Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken
1

Konjunktur-Bericht für 2018 und 2019: Der Pessimismus war berechtigt

Im Januar 2018 war ich bereits pessimistisch für das Jahr 2018 und das habe ich dann in einer Auseinandersetzung mit dem optimistischen “Gemeinschaftsgutachten” vier deutscher Wirtschaftsinstitute noch einmal anhand von damals aktuellen Entwicklungen bestätigt. Wie sich jetzt herausgestellt hat, war das Gutachten tatsächlich viel zu optimistisch, und das, obwohl wieder einmal zufällige Faktoren wie der zwischenzeitlich erneut gefallene Ölpreis und der auch jetzt noch niedrige Wechselkurs das Wachstum gestützt haben dürften.

Einschätzungen vs. Fakten

Ich war in Bezug auf die Eintrübung der Beschäftigungsentwicklung und der Wirtschaftsentwicklung für das zweite Quartal 2018 zwar etwas zu pessimistisch, aber lag in den Phasen danach goldrichtig. Im dritten und viertel Quartal 2018 gab es kein Wachstum mehr (Das Gutachten hatte jeweils ca. 0,5% erwartet und lag auch bei einzelnen Bestandteilen des Wachstums ziemlich daneben). Dies lag unter anderem an dem deutlich schwächeren privaten Konsum (möglicherweise an dem von mir erwähnten Ölpreis), den schwachen Ausrüstungsinvestitionen (- ich erwähnte den abnehmenden Trend aus dem Jahr 2017 -), sowie den schwächeren Exporten, die ich infolge des damals angestiegenen Wechselkurses für schwächer hielt. Vorratsänderungen stabilisierten das Wachstum in 2018 mit 0,5%-Punkten beträchtlich. Da der Arbeitsmarkt gewohnt verspätet reagiert und zudem sowohl der Ölpreis als auch der Wechselkurs nochmal nach unten abtauchten, hat sich die Beschäftigung in 2018 weiterhin noch gut gehalten.

Auch zu Beginn von 2019 hat sich die Beschäftigung noch positiv entwickelt, obwohl der Ölpreis bereits wieder nach oben zieht. Die Zahl der offenen Stellen steigt – stagnierend auf hohem Niveau – jedoch seit einiger Zeit schon nicht mehr an und die Zahl neuer Stellenausschreibungen ist, wenn auch noch gut, unter den Höchstwerten von Ende 2017. Zusätzlich sind sie Auftragseingänge der Industrie, einer der wichtigsten Indikatoren des Exports, nach dem spürbaren Abflauen während des Jahres 2018 seit Jahresbeginn nochmal deutlich eingebrochen und wurden im März (Meldung vom 07.05.19) nur durch überdurchschnittliche Großaufträge (eine kurzfristige Zufallskomponente) aus der Eurozone stabilisiert, die im nächsten Monat wegfallen dürften. Der Einbruch wird recht gleichmäßig durch die Eurozone als auch durch den Rest der Welt verursacht. Die Inlandsaufträge hängen dabei in einem erheblichen Ausmaß an den Auslandsaufträgen und sind wohl zu einem großen Teil als Folge des Auslandsauftragseinbruchs aus dem Vormonat gefallen. Diese Entwicklung zeigt, dass der Wechselkurs aktuell nicht für den starken Einbruch verantwortlich sein kann. Ich kann den Grund aktuell statistisch nicht ermitteln, halte aber nicht die Handelskonflikte für schuldig, sondern eher die kurzzeitig schwächere Welt-Konjunktur, vor allem bedingt durch die sich etwas abschwächende Entwicklung in China, durch die die hauptsächlich auf Fahrzeugbau und Maschinen konzentrierte Exportwirtschaft in Deutschland weniger Aufträge erhält.

Prognose für Deutschland 2019

  • Aufgrund der stark gesunkenen Auslandsaufträge ist mit einem deutlichen Rückgang der Exporte in 2019 zu rechnen.
  • Als Folge davon dürfte auch die Beschäftigungsentwicklung im Laufe des Jahres anfangen zu kippen, wobei ein leichter Anstieg aufgrund der noch hohen Anzahl offener Stellen die nächsten Monate bestehen bleibt.
  • Aufgrund der sich andeutenden Konjunkturschwäche glaube ich an eine eher stabile Entwicklung des Ölpreises im Bereich von 70 Dollar.
  • Ich denke, dass der private Konsum nur schwach aufgrund einer verteilungsneutralen Lohnentwicklung steigt und …
  • …die Investitionen aufgrund der schwachen Exporte und der robusten Baukonjunktur im Mittel stagnieren.

Jochen Schölermann

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.