Deutschlands Ökonomendorf bläst zum Angriff

Da betreibt Deutschland seit Jahren eine beggar-thy-neighbour Politik, also jene Strategie, die darauf angelegt ist, die eigenen ökonomischen Probleme ins Ausland zu verlagern, und erhält dafür nicht nur die herrschaftsstützende „wissenschaftliche“ Zertifizierung, sondern auch den Applaus seiner eindimensionalen Mainstreamökonom_inn_en. Doch nun, da die anderorts kumulierten Probleme notwendigerweise hierher zurückkehren und Maßnahmen auch seitens eines der Hauptverursacher (Deutschland) erfordern, um nicht in den kompletten Untergang zu führen, agitieren die gleichen „Glasperlenspieler“ (siehe Heiner Flassbeck zur Beschreibung der Spezies) lauthals dagegen. Ein Artikel im Handelsblatt geht auf die Thematik genauer ein (Selbiger greift dabei leider auf abschätzige Vergleiche gegenüber Alexis Tispras zurück, die ich ablehne):

Olaf Storbeck zum offenen Brief der 172

Wer sich fragt, warum Deutschland zu den Mittätern der Eurokrise gehört, sei erneut auf diesen Artikel verwiesen. Das Gruselige hierzulande ist das Zusammenspiel von Neoliberalismus und Konservativismus. Da werden Programme zur Umverteilung von unten nach oben, von den Löhnen zu den Gewinnen gefahren, die nicht nur durch Einnahmeausfälle die Staatsverschuldung haben ansteigen lassen, sondern v.a. durch sinkende Lohnstückkosten und mangelde Inlandsnachfrage die Verschuldung des Auslands gegenüber Deutschland aufgebaut haben (durch die stolzen Exportüberschüsse) (Neoliberalismus 1.Akt), so dass andere Länder Europas mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008/2009 (Neoliberalismus 2. Akt) und den damit verbundenen Wirtschaftseinbrüchen in massive Finanzierungsprobleme gerieten. Und dann werden ihnen Rezepte verordnet, die sie in die gleiche Lohnsenkungsorgie stürzen sollen (Neoliberalismus 3. Akt). Ein Wettrennen gegen die Wand. Nun jedoch, da viele Staaten unter den Widersprüchen zusammenzubrechen drohen und es darum geht, die akutesten Hilfsmaßnahmen einzuleiten, um zu verhindern, dass Gelder von dort, wo sie am dringendsten gebraucht werden, dorthin überwiesen werden, wo sie am wenigsten gebraucht werden (nämlich in Deutschland mit seinem enormen Auslandsvermögen), kommen die „Feld-, Wald- und Wiesenökonomen“ erneut zu Wort. Sie wollen weder europaweite Einlagensicherungsfonds, noch Eurobonds, noch EZB-Finanzierung, noch eine Bank für öffentliche Anleihen, noch eine Transferunion (konservatives Intermedium). Die Kombination aus „Konkurrenz-und-zwar-bitte-auf-allen-Ebenen-und-weltweit“, sowie „Kooperation-ist-gefährlich-und-führt-zu-moralischer-Verworfenheit“ treibt Europa in den Abgrund. Das wirkllch Bedauernwerte dabei ist, dass es den Menschen so viel besser gehen könnte. Ja, selbst vielen Entwicklungsländern, wenn die Krisen nicht das Portemonnaie der Industrieländer immer weiter schließen würden und die überschüssigen und quatschigen Mrd. Vermögen (als Ausdruck der explodierenden Ungleichheit) nicht vor lauter Verzweiflung auf der Suche nach lukrativen Anlagen auf die Rohstoffmärkte für Nahrungsmittel fließen würden, um dort die Preise zu treiben.

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