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FP: “It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone”

Sicherlich gibt es nicht viele Gelegenheiten, bei denen man einem Artikel aus dem US-amerikanischen Elitenmagazin Foreign Policy zustimmen kann, bedenkt man die imperiale und häufig völkerrechtswidrige Politik der Vereinigten Staaten. Doch wo das Magazin Recht hat, hat es Recht:

“It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone” (20.2.2015)

Und hier einige Zitate, die von uns mit bestätigenden Bildern unterlegt werden:

“In fact, Germany’s chronic trade surpluses lie at the heart of Europe’s problems; far from boosting the global economy, they are dragging it down.”

(Foreign Policy, It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone, 20.2.2015)

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“Trade surpluses take place when a country chooses to spend less than it produces — when it has excess savings, beyond its domestic need for credit.”

(Foreign Policy, It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone, 20.2.2015)

Ja, aber woher kommt das? Z.B. daher, dass man seine ArbeitnehmerInnen nicht mehr am Produktivitätszuwachs beteiligt:

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…und auf diese Weise eigene Nachfrage verhindert:

Eurokrise:  Deutschlands Binnenmarkt im Gegensatz zu Frankreich am Boden [Artikel]

…bzw. die Wettbewerbsfähigkeit erhöht, jedoch nicht durch Innovation, sondern ein Dämpfen eigener Kostensteigerungen hinter das, was einst vereinbart wurde:

Eurokrise: Entwicklung der nominalen Lohnstückkosten

“The eurozone crisis is often called a debt crisis. But, in fact, Europe as a whole did not have an external debt problem, but an internal one: German surpluses and mounting debt in Europe’s periphery were two sides of the same coin.”

(Foreign Policy, It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone, 20.2.2015)

Eurokrise:  Entwicklung des Saldos der Leistungsbilanzen

“Normally, each country would pursue its own monetary policy, relying on exchange rate adjustments to shift the locus of demand from those that could not afford it to those that could. Under a single currency, though, this could not happen. Instead, Europe’s debtors were forced to slash demand, through a combination of fiscal austerity and debt deleveraging.”

(Foreign Policy, It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone, 20.2.2015)

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“So what should be done? The best solution — and the least likely to be adopted — is for Germany to leave the euro and let a reintroduced Deutsche mark appreciate.”

(Foreign Policy, It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone, 20.2.2015)

Und eine Möglichkeit, diese Option zu unterstützen, findet sich hier:

http://germanexit.wesign.it/en

Mit einem wirklich “modest proposal”, da immerhin zwei Lösungen in dieser Petition angeboten werden:

“Today we propose two solutions to the German Chancellor: 1) Wolfgang Schäuble must resign, so we can begin reasonable negotiations such as those started by the former Greek Finance Minister, Yiannis Varoufakis. 2) Germany should exit the Eurozone.”

Jascha Jaworski

6 Kommentare

  1. Volle Zustimmung! Ein sehr guter Beitrag!
    Nur, wenn wir jetzt aus dem Euro aussteigen und unsere dann nationale Währung massiv aufwertet, reimportieren wir die mit unseren Überschüssen exportierte Arbeitslosigkeit auf einen Schlag, oder? Das wird auch nicht “lustig”.

    Aber unsere Mainstreamökonomen haben ja immer gesagt: Unsere Überschüsse haben mit den Preisen nichts zu tun – wir sind halt so unheimlich gut, dass jeder unser Zeug zu jedem Preis kauft …
    Nun, wir werden dann ja sehen, wie falsch diese Aussage ist.
    LG Traumschau

    • Ja, da hast du völlig Recht, schön ist es tatsächlich nicht, sogar total ungerecht für die betroffenen Arbeitnehmer_innen. Sie würden Opfer ökonomischer Ignoranz (natürlich hat es auch mit Macht zu tun) von historischem Ausmaß, aber es ist auch die Frage welche Konsequenzen – auch für Arbeitnehmer_innen – das vorherzusehende Platzen der Deutschen Exportblase bewirken würde. (Möglicherweise massive Austerität auch unter dem Motto “Reformnachzug beheben”).
      Zusätzlich sollte man auch die Unterschiede des potentielle Leids der Arbeitnehmer_innen, nämlich das Vorhandensein von längerfristigen Arbeitslosenhilfe, in den einzelnen Ländern bedenken. Während deutsche Arbeitnehmer_innen im Falle von Arbeitslosigkeit natürlich immensen seelischen Belastungen, unangemessenen ökonomischen Einschränkungen und abartigen Formen der Frembestimmung (Jobcenter) ausgesetzt sind, so ist in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal bei Arbeitslosigkeit das Leben umittelbar bedroht.
      Natürlich bleibt dann die Frage wie lange diese Zahlungen von der Politik aufrecht erhalten werden würden, man betrachte allein mal griechische Verhältnisse in der BRD: Wenn 25% der 45 Mio Erwerbspersonen Arbeitslos wären und 1000€ Unterstützung erhalten würden, so bedeutete dies 135 Mrd. Euro Kosten im Jahr (Wer in dieser Situation Primärüberschüsse verlangte, würde zur Lachnummer)

  2. An der Aussage ist nichts falsch. Nicht die Überschüsse sondern die Produktionweise, die erzeugt Überproduktion. Es wird ja nicht für Export produziert, es wird Produziert. VW baut in Wolfsburg, dennoch wird VW auch in München verkauft, da das immer noch nicht reicht weil mehr Autos da sind wird auch in Österreich verkauft usw. Das hat dazu geführt das Schweden keine Autos mehr baut und England auch nicht, die Arbeitsplätze sind jetzt in Wolfsburg. Wieso sollte das Kapital daran was ändern? Sie machen doch das was sie machen sollen, Profit.
    Falls jemand Zollschranken aufbaut wird er niedergemacht, dafür gibt es auch den IWF und die Weltbank. Es ist alles so wie es im Grundgesetz steht und wie die Deutschen es wollen. Solange bis es ihnen an den Kragen geht, damit das hinausgeschoben wird für die Monopole wird TTIP eingeführt. Da können die Vulgärökonomen sagen was sie wollen.
    “Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Warensammlung”

  3. Wir stehen am Anfang einer wirtschaftlichen Katastrophe. Die Angebotspolitik seit Schröder ist grandios gescheitert. Ausbaden darf es der Kleine Mann.

    • Absolut, er ist einer der frühesten Mahner und wahrscheinlich der engagierteste und eifrigste Kritiker.

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