Albrecht Müller zur Wachstumskritik

Albrecht Müller hat seinen kürzlichen Vortrag zum Thema Wachstumskritik auf den NachDenkSeiten zur Verfügung gestellt. Er gehört zu den Mahnern der üblichen Wachstumskritik, da die Debatte am eigentlichen Thema einer lebenswerteren und umweltfreundlicheren Zukunft durch ihre Fixierung auf einen bloßen Kennwert, der nach aller wirtschaftlichen Aktivität gemessen wird, wenig zielführend ist:

„Wachstumswahn, Wachstumszwang, Postwachstumsgesellschaft – eine irrelevante und in die Irre leitende Debatte“

An den Darstellungen, die Herr Müller macht, wird deutlich, worin das eigentliche Umdenken für eine bessere Zukunft liegen sollte: in der Neuentdeckung des politischen Gestaltungsspielraums. Hingegen leben wir ja in Zeiten, in denen es gemäß Personen wie Angela Merkel darum geht, „die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist“. Es ist gerade dieser Marktglaube, der das Politische immer weiter demontiert hat. Heutzutage ist es fast undenkbar geworden, in die Verteilungsergebnisse des Marktes stärker einzugreifen (z.B. durch Steuern, Umverteilung, Sozialleistungen, staatliche Investitionsprogramme) und den finanziell benachteiligten Menschen so ein auskömmlicheres Leben zu verschaffen oder eben auch gezielt Produktivkräfte für umweltfreundlichere Strukturen aufzuwenden (somit frei von kurzfristigen Profitmaximierungen, wie sie die konkurrenzgetriebenen Privaten verfolgen müssen). Das neoliberale System des freigeschalteten Marktes hat seit den 70ern zu immens steigender Ungleichheit geführt. Dieses System hat künstliche Knappheiten (Altersarmut, Infrastrukturverfall, geringere Gesundheitsleistungen, Massenarbeitslosigkeit) erzeugt, die viele Menschen natürlich die Sorgen zunächst auf ihr Nahumfeld richten lassen, anstatt auf die ökologische Gesamtsituation. Ausschließlich Bioprodukte zu kaufen, kann nur fordern, wer über das nötige Geld verfügt. Eine grün-bourgeoise Ignoranz steht hierhinter. Schreien wir also nicht nach weniger Wirtschaftswachstum, sondern nach mehr politisch-demokratischer Gestaltung, nach weniger Angst für die Menschen, mehr Bildung in einem zur Selbstreflexion befähigenden Sinne und nach der Aufgabe des Marktdiktats, denn welche Zukunft dieser für Mensch und Natur vorgesehen hat, können wir aus den letzten drei Jahrzehnten ableiten!

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