(Rosa Luxemburg, Humanistin und proletarische Internationalistin)
4 Kommentare zu „No 29“
Das ist ja ein ziemlich dramatisches Zitat von der Roten Rosa.
Ob die Verhältnisse tatsachlich so dramatisch sind???
Meiner Ansicht nach gab es immer Wege zur Freiheit und oftmals ist es unklug rein destruktiv gegen gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen vorzugehen.
Intelligenter ist es, die Verhältnisse schrittweise zu verbessern. Der Versuch, mit einem Pulverfass die Fesseln wegzusprengen, was vermutlich die Rote Rosa im Sinn hatte, bringt oftmals unerwünschte Kollateralschäden mit sich.
Teilweise sind bestehende Normen gerechtfertigt, obgleich sie wie Fesseln zu wirken scheinen, teilweise können sie hinterfragt und kritisiert werden.
Gewalt ist keine gute Wahl: Es entsteht regelmäßig eine unselige Hassspirale und am Ende liegt alles in Schutt und Asche.
Auch ist es eine Frage der Perspektive, denn in letzter Konsequenz sind die Gedanken frei. :)
Der kommunistische Klassenkampf, das Zerschneiden der Fesseln, hat in vielen Fällen Unglück und Elend in die Welt gebracht.
Daher mag ich diesem Zitat Folgendes entgegenhalten:
Hass kann nicht mit Hass aus der Welt gebracht werden.
für dramatisch halte ich das Zitat nicht im Mindesten, dafür aber die Verhältnisse, es kommt eben darauf an, wie stark wir unseren Fokus weiten. Ob wir bei der alltäglichen Ausgrenzung und prekären Lebenssituation vieler Mitmenschen hierzulande verweilen, die sie zwar weiter bestehen lässt, ihnen jedoch die langfristige Daseinsfreude versperrt oder ob wir den Blick über die Landesgrenzen weiten, um die weltweite Ausbeutungspyramide (deren kausales Bausteinchen auch wir sind) mit ihren nicht zuletzt ökologisch katastrophalen Konsequenzen einzubeziehen.
Rosas Zitat halte ich für überaus angemessen. Interpretiere ich es als Einzelaussage, bemerke ich, dass es in useren Zeiten, in denen „freie Medien“ existieren, wir in einer „Demokratie“ leben, doch gerade darum geht, dass die Fesseln nicht ohne weiteres sichtbar sind, da die Menschen dazu gebracht werden, nicht mehr an ihnen zu rütteln. Verhältnisse sind abstrakter, anonymer, indirekter geworden, erzeugen aber immer noch immenses Leid. Wie soll Goethe gesagt haben: „Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“ Ein Umstand, der von amerikanischen Propagandisten des letzten Jahrhunderts freiheraus als „manufacturing consent“ bezeichnet wurde.
Betrachte ich Rosas Zitat hingegen im historischen Kontext, nehme ich zur Kenntnis, wie zunächst die absolutistischen Regime und die Menschen verheizenden Kriege aufkamen, aus denen heraus Menschen dann zur Revolution griffen. Dass viele Entwicklungen keinen wünschenswerten Verlauf genommen haben, ist wohl eine Tatsache, die jedoch auch Rosa beklagt hat:
„…Und je demokratischer die Institution, je lebendiger und kräftiger der Pulsschlag des politischen Lebens der Masse ist, um so unmittelbarer und genauer ist die Wirkung – trotz starrer Parteischilder, veralteter Wahllisten etc. Gewiß, jede demokratische Institution hat ihre Schranken und Mängel, was sie wohl mit sämtlichen menschlichen Institutionen teilt. Nur ist das Heilmittel, das Trotzki und Lenin gefunden: die Beseitigung der Demokratie überhaupt, noch schlimmer als das Übel, dem es steuern soll: es verschüttet nämlich den lebendigen Quell selbst, aus dem heraus alle angeborenen Unzulänglichkeiten der sozialen Institutionen allein korrigiert werden können. Das aktive, ungehemmte, energische politische Leben der breitesten Volksmassen.“
Ich bezweifle ja nicht, dass sich unsere Gesellschaft in prekären Verhältnissen befindet.
Allerdings sehe ich die Ursachen dafür woanders.
Die Sichtweise der Roten Rosa kann ich nicht teilen: es ist meiner Meinung nach eine ideologisch verblendete Perspektive.
Im Grunde mag ich mich ebenso für die Freiheit der Menschen einsetzen wie es die Rote Rosa und die anderen Kommunisten im Sinn hatten.
Von daher sind mir diese Menschen sympathisch.
Jedoch kann ich ihrer Analyse und auch ihren Lösungsvorschlägen nicht zustimmen.
Es gibt elegantere, effektivere und auch gewaltfreie Wege, um unseren (noch) freiheitlichen Gesellschaften zu neuer Lebenskraft zu verhelfen.
Liebe Auc,
schön, dass Du zu jenen Menschen gehörst, die Gutes für Menschen im Blick haben. Inwiefern ich eher Deiner Ursachenanalyse zustimmen würde oder jener von Rosa, vermag ich nicht zu sagen, da ich Deine nicht kenne. Allgemein kann ich jedoch dazu sagen, dass man manchmal sehr kritisch gegenüber Dingen eingestellt sein kann, weil man nur jene Ausschnitte von ihnen kennt, die andere einen kennen lassen wollten. Dass dies die Geburtsstätte engführender Missverständnisse ist, versteht sich von selbst.
Zudem möchte ich noch einmal wiederholen, dass wir nicht nur „unsere“ Gesellschaft im Blick haben sollten, die ja formell (und in relativer Hinsicht wohl auch inhaltlich) demokratisch sein mag. Sie ist auch das Ergebnis einer privilegierten wirtschaftlichen Situation, die sich aus der Geschichte ergeben hat und viele ihrer Zusatzkosten auf andere Teile der Welt auslagert. Wir müssen die Menschen auf der Welt als Ganzes im Blick haben und die gesellschaftlichen Verhältnisse erkennen, die mit den wirtschaftlichen wechