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No 523

“Donald Rumsfeld ist gerade im Alter von achtundachtzig Jahren gestorben. Nachrufe in Medien wie der New York Times und CNN erwähnen immer wieder dieselben denkwürdigen, aber sinnlosen Kleinigkeiten. Er war Amerikas jüngster Verteidigungsminister (in der Ford-Administration) und der älteste (in der George W. Bush-Administration). Er schrieb so viele Memos zu so vielen Themen, dass sie als >>Schneeflocken<< bekannt wurden. Als er in den 1970er Jahren im Pentagon ankam, erzählt uns die Times, wurde er berühmt für >>seine einhändigen Liegestütze und sein Können auf dem Squashplatz<<.[…]
[…] eine von Experten begutachtete Studie, die 2006 in The Lancet, einer der renommiertesten medizinischen Zeitschriften der Welt, veröffentlicht wurde – dem Jahr, in dem Rumsfeld sein Amt verließ – schätzte 654.965 >>überzählige Todesfälle<< im Irak seit der Invasion im Jahr 2003. Das sind 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes, die an den Folgen der Gewalt starben.
Und diese Zählung der Leichen lässt den Schmerz der Familien in diesen Ländern außer Acht, die geliebte Menschen verloren haben. Sie lässt die Millionen von Flüchtlingen aus, die aus ihren Häusern vertrieben wurden. Sie lässt das Leiden von Menschen aus, denen Gliedmaßen abgesprengt wurden oder die sich um Menschen kümmern mussten, bei denen dies der Fall war.
Und es lässt einen der herzzerreißendsten Aspekte von Rumsfelds Amtszeit aus: seine und Präsident Bushs offene Umarmung dessen, was sie >>erweiterte Verhörtechniken<< nannten, oder was jeder Mensch mit einem Funken Gewissen einfach >>Folter<< nennen würde. Verdächtige, die wegen der Vermutung der Beteiligung an Terrorismus (oder sogar Beteiligung am Widerstand gegen die Invasionen ihrer Länder) rechtswidrig inhaftiert wurden, wurden unter Rumsfelds Aufsicht im Irak und in Afghanistan, in der notorisch gesetzlosen >>Einrichtung<< in Guantanamo Bay und anderswo auf der ganzen Welt gefoltert. Einiges davon geschah unter der Schirmherrschaft der CIA. Aber vieles davon fiel in den Zuständigkeitsbereich von Rumsfelds Verteidigungsministerium.
Im Jahr 2006 reichte der Berliner Anwalt Wolfgang Kaleck eine formelle Strafanzeige gegen Rumsfeld und mehrere andere amerikanische Beamte wegen ihrer Beteiligung an Folter ein. Natürlich musste Rumsfeld nie einen Gerichtssaal in Deutschland oder anderswo von innen sehen.
In diesem Sinne und nur in diesem Sinne starb Donald Rumsfeld zu früh.”

(Ben Burgis, Professor für Philosophie und Autor – Donald Rumsfeld, Rot in Hell, Jacobin, 30.6.2021, Übers. Maskenfall)

Jascha Jaworski

Ein Kommentar

  1. Auch dieser dankenswerte Beitrag zum Thema Menschenrechte, die ausgerechnet immer wieder von den USA bei Anderen unter Beifall eingefordert werden, zeigt das immer gern bei/von uns “übersehene” Pharisäertum, weil es vom eigenen vermeintlich ablenken kann. Herzliche Geburtstagsgrüße an Herrn Assange, der sich bedauernswerterweise an einem Ort eingekerkert befindet, an den die genannten Pharisäer gehören. Es ist eine Schande !!!

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