Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken
1

Ukraine-Berichterstattung – Gegenangebot zur Hetze der taz

Man stelle sich vor, in Deutschland würden gewalttätige Demonstranten, die den Rücktritt der gewählten Regierung fordern, versuchen, das Parlament zu erstürmen. Zahlreiche von ihnen würden sich zudem offen als faschistische Kräfte outen, die sich positiv auf den Nationalsozialismus beziehen und Kriegsverbrecher zu ihrer Symbolfigur machen. Sie würden die Polizei mit Molotowcocktails bewerfen und tot schlagen. Wie würde die deutsche Regierung wohl reagieren? Und wie würden die Medien hierzulande darüber berichten?

Dies ist jedoch die Situation, die momentan in der Ukraine vorherrscht. An dieser Stelle soll nicht der Mehrheit der Demonstranten abgesprochen werden, dass sie berechtigten Protest gegenüber der ukrainischen Regierung üben und durch Demonstrationen und zivilen Ungehorsam versuchen, selbige gar zum Rücktritt und vorgezogenen Neuwahlen zu bewegen. Die ukrainische Regierung ist sicherlich keine, die als sozialfortschrittlich anzusehen wäre, doch sollte man darüber gewisse Dinge nicht aus dem Blick verlieren. Hier geht es etwa um die Mittel, die gewählt werden, um eigene Interessen durchzusetzen. Und es geht darum, wie die Geschehnisse in den Medien dargestellt werden, wessen externe (geopolitische) Interessen im Konflikt involviert sind und über welche Maßnahmen diese wiederum herbeigeführt werden. Den Leitmedien hierzulande Einseitigkeit und Verkürzung zu unterstellen, wäre hierbei eine grandiose Verharmlosung. Eine ausführliche Dokumentation des “Versagens der Medien”, so diese sich denn jemals der Ausgewogenheit und Korrektheit verpflichtet fühlten, erfolgte bereits durch andere (siehe erneut “Ukraine: Der Qualitätsjournalismus versagt”).

Nun aber, da die Situation in der Ukraine eine Eskalationsstufe erreicht hat, bei der es auf beiden zentralen Seiten (Demonstranten/Revoltierenden/Putschisten einerseits, Regierenden andererseits) kein Halten mehr gibt, scharf geschossen wird und zahlreiche Menschen täglich ums Leben kommen, sehen sich hierzulande offenbar selbst jene Medien zur Einseitigkeit und polarisierenden Einmischung aufgefordert, die sich ehemals als “links” verstanden. Die taz betreibt eine üble Hetze und schiebt dabei einen Konflikt an, in dem faschistische, nationalistische Kräfte zentraler Akteur der Eskalation sind. Bernhard Clasen hetzte am 19.2. im taz-Kommentar in Richtung weiterer Eskalation, indem er die zukünftige Entwicklung durch seine Meinung auf zwei Möglichkeiten verengte:

Jetzt gibt es keinen Verhandlungsspielraum mehr. Einen Bürgerkrieg verhindern kann nur noch einer: Janukowitsch. Mit einem bedingungslosen Rücktritt. Seine Krokodilstränen über die Toten des Maidan braucht das Land nicht. Sein Aufruf an die Opposition zum Kompromiss käme für diese einer bedingungslosen Kapitulation gleich.”

Hier entwickelt sich die taz offenbar zur Bildzeitung für Leute mit Öko-Lifestyle. Wir hoffen, dass sich nicht viele Leser_innen von derartiger Kriegsrhetorik beeindrucken lassen und darum bemüht sind, ein differenzierteres Bild vom Geschehen zu erhalten. Um einen Kontrapunkt zum medialen Einheitsbrei hierzulande zu setzen, verweisen wir auf Informationsquellen, die eine andere Perspektive einnehmen als jene, die von Bild bis taz eifrig konstruiert wird:

Der “Hintergrund” berichtet über die rechtsextreme Strömung innerhalb des ukrainischen Protests, die Interessenslage und Einmischung seitens EU und USA, sowie die manipulative Medienberichterstattung: “Im Endkampf”

Wer einen Eindruck davon erhalten möchte, mit welcher Gewalt der ukrainischen Polizei mittlerweile begegnet wird, kann sich diesen unter eigenem Rechercheaufwand auf YouTube verschaffen, wir verweisen hier lediglich auf ein Video von “Radio Free Europe”, einer US-PR-Einrichtung, die aufgrund ihrer Finanzierung durch den US-Kongress unverdächtig ist, Berichterstattung im Dienste der ukrainischen Regierung zu betreiben: “Violent, Dramatic Clash in Ukraine’s Capital”

Wer etwas über die ethnischen Bedingungsfaktoren des Konfliktes und die lebensweltliche Zweigeteiltheit der Ukraine erfahren möchte, die die in der taz konstruierte Klarheit der ukrainischen Bevölkerung in Sachen pro-EU Lügen straft und die Gefahr eines Zerfallens des Landes unter den jetzigen Zuständen verdeutlicht, sei auf einen anschaulichen Artikel der Washington Post verwiesen: “This one map helps explain Ukraine’s protests”

Im angeheizten ukrainischen Konflikt sollten alle an Gewaltlosigkeit und politischen Lösungen interessierten Menschen wachsam sein gegenüber dem Potential an Einseitigkeit in Medien und politischen Eliten. Interventionseifer, der aus einer unterkomplexen und befindlichkeitsschwangeren Analyse resultiert, würde nicht zum ersten Mal dazu führen, dass viele unbeteiligte Menschen mit Leiden überzogen werden, ohne dass sich etwas in eine sozialfortschrittliche Richtung verändert.

Zusatz:

Es sei noch auf den englischsprachigen Artikel “Chaos in Kiev: A Mess Made by The West” verwiesen, der nicht nur verdeutlicht, wie durch politische Interventionen besonders seitens der USA und Deutschlands die gewalttätigen Putschisten bestärkt wurden, sondern der ebenso entlarvt, wie die Erzählung vom Westen als wahrer Demokratie, die ihre Werte zum Wohle aller Menschen verbreiten will, reichlich verzerrt ist, wie das Agieren nicht zuletzt auf EU-Ebene erkennen lässt.

Jascha Jaworski

Ein Kommentar

  1. Ich sehe das so:
    Das Ganze hat Potential zum 3. WK. Denn Russland kann sich nicht gefallen lassen, ein Raketenabwehrschild direkt vor seiner Nase zu tolerieren. Das ist die Gefahr. Russland muss dann angreifen. Und das wird provoziert,… wenn es mit Syrien nicht klappt, vielleicht jetzt hier?…. oder dann im Iran…? Ich habe die Befürchtung. Es ist ja zu lesen, dass die Demonstranten gegen das Regime sogar von der Adenauerstiftung finanziert werden. Mein Gott.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.