No 23

„Ich schlage vor, wir sollten uns hoffend betätigen. Im Bloch‘schen Sinne. Nicht indem wir Luftschlösser bauen oder Wunschbildern nachhängen. Sondern indem wir die Pflicht auf uns nehmen, die humane Utopie zu entwickeln, die weder im Osten, noch im Westen jemals verwirklicht worden ist: Die Überwindung des humanen Schismas. Die alte Aufgabe ist immer noch unerfüllt. Wir müssen sie erfüllen. Für ein Land, in dem die Freien gleich und die Gleichen frei sind. […] Wem man in der Bundesrepublik den Mund verbietet, der wird sagen >>Ich kenne meine Grundrechte, ich darf sagen, was ich für richtig halte. Ich füge mich nicht.<< Doch wen man in der Bundesrepublik wegen Mietrückständen auf die Straße setzt, der wird sagen: >>Das ist der schlimme Lauf der Dinge. Ich muss mich fügen.<< Als könnte sich der Mensch auf der kalten Straße an seiner freien Rede wärmen.“

(Wolfgang Nešković, Politiker und Bundesrichter a. D. – Der Sozialstaat und die Wirtschaftskrise, Schriftenreihe Denkanstöße des Institut Solidarische Moderne, April 2010)

No 22

„Reading their work, it seems to me that if you have psychopathic tendencies and are born to a poor family, you’re likely to go to prison. If you have psychopathic tendencies and are born to a rich family, you’re likely to go to business school.“

(George Monbiot, Journalist – guardian.co.uk, 7 Nov. 2011)

No 21

„In unserer Wirtschaft werden sowohl Konsumgüter als auch Kapital- oder Investitionsgüter produziert; die ersteren gehen, wie ihr Name besagt, in den Verbrauch, die letzteren dienen langfristiger Nutzung, für Wohnhäuser und dergleichen, oder dienen selbst wieder der Produktion, für Fabriken, Maschinen usw. An der Erzeugung beider Arten von Gütern wirken die Arbeitnehmer mit; für die Arbeitsleistung in diesen beiden Zweigen der Produktion zahlen die Unternehmer ihnen Arbeitslohn; dieser Arbeitslohn erscheint in der Erfolgsrechnung der Unternehmer als Kosten. Verwenden die Arbeitnehmer nun den ganzen Arbeitslohn zum Kauf der geschaffenen Verbrauchsgüter, so heißt das: die Unternehmer erhalten die ganze von ihnen als Kosten aufgewendete Lohnsumme zurück und geben dafür nur die produzierten Konsumgüter ab; die neugeschaffenen Kapital- oder Investitionsgüter verbleiben ihnen sozusagen gratis und franko. Man könnte das auch so ausdrücken: die Arbeitnehmer schenken den Unternehmern die Kapital- oder Investitionsgüter und sind zufrieden, als Entgelt für ihre Leistung im Produktionsprozeß denjenigen Teil der produzierten Güter zu erhalten, der in Konsumgütern besteht. Auf diese Weise werden die Unternehmer reicher und reicher, die Arbeitnehmer bleiben Habenichtse.“

(Oswald von Nell-Breuning, Theologe, Ökonom und Sozialphilosoph – Kapitalismus und gerechter Lohn)

No 19

„Es scheint, als ob die immer krasser zutage tretenden Widersprüche des in Agonie befindlichen Kapitalismus eine Art Massenflucht in ein weltanschauliches Wunder- oder Zauberland befördern würden. Die kapitalistische Systemkrise wird nicht als solche erkannt, es findet eher eine fiebrige Suche nach den >>Schuldigen<< statt, während der Kapitalismus als solcher stumme Voraussetzung bleibt. Weite Teile des öffentlich geführten Diskurses kapseln sich von der Realität in einer Art massenmedial induzierten Blase ab, in der die alten ideologischen Gewissheiten weiterhin gepflegt werden können“

(Thomasz Konicz – Krise und Wahn, Telepolis 4.11.2011)

No 18

„I am convinced there is only one way to eliminate these grave evils, namely through the establishment of a socialist economy, accompanied by an educational system which would be oriented toward social goals.“

(Albert Einstein – Monthly Review, Nr. 1, 1949)

No 17

„Der Deutsche fügt sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Regierung, unter der er ist […] aus dem Geiste der Nation und dem natürlichen Hange des Deutschen hervorgehe: zwischen dem, der herrschen, bis zu dem, der gehorchen soll, eine Leiter anzulegen, woran jede Sprosse mit dem Grad des Ansehens bezeichnet wird, der ihr gebührt […]“

(Immanuel Kant – Anthropologie in pragmatischer Hinsicht)

No 16

“We all know, or at least sense, that the world is upside down: we act as if there is no end to what is actually finite—fossil fuels and the atmospheric space to absorb their emissions. And we act as if there are strict and immovable limits to what is actually bountiful—the financial resources to build the kind of society we need.”

(Naomi Klein – Rede an die Occupy Wall Street Aktivisten, 6.10.2011)

No 15

„It’s not the case … that indoctrination is inconsistent with democracy. Rather … it’s the essence of democracy. … When the state looses the bludgeon … you have to control what people think. And the standard way to do this is to resort to what in more honest days used to be called propaganda.“

(Noam Chomsky, Linguist – Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media)

No 14

„Eine Psychologie, die ihre Erkenntnisse ans Business verschachern will, muss die Systemfehler beim einzelnen Mitarbeiter suchen und nicht bei den Strukturvorgaben einer kapitalistischen Wirtschaft. Die akademische Psychologie ist auf dem gesellschaftlichen Auge blind und versucht deshalb, wie Peter Brückner bemerkte, >>den Stand der Gestirne bei bereichsweise bedecktem Himmel zu bestimmen<<.“

(Götz Eisenberg, Sozialwissenschaftler und Publizist – Die „Psychopathen kommen“, NachDenkSeiten)