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No 385

“So war etwa das Bundessozialhilfegesetz, das im Jahr 1961 in Kraft trat, explizit darauf ausgerichtet, kurzfristige individuelle Notlagen zu überbrücken. Länger andauernde Armutsphasen wurden angesichts des >>Wirtschaftswunders<< nicht einkalkuliert. Diese Annahmen über die Formation der deutschen Gesellschaft in den 1960er und 1970er Jahren – geringes Armutsrisiko und Aufstiegsmobilität – setzten sich auch in den Köpfen der Menschen fest: Der Wunsch bzw. die Vorstellung, dass die eigenen Kinder >>es später einmal besser haben<<, dass sie sozial aufsteigen, galt als nahezu selbstverständlich. Längst ist das Bild einer Gesellschaft, in der es nur temporäre Armut und kaum individuellen Reichtum gibt, überholt. Die Realität der 2010er Jahre ist: Die deutsche Gesellschaft polarisiert sich zunehmend. Nicht nur die Einkommensschere wird größer (Grabka/Goebel 2018; Tiefensee/Spannagel 2018), auch die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fallen immer mehr auseinander. Arme und Reiche konzentrieren sich zunehmend in sozial segregierten Stadtvierteln und schicken ihre Kinder auf entsprechende Schulen. Als eine Folge, und das ist der Ausgangspunkt des diesjährigen WSI-Verteilungsberichts, sinkt die soziale Durchlässigkeit der Gesellschaft.”

(Dorothee Spannagel, Leiterin des Referats Verteilungsanalyse und Verteilungspolitik des WSI – Dauerhafte Armut und verfestigter Reichtum – WSI-Verteilungsbericht 2018, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung, November 2018)

Jascha Jaworski

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