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No 212

“Im Übrigen ist die zunehmend praktizierte Verletzung der Souveränität demokratischer Staaten, wie sie im Fall Griechenlands zu einem neuen zuvor unbekannten Höhepunkt gekommen ist, nichts anderes als die Neuformulierung der Breschnew-Doktrin: Die neue Schäuble-Doktrin von der begrenzten Souveränität demokratischer Staaten beinhaltet das Recht, massiv von außen zu intervenieren, wenn der Neoliberalismus bedroht ist.
Man kann also im wiki-Eintrag getrost ‘Breschnew’ durch ‘Schäuble’ und ‘Sozialismus’ durch ‘Neoliberalismus’ ersetzen und kommt recht nahe an den Kern der Sache.”

(ein Maskenfallvertrauter – 15.7.2015)

Jascha Jaworski

5 Kommentare

  1. Allen Deutschen die sich so vehement gegen weitere Hilfen für Griechenland aussprechen, sei ins Stammbuch geschrieben. Deutschland hat in seiner Geschichte noch nie seine Schulden zurückbezahlt.

    Und hätte Deutschland bei der Londoner Schuldenkonferenz 1953 nicht einen Schuldenschnitt sowie die Umstrukturierung der Schulden bekommen, wäre es Deutschland genau so gegangen wie heute Griechenland.

    Nicht nur dass Deutschland einen Schuldenschnitt und Umstrukturierung seiner Schulden erhielt, hat Deutschland bis heute seine Schulden nicht zurück gezahlt. Ja sogar durch Tricks (siehe zwei plus vier Verträge) gegenüber Griechenland die Rückzahlung seiner Schulden gegenüber Griechenland verweigert? Also liebe Deutsche, bevor sie überhaupt von Moral, Anstand, Betrug etc. p.p. großspurig gegenüber Griechenland sich äußern, sollte sich jeder Deutsche erst einmal an seine eigenen Nase fassen, bevor man Oberlehrerhaft über andere urteilt oder verurteilt. Schämt euch!

    Wenn sie liebe Deutsche, und das wird hier in der Mehrheit vorgetragen, so auf Anstand und Moral verweisen. Dann sei daran erinnert, dass Deutschland für zwei Weltkriege verantwortlich war, und für fabrikmäßigen Millionenmassenmord verantwortlich? Liebe Deutsche, in diesen Kategorien gedacht, hätte Deutschland nie geholfen werden dürfen. Und wenn sie sich auch noch so als Moralapostel oder sogar als “Zahlmeister” sehen, den Schaden den Deutschland einst angerichtet hatte, kann man nie mehr zurückzahlen. Dagegen, ist das wenige was gezahlt wurde, in Anbetracht des unermesslichen Leids vieler Nationen, Peanuts, dafür sollten sie sich liebe Deutsche schämen, überhaupt das Wort “Zahlmeister” genannt zu haben.

    Da man aber, und davon bin ich überzeugt, die Mehrheit in Deutschland bedauern den Krieg verloren zu haben, dass geben alleine die vielen menschenverachtenden Kommentare im Jahre 2015 wieder, die Ideologie von 1933 war nie weg, wie man heute im Jahre 2015 an den vielen unterirdischen Kommentaren und Berichterstattungen in Deutschland sehen, hören und lesen kann. Schämt euch!

    • Ein großer Teil der Kommentare, die teils in den Foren der Leitmedien abgeliefert werden, deutet tatsächlich an, dass die Vergangenheit hierzulande auch hätte unter einem allgemeineren Blickwinkel analysiert werden müssen:
      Was sind die Bedingungen von Nationalismus, Chauvinismus und der Bereitschaft zur Entmenschlichung? Wie sieht die Eskalationsdynamik allgemein aus? Wie funktionieren Feindbilder und die entsprechende Propaganda? Wie stark basieren auch moderne Demokratien auf Konformität? Etc. Derartige Fragen als gesellschaftliche Debatte sind jedoch schwer denkbar, schließlich würden sie die Techniken zur Herstellung jener Demokratiekonzeption schwächen, die “die alten Tanten” aus Georg Kreislers “Nebenan” im Sinn haben. (http://www.golyr.de/georg-kreisler/songtext-nebenan-466753.html)

