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No 533

“Herr Vorsitzender, liebe Mitglieder, ich stehe heute wirklich sehr schweren Herzens hier, eines, das von Trauer erfüllt ist für die Familien und die Angehörigen, die diese Woche getötet und verletzt wurden. Nur die törichtsten und gefühllosesten würden den Kummer nicht verstehen, der unser Volk und Millionen auf der ganzen Welt wirklich erfasst hat.
Diese unsägliche Tat gegenüber den Vereinigten Staaten hat mich jedoch wirklich gezwungen, mich auf meinen moralischen Kompass, mein Gewissen und meinen Gott zu verlassen. Der 11. September hat die Welt verändert. Unsere tiefsten Ängste verfolgen uns jetzt. Dennoch bin ich überzeugt, dass militärisches Handeln weitere internationale Terrorakte gegen die Vereinigten Staaten nicht verhindern wird. Dies ist eine sehr komplexe und vertrackte Angelegenheit.
Nun wird diese Resolution verabschiedet, obwohl wir alle wissen, dass der Präsident auch ohne sie einen Krieg führen kann. So schwierig diese Abstimmung auch sein mag, einige von uns müssen zur Zurückhaltung drängen. Unser Land ist in Trauer. Einige von uns müssen sagen: >>Lasst uns einen Moment zurücktreten. Lasst uns eine Minute innehalten und die Auswirkungen unseres heutigen Handelns durchdenken, damit dies nicht außer Kontrolle gerät.<<
Nun, ich habe mich bezüglich dieser Abstimmung gequält, aber ich habe mich damit auseinandergesetzt, und ich habe mich während der sehr schmerzhaften, und dennoch sehr schönen Gedenkfeier mit meiner Ablehnung dieser Resolution auseinandergesetzt. Wie ein Mitglied des Klerus so wortgewandt sagte: >>Lasst uns, während wir handeln, nicht zu dem Bösen werden, das wir beklagen.<< Danke […]”1

(Barbara Lee, Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus – Rede am 14. September 2001 zur “Authorization for Use of Military Force”, YouTube-Kanal von Barbara Lee, 14.9.2001, Übers. Maskenfall)

  1. Anm. JJ: Sie war es, ist es und wird es bleiben, meine Heldin. Barbara Lee hat sich am 14.9.2001 als einzige Abgeordnete gegen die Blankogenehmigung für den US-Präsidenten gewandt, mit der er gegen alles und jeden ohne Beteiligung des Kongresses Krieg führen durfte, der oder die in seinen Augen Terrorismus im Zusammenhang mit dem 11. September “geplant, autorisiert, begangen oder unterstützt” haben. Das Abstimmungsergebnis im Senat lautete 98 zu 0, das im Repräsentantenhaus 420 zu 1. Barbara Lee wurde in der Folgezeit mit massiven Beschimpfungen und zahlreichen Todesdrohungen konfrontiert. Die Hintergründe zu jener Zeit schildert sie in einem Interview mit DemocracyNow!, siehe “Rep. Barbara Lee, Who Cast Sole Vote After 9/11 Against “Forever Wars,” on Need for Afghan War Inquiry”. Wer die desaströsen Kriege der Vereinigten Staaten und die Toten durch weltweiten, nicht-staatlichen Terrorismus zur Kenntnis genommen hat, sieht, dass Barbara Lee Recht behalten sollte. Wie weit damals die Bush-Bande offenbar gehen wollte, hat General Wesley Clark 2007 in einem Interview mit DemocracyNow! ausgeführt, siehe hier. []

Jascha Jaworski

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