sie besoffen ist. Man will nicht mehr rot sein, sondern nur noch rosé. Das Linke überlässt man den Linken. […]“

(Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung – SPD und die Angst vor dem Wort >>rot<<, SZ.de, 12.5.2017)

Jascha Jaworski

3 Kommentare

  1. (Kurt Tucholsky hat es ähnlich und zeitlos gesagt (Gegen den Strom, 1926):
    „Ich kenne viele deutsche Sozialdemokraten, die gradezu Krämpfe bekommen, wenn von den Leuten, die links von ihnen stehen, die Rede ist. […] diese Wut ist mit dem Seelenzustand eines angebundenen Haushundes zu vergleichen, dem sich das Fell sträubt, wenn nachts, in der Ferne, die Stimme des Wolfs ertönt. Es ist nicht der Wolf, der heult. Es ist der Bruder, der ruft, der fast vergessene Bruder, den der Hund verraten hat, als er des Fressens halber zum Menschen ging, um die Herden zu bewachen … Der Hund reißt an der Kette und kläfft. In seinem wütenden Gebell ist Haß, Furcht und ganz, ganz zu unterst Reue, Scham, Gewissensbisse und die längst mit Gewalt unterdrückte Sehnsucht nach der Freiheit, die der andre, der hungrige Vagabund, genießen darf.“

    • Eine geradezu bestechende Beschreibung des Seelenzustandes der im Niedergang befindlichen deutschen Sozialdemokratie, ein Trauerspiel !

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