      Was die Falscherzählung von Deutschland als “Zahlmeister” anbelangt – bisher wurden lediglich Bürgschaften ausgesprochen, an denen Deutschland auch noch Zinsen verdient – noch einmal die Zahlen aus Hannes Folien:
      “Einnahmen der BRD durch Eurokrise:
      € 380 Mio. Zinsen für bilaterale griechische „Hilfskredite“
      (2010-2015)
      € 80 Mrd. geringere Zinszahlungen für Staatsanleihen –
      Deutschland als „Sicherer Hafen“ (2009-2015)
      Exportvorteil für deutsche Industrie durch schwachen
      Euro-Dollar-Kurs

      Maximaler Verlust bei griechischem Zahlungsausfall:
      € 55 Mrd. (bilateral, EFSF-Anteil, IWF-Anteil)”

      (http://www.maskenfall.de/wp-content/uploads/2015/07/greece-economy-Johannes-Stremme.pdf)

    • Mir ist nicht ganz klar, welchen genauen Bezug dieser Beitrag zum Arikel hat. In einer Antwort darauf wurde ja in anderem Kontext die Frage aufgeworfen wie Eskalationsdynamiken allgemein aussehen. Nun, in einem speziellen Fall ist es ja hier eindrücklich zu sehen: Man grenzt sich, was die Gruppenzuordnung betrifft, ab und würdigt die Outgroup undifferenziert und kollektiv herunter. Am Besten noch mit schön polemischem Duktus und stereotyp durchtränkten Generalisierungen. Genau so eskaliert man einen Konflikt/Diskurs und schafft eine Dynamik die eine ädaquate Auseinandersetzung miteinander unmöglich macht. Besonders pikant wird es dann, wenn man eine Gruppe (kollektiv!!!) vor dem Hintergrund einer Geschichte angreift, die das selbe Denkmuster zeitigte, wie jenes, dem man nun selbst erliegt. Inhaltlich liegen Sie sicherlich nicht falsch, die Art und Weise macht den Beitrag für die Sache, die Sie damit vertreten wollen aber nicht nur unbrauchbar, sondern gar schädlich.

      • Ich kann diese Polemik sehr gut nachvollziehen. Inhaltlich mögen Sie zwar Recht haben, es ist aber nicht zu leugnen, dass die deutsche Außenpolitik seit der Wiedervereinigung europäische Dominanz zum Ziel hat. Ich erinnere an die Balkankriege Anfang der 90er, die Bombardierung Belgrads 99, Afghanistan 2001, die Anerkennung Kosovos 2004, sowie den Wirtschaftskrieg gegen die europäischen Nachbarn seit 2004, Flüchtlingsfrage usw.Der diplomatische Totalschaden vom 13. Juli resultiert aus der stringenten Fortsetzung der Politik Anfang der 90er. Vor diesem Hintergrund würde ich mir schon die Frage stellen, ob Deutschland nicht dort weitermacht, wo es 45 gestoppt wurde. Zumal Deutschland einen großzügigen Schuldenerlass erhielt, sowie eine Stundung der Restschuld. Das schändliche, großherrische Auftreten gegenüber Griechenland und anderen Ländern sollte meines Erachtens eine noch stärkere polemische Reaktion hervorrufen, um endlich eine Debatte anzustoßen.

        • Wie gesagt, meine Einwände bezogen sich nicht auf den Inhalt des Geschriebenen und ich halte die Emotionalität/das Involvement, die/das in der Form solcher Beiträge kräfig mitschwingt auch für sehr verständlich. Ich denke eben nur, dass solche (oder noch stärkere) Reaktionen keine (richtige) Debatte anstoßen, sondern eher das Gegenteil bezwecken. So kann sich jeder mal Luft machen und dem Gegner alles an den Kopf werden… aber inhaltlich gewonnen ist damit nichts. Im Gegenteil, die Fronten werden sich weiter verhärten, die Gruppen sich schärfer voneinaner abgrenzen und ihre Positionen einander gegenüber eskalieren. Damit wird der Sache nicht gedient sein, sondern allenfalls einigen psychischen Bedürfnissen.

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