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No 520

“Die Rüstungsausgaben des Pentagons machen allein 39 Prozent des weltweiten Militärbudgets aus, womit die USA nach wie vor mit großem Vorsprung an der Spitze liegen. Hinzu kommt, dass ihre Streitkräfte weit mehr praktische Erfahrungen haben, weil sie – im Gegensatz zur chinesischen Armee – permanent an Militäroperationen beteiligt sind. Es ist wahrlich eine paradoxe Situation: Die Amerikaner verdächtigen die Chinesen ständig kriegerischer Absichten, während sie selbst in allen Ecken der Welt militärisch aktiv sind.
Ihr neuer Tummelplatz ist der Indopazifik. Dessen Grenzen haben sich allerdings verschoben: Sie reichen heute vom Westpazifik bis zu den Küsten Ostafrikas, wobei unter Barack Obama die USA nicht dazugehörten, während sie unter Trump zum Teil des indopazifischen Raums erklärt wurden. Inzwischen gilt der Indopazifik als >>Teil der Nachbarschaft der USA<<, so Rumley, und die gelte es genauso zu verteidigen wie den eigenen Hinterhof im Sinne der traditionellen Monroe-Doktrin.
Dieser strategische Ansatz werde von Peking inzwischen kopiert. >>Wer Chinas Verhalten im Südchinesischen Meer beurteilen will, kann diese Auffassung Washingtons in gewisser Weise zum Maßstab nehmen<<, erläutert Rumley, >>die USA würden eine chinesische Präsenz in der Karibik schließlich auch nicht tolerieren.<< Zugleich missbilligt er diese Großmachtattitüde und fordert einen neuen Ansatz zur Gestaltung der internationalen Beziehungen.”

(Martine Bulard, französische Journalistin und stellvertretende Chefredakteurin von Le Monde diplomatique – Kommt eine pazifische NATO?, Le Monde diplomatique, 10.6.2021)

Jascha Jaworski

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