Eine kleine Auswertung der Hans Böckler Stiftung eröffnet auf einen Blick, wer zu welchem Anteil mit seinem Einkommen in die Pflicht genommen wird und verdeutlicht dabei eine der zahlreichen Gerechtigkeitslücken hierzulande:
„Die stärksten Schultern werden geschont“
Auch in der letzten Runde der Spielzeuglenkradzuweisung (Bundestagswahl) wurde seitens vieler Medien wieder Stimmung gegen Steuererhöhungen gemacht, dabei ist kaum etwas nahe liegender als eben jenes. Noch liegt die Entscheidungsgewalt zur Korrektur perverser Verteilungsverhältnisse auch in der Hand einer demokratischen Öffentlichkeit, doch wird dieser eben Sand in die Augen gestreut, indem etwa völlig unangemessene Welteinteilungen sprachlich transportiert werden. Es gibt weder „den Steuerzahler“ noch ein „UNS geht es gut“. Hinter all diesen bewusst unglücklich gewählten Aggregationsbegriffen verbergen sich sehr unterschiedliche Lebensverhältnisse. Vom Hartz-IV-Betroffenen über die Vollzeit-Niedriglöhnerin bis hin zum Milliardär, der sein Einkommen aufgrund des Umstandes bezieht, dass ihm bloße Eigentumsrechte vererbt wurden, die nun zahlreiche Menschen mit ihrer Arbeitskraft zu bewirtschaften haben (im Grunde eine Feudalbeziehung). Mittlerweile liegen recht umfangreiche und sehr aktuelle Zahlen vor, was die Verteilungsverhältnisse allein in Deutschland betrifft. Der Trend ist auch eindeutig: überall explodiert die Ungleichheit. Die Reichen werden reicher, die Armen zahlreicher, die Vermögenseinkommen steigen an, die Lohneinkommen stagnieren, das öffentliche Nettovermögen ist beinahe aufgebraucht, das Privatvermögen konzentriert in den Händen weniger Personen jedoch weiß nicht mehr wohin und das alles in einem Land, das zudem Jahr für Jahr rund 180 Mrd. Euro an Forderungen durch sein perverses Exportüberschussmodell gegenüber dem Ausland auftürmt. Mit Steuern und Abgaben könnte man hier schon einiges an desaströser Entwicklung auffangen (so z.B., indem bei den Sozialversicherungen die Beitragsbemessungsgrenzen aufgehoben werden), aber anstatt durch Steuern zu steuern, wollten die Neoliberalen ja lieber durch Schuldenbremsen bremsen. Was eigentlich? Na, die Möglichkeit, dass die Mehrheit der Bevölkerung an den Wertzuwächsen beteiligt wird, die sie selbst doch herbeigeführt hat. Solange diese Mehrheit die Neoliberalen dafür jedoch noch mit Stimmenmehrheiten ausstattet, gehört sie selbst zu den Bremsern, und zwar der angstfreieren eigenen Zukunft.