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Robert Misik über den Zusammenhang von Sozialhilfe, Niedriglohn und Lohnniveau

Robert Misik geht auf den Zusammenhang zwischen Sozialhilfe, Niedriglohn und Gesamtlohnniveau ein. Er zeigt auf, wie der kurzschlüssige Gerechtigkeitssinn, der manche Menschen dazu treibt, weniger Einkommen für Arbeitslose einzufordern, diese Menschen am Ende selbst schlechter stellt, indem die im gesellschaftlichen Bewusstsein verankerte Lohnpyramide auf diese Weise nach unten rutscht und die überwiegende Mehrheit der abhängig Beschäftigten schlechter dasteht: “Wer dem armen Schlucker die Sozialhilfe neidet […]”

Tatsächlich wird der Neid nach “unten” politisch-medial geradezu befeuert. Eine der heißen Diskussionen bestand und besteht darin, niedrigere ALG-II-Sätze einzufordern, um so den “Anreiz” für die Bevölkerung im Niedriglohnbereich nicht kaputt zu machen. Hier wurde das Lohnabstandsgebot als Schlagwort aus dem SGB XII u.a. in diversen Talkshows nicht nur einseitig ausgelegt, sondern wahrnehmbar auch über das Grundgesetz gestellt, indem die untere Grenze für Sozialleistungen noch weiter vom Ziel der soziokulturellen Teilhabe entfernt werden soll, als sie es bereits jetzt schon ist.

Der Erfolg derartiger Kampagnen ist, wie auch Misik anklingen lässt, zugleich ein makroökonomisches Problem, indem die Nachfrage durch sinkende Löhne stagniert, mit steigender Arbeitslosigkeit als Folgeproblem. (Doch kann an dieser Stelle gar nicht dargestellt werden, mit was für einem tiefgreifenden Verteilungsproblem wir es mittlerweile weltweit zu tun haben, das v.a. durch den Fall von Lohnquoten, sowie Lohnspreizung und Lohnflexibilisierung bedingt ist. Einen kleinen Einblick für Deutschland bieten wir weiterhin hier an.)

Zwar wird in der Schule unterrichtet, wann Julius Cäsar den Rubikon überschritt oder was ein Jambus ist, doch was die grundlegende Funktion von Löhnen in einer privateigentumszentrierten Marktwirtschaft ist, in welchem Verhältnis Lohn, Zinsen, Kapital und Arbeit zueinander stehen oder dass es überhaupt so etwas wie ein Wirtschaftssystem mit vielfältigen und konsequenzenreichen Umverteilungsmechanismen gibt in einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft, wird hingegen meistens ausgelassen und somit offenbar als weniger relevant erachtet?! Den Wirtschaftsmarionetten und Sattelträgern der Eliten wird es wirklich zu einfach gemacht in diesem Land.

Jascha Jaworski

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