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No 582

“Die sechs analysierten Mineralölkonzerne (Saudi Aramco, BP, Total, Shell, ExxonMobile und Wintershall Dea) haben ihre Gewinne im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum trotz hoher Abschreibungen auf Nord Stream 2 und das russische Geschäft um rund 60 Milliarden US-Dollar erhöht. Auf den gesamten Mineralölmarkt hochgerechnet ergibt sich ein Übergewinn von rund 430 Milliarden US-Dollar; für das ganze Jahr wären es sogar rund 1.160 Milliarden US-Dollar.
Aus dem Preisanstieg seit Kriegsbeginn – um etwa 50 US-Dollar pro Fass bei Öl und etwa acht Euro pro mmBTU bei Gas – ergeben sich aus den deutschen Verbrauchswerten rechnerisch Übergewinne von 38 Milliarden Euro (Öl) beziehungsweise 25 Milliarden Euro (Gas) für ein Jahr. Bei den Produzenten von Strom aus Kernkraft und erneuerbaren Energien entstehen aus dem Preisanstieg um 140 Euro pro MWh zusätzliche Übergewinne von etwa 50 Milliarden Euro – ein großer Teil davon bei den vier großen Stromkonzernen. Weil aber BP und die anderen Mineralölkonzerne einen beträchtlichen Teil ihrer Gewinne in Steueroasen wie Singapur oder die Schweiz verschieben, und ein anderer großer Teil der Gewinne in den Produktionsländern verbucht wird, würde die nach traditioneller Methode berechnete Unternehmenssteuer nur einen kleinen Teil der Gewinne erfassen.
Je nach Ausgestaltung und Steuersatz (25, 50 oder 90 Prozent) könnte eine Übergewinnsteuer trotzdem Einnahmen von rund 30 bis 100 Milliarden Euro pro Jahr generieren. Die bisherigen Preisentwicklungen und das Beispiel Italien legen nahe, dass Einnahmen von 30 bis 40 Milliarden Euro realistisch wären. Würde es gelingen fast alle in Deutschland erwirtschafteten Gewinne auch hier zu besteuern, wären hypothetisch sogar 100 Milliarden Euro möglich.”

(Christoph Trautvetter und David Kern-Fehrenbach, wissenschaftliche Referenten beim Netzwerk Steuergerechtigkeit – Studie >>Kriegsgewinne besteuern – Ein Beitrag zur Debatte um Übergewinnsteuern<<, Netzwerk Steuergerechtigkeit, 16.8.2022)

Jascha Jaworski

Ein Kommentar

  1. Bitte, liebe Leute, ich stimme der Übergewinnsteuer ausdrücklich zu! Aber, und das meine ich nicht ironisch, gibt es dann im umgekehrten Fall eine Subvention? Sozusagen eine “Untergewinn”subvention? Mir ist das zu einfach: Heute Verlust – Pech (ggf. Verlustvortrag), morgen Gewinn – ab in die Steueroase (z. B. nach z. B. nach Wllmington, Delaware), übermorgen “Über”gewinn – der ist dann für uns!? Die Übergewinnsteuer tut dem natürlichen (Bauch-)Gefühl gut, unbeschadet einiger Ansätze in anderen Ländern: Ich kenne nichts brauchbares außer den kurzfristigen Gewinnzahlen und halte das für schwach, sry. Gibt’s da weiterführende Links?

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