Dieser DGB-Klartext räumt mit der Inflationspanikmache auf, die landauf landab betrieben wird, indem er einige Argumente aufführt, die sich gegen den Kurzschluss „Ausweitung der Zentralbankgeldmenge = allgemeine Preissteigerung“ anführen lassen. Ich gehe nicht davon aus, dass hierzulande noch so viele Zeitgenoss_inn_en der deutschen Hyperinflation von 1923 unterwegs sind, dass Preissteigerungsängste der Bevölkerung über familiäre Erzählungen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt wären. Warum wäre dann nicht auch die katastrophale Kürzungs- und Deflationspolitik Brünings (1929) noch im Bewusstsein, an die doch nun Merkels EU-Kürzungskurs erinnern dürfte? Vielmehr werden derartige Inflationsängste gesellschaftlich konstruiert, zum einen durch mediales Trommelfeuer und zum anderen durch die Politik der künstlichen Verknappungen. Bei der Altersrente ist es etwa so, dass die Entgeltpunkte in ihrem Wert per Rentenformel herabgesetzt wurden, die Einkommen wurden jedoch nicht gleich im Folgejahr reduziert, da es hier wohl mehr Widerstand gegeben hätte, sondern man erhöht die Renten durch Nullrunden einfach wesentlich langsamer als die Preise steigen, so dass die Auszahlungen den Werten gemäß Rentenformel entsprechen. Natürlich haben so etwa Rentner_innen große Bedenken vor jedem zusätzlichen zehntel Prozentpunkt Preissteigerung, doch sollten diese nicht vergessen, dass die Weginflationierung der Kaufkraft politisch gewollt ist. Ebenso verhält es sich natürlich mit geringen Lohnsteigerungen und sonstigen Einkommen der Bevölkerungsmehrheit. Die Menschen sollten jedoch darüber informiert sein, dass eine geringe Inflation v.a. dazu gut ist, die gigantischen Geldvermögen zu bewahren und zugleich wenig Impulse für eine Ausweitung der Produktionskapazitäten zu setzen, da so ja Arbeitsverhältnisse jenseits prekärer Beschäftigung entstehen könnten. (Und mit einer relativ hohen Arbeitslosigkeit, bzw. einem zunehmend prekären Beschäftigungssystem lassen sich Lohnforderungen der Gewerkschaften einfach viel leichter zurückweisen).
Nachtrag:
Dass ein Abschmelzen von Kaufkraft durch Inflation wie bei der Altersrente natürlich im Rahmen von Herrschaftstechniken gezielt gewählt wird, zeigt etwa dieses politische Strategiepapier der OECD zur „politischen Machbarkeit von Anpassungsprogrammen“, in dem es heißt:
„Another politically risky measure would be to reduce the number (or
amount) of grants paid to secondary school and university students. […] It is therefore preferable to proceed with caution, for example by freezing the nominal amount of the grants despite inflation […]“ (S. 26)