Erneut kamen zahlreiche Menschen bei ihrem verzweifelten Versuch, die Mauern der EU zu überwinden, um Verfolgung und Hungertod zu entkommen, ums Leben. Hardliner Friedrich fiel nichts besseres ein, als Zweifel an der EU-Abschottungspolitik sogleich als „unbegreiflich“ zu geißeln. Erneut wird durch die Fokussierung auf die sog. Schlepper die Schuld für den Tod hunderter Menschen an der Oberfläche belassen, um ja nicht nach tieferen Ursachen des Elends zu suchen, bei denen ausbeuterische EU-Wirtschaftsinteressen flankiert von Diktatorenpaktiererei, Waffenexporten und kriegerischen Interventionen auf der historischen Grundlage kolonialer Verbrechen wesentlich mehr Erklärungskraft besitzen.
Verwiesen sei an dieser Stelle auf zwei Artikel auf German-Foreign-Policy.com, von denen der eine auf das zynische Agieren v.a. Deutschlands bei der Forcierung des Dublin-II-Abkommens eingeht und dabei die kontinuierliche Linie von CDU/CSU, SPD und FDP in Sachen Abschottung verdeutlicht:
Der andere Artikel geht auf den Druck Deutschlands gegenüber den südosteuropäischen Ländern im Rahmen von Schengen-Abkommen und Visafreiheit ein und zeigt dabei auf, wie hierdurch nicht nur bereits vorhandener institutioneller Rassismus verstärkt wurde, sondern Mazedonien und Serbien dahin gebracht wurden, menschenrechtswidrige Gesetze gegenüber der eigenen Bevölkerung zu beschließen:
In der Summe aus Wirtschafts-, Entwicklungs-, Flüchtlings-, Grenz- und Außenpolitik zeichnet sich ein recht deutliches Bild der heutigen Herrschaftsverhältnisse rund um die EU ab, das von den Vermögensoberschichten der industriellen und finanzwirtschaftlichen Kernzentren bis zu den illegalisierten migrantischen Arbeiter_innen in Südeuropa, sowie den sterbenden Flüchtlingen auf hoher See gekennzeichnet ist. Hierbei kann einem geradezu übel werden, doch funktionieren die Herrschaftstechniken von Alltagsfokussierung, Angst, neoliberalem Neusprech bis hin zu Wohlstandschauvinismus, Rassismus, Illegalisierung und Repression leider noch immer so gut, dass bislang wenig Progressives zu erwarten ist. Doch es formiert sich auch Widerstand, der sehr unterstützenswert ist.
Wer einige Mechanismen der Ausbeutung, die zu den grundlegenden Ursachen von Flucht gehören, konkretisiert haben möchte, sei noch einmal auf unseren Artikel zum Thema Afrika verwiesen: