„Um diesem Weg näher zu kommen, bedarf es allerdings einer bewussten und grundsätzlichen Abkehr vom neoliberalen Projekt. Das ist viel schwerer als es scheint, denn trotz der Großen Krise hat das neoliberale Denken in Theorie und Praxis nicht nur in seinen verschiedenen Facetten von opportunistisch-dumm über dreist-unverfroren bis zu radikal-gleichgültig überlebt. Es nimmt sogar einen neuen Anlauf, um das Rad marktradikaler >>Reformen<< weiter und noch schneller zu drehen, wie wir etwa in der europäischen Krisenpolitik unter deutscher Führung sehen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die zentrale neoliberale Idee von der >>Entthronung der Politik<< (F.A. von Hayek) so weitgehend Wirklichkeit geworden ist, dass der Repräsentant einer Großbank in Deutschland mit Stolz jubeln kann, dass >>die Finanzmärkte die Politik ins Schlepptau<< haben nehmen können. Die in der gegenwärtigen Wirtschaftswissenschaft maßgeblichen Kräfte haben diese demokratiefeindliche Entwicklung befördert, zumindest aber hingenommen. Dazu kommt, dass zentrale Bestandteile des neoliberalen Denkens zu einem Alltagsbewusstsein in der Bevölkerung geworden sind und damit eine kulturelle Dimension bekommen haben, die Protest, Widerstand und Kreativität erheblich erschweren.“
(Manifest von Lindau – Erklärung des Wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland anlässlich der 5. Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften mit 18 Nobelpreisträgern am 19.-23. August 2014)