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No 340

“Das weltweit dominante Wirtschaftssystem ist gescheitert. Es produziert eine Welt, in der ein paar wenige Reiche 90 Prozent der weltweiten Ressourcen kontrollieren; eine Welt wachsender Unsicherheit und grotesker Ungleichheit innerhalb und zwischen den Nationen, wo Entwicklungsländer durch die Steuervermeidung von Unternehmen Schätzungen zufolge jedes Jahr mehr als 100 Milliarden Dollar verlieren; eine Welt, in der durch illegale Finanzströme eine Billion US-Dollar pro Jahr aus dem globalen Süden gesaugt werden. Es handelt sich hier um einen weltweiten Skandal.
Man darf nicht zulassen, dass die einflussreichsten internationalen Firmen weiterhin diktieren, wie und für wen die Welt geführt wird. 30 Jahre nachdem Strukturanpassungsprogramme erstmals weite Teile der Welt verwüstet haben und zehn Jahre nach dem Finanzcrash von 2008 bricht die neoliberale Orthodoxie, die diese Ereignisse herbeigeführt hat, zusammen. In diesem Moment bietet uns eine Krise des Vertrauens in ein bankrottes Wirtschaftssystem und eine ebensolche Gesellschaftsordnung eine Gelegenheit, die sich nur einmal in jeder Generation bietet, um einen neuen ökonomischen und gesellschaftlichen Konsens zu schmieden, der die Interessen der Mehrheit an die erste Stelle stellt.”1

(Jeremy Corbyn, Vorsitzender der britischen Labour Partei – Rede von Jeremy Corbyn zum Tag der Menschenrechte beim UN-Menschenrechtsrat in Genf, 8.12.2017)2

  1. Die komplette Übersetzung der Rede wurde von Der Freitag unter dem Titel Schluss damit! am 22.12. veröffentlicht. []
  2. Anm. JJ: Corbyn verbindet die Möglichkeit zur Verwirklichung der Menschenrechte mit dem großen politischen Rahmen, auch in klimapolitischer Hinsicht. Es ist doch ein bemerkenswerter Vorgang, wenn der aussichtsreichste Kandidat auf das Amt des Regierungschefs von Großbritannien über neoliberale Unordnung, militärinterventionistisches Chaos und tiefgreifende außenpolitische Doppelmoral spricht, Sachverhalte, die Großbritannien als eines der Zugpferde der missbrauchten “westlichen Wertegemeinschaft” über Jahrzehnte der Welt aufgeprägt hat (neben den anderen großen, versteht sich). Einmal mehr zeigt sich: There is an alternative. Und nicht diejenigen sind “realitätsfremd” oder gar “radikal”, die sie herbeiführen wollen, sondern diejenigen, die meinen, wie es ist, könne es bleiben. []

Jascha Jaworski

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