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Kuriose Verteilungsverhältnisse

Ein wundervoll illustratives Video zur Verteilungssituation in den USA, wie sie ist, wie sie sein sollte und wie die Bevölkerung über sie denkt:

Die große Leistung der Besitzstandswahrer, sowie ihrer Steigbügelhalter in Politik, “Wissenschaft” und Show-Business besteht darin, die Bildung eines Kollektivbewusstseins für diese tödliche Wunde der Gerechtigkeit zu verhindern. Dabei sind diese Verhältnisse – die weltweit immer unverschämter werden, der World Wealth Report 2012 spricht unverblümt von “Plutonomie” – nicht allein aus abstrakt normativer Sicht eine Katastrophe, sondern führen zu deutlich belegten Folgeproblemen. Selbst Paper des neoliberalen IWF haben angemerkt, in welchem kausalen Zusammenhang Ungleichheit und Finanzkrise miteinander stehen. Und aus sozialer Sicht haben nicht zuletzt die Studien von Wilkinson und Pickett gezeigt, wie etwa Einkommensungleichheit die Wurzel gesellschaftlicher Probleme ist.

Wer nun meint, die Verhältnisse in Deutschland wären ganz andere, liegt leider genau falsch. Zwar mag der Sozialstaat hierzulande trotz der antisozialen Hartz-Reform nachwievor ausgeprägter sein als in den USA, doch auch hierzulande besitzt das oberste 1% der Bevölkerung rund 36% des Gesamtvermögens [S. 11], wie das DIW auf Grundlage seines sozioökonomischen Panels und datenbasierten Verteilungsschätzungen aufzeigen konnte.

Die Mechanismen der Umverteilung sind bekannt, ebenso wie die Gegenmittel. Dass sich die Umverteilung von unten nach oben jedoch mit der Zuverlässigkeit eines physikalischen Gesetzes fortführt, ist keine Angelegenheit der Naturwissenschaft, sondern gesellschaftlicher und politischer Aktivität. Aktivitätsmöglichkeiten gibt es genug: umFAIRteilen, Blockupy, Attac, die Linke, weed… Ohne zivilgesellschaftlichen Akteur hingegen werden Würde und Demokratie immer weiter verlieren.

Jascha Jaworski

3 Kommentare

  1. Sehr schön, wenn man beim “American Dream”-Gerede weghört!;) Und dass die Gleichverteilung des Vermögens nicht funktionieren kann, ist ein gewagte Hypothese. Die Vergütungsunterschiede der Menschen ist jedenfalls nicht die einzige Motivationsquelle für eine sinnreiche, angstfreie und anspruchsvolle berufliche Tätigkeit.

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