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No 747

“Das Ding ist, die Tagesschau verstößt ständig selbst gegen das Zwei-Quellen-Prinzip. Zum Beispiel hier, als sie von einem Waffenfund im Al-Shifa-Krankenhaus berichtete. Die einzige Quelle: die israelische Armee. Die Tagesschau stellte die Sache selbst dann nicht richtig, als unter anderem Recherchen der BBC zeigten, dass der Waffenfund sehr wahrscheinlich von der IDF inszeniert war. Oder auch hier, als die Tagesschau mal wieder ohne jede Überprüfung über die Sprengung von Tunneln berichtete. Dass selbst die israelische Armee später bekannt gab, dass es die meisten dieser vermeintlichen Terrortunnel nie gegeben hat, erfuhr das Tagesschau-Publikum nie. Oder auch hier, als die Tagesschau ebenfalls ohne irgendeine Überprüfung einfach mal kurzerhand fünf von Israel getötete Journalisten zu Hamas-Kämpfern erklärte. Noch mit Bild vom brennenden Pressefahrzeug im Hintergrund. Und das sind keine seltenen Ausrutscher. Ich könnte euch dutzende Beispiele zeigen, in denen die Tagesschau gegen das Zwei-Quellen-Prinzip verstößt. Und da sind die hunderten Fälle, in denen sich die Redaktion mit ein paar Anführungszeichen, Doppelpunkten oder Konjunktiven einfach ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht entledigt, noch gar nicht mitgerechnet. Und auch da fangen die Probleme erst an. Fehlende Ausgewogenheit, unkritische Übernahme propagandistischer Sprache, das Weglassen wichtiger historischer und juristischer Hintergründe. Es gibt eigentlich kaum einen journalistischen Grundsatz, gegen den die Tagesschau nicht regelmäßig verstößt.”1

(Fabian Goldmann, Journalist und Autor – Warum die Tagesschau keinen Journalismus macht, X-Kanal von Fabian Goldmann, Tweet vom 17.3.2026)

  1. Anm. JJ: Einigen Menschen, die ich kenne, gefällt Kritik an den öffentlich-rechtlichen Nachrichten nicht, weil sie befürchten, dass dies den Formaten schaden würde, so, wie rechte Kräfte dies gern wollen. Oder, weil sie damit aufgewachsen sind und sich von der Überzeugung lösen müssten, dass hier weitgehend sauber berichtet wird (“Worauf soll man sonst noch vertrauen?”). Beides sind keine klugen Positionen. Es bringt nichts, seine Augen vor der beobachtbaren Welt zu verschließen. Und nur, weil viele etwas mit schlechten Argumenten und Emotionen diskreditieren wollen, heißt es nicht, dass es nicht andere, angemessene Argumente gibt, die zur Kenntnis genommen werden müssen. Fabian Goldmann leistet hier eine wertvolle Arbeit. Es bringt nichts, die Augen zu verschließen. Man muss sich über seine Wertmaßstäbe im Klaren sein und sie unnachgiebig daran anlegen, was real beobachtbar ist. Das ist die einzige Chance, die wir auf diesem Planeten haben, möchte ich pathetisch anmerken. Und was die Öffentlich-Rechtlichen betrifft, nur so hätten sie eine Chance, einst zu dem zu werden, wie sie sein sollten (und wie sie sich selbst irrtümlicherweise sehen): Faktisch, klar, transparent, ohne doppelte Standards, im Sinne einer Informierung über die Welt als wichtige Quelle und Ausgangsbasis für Bürgerinnen und Bürger, sich ihre Meinung zu bilden und an der Demokratie teilzunehmen. []

Jascha Jaworski

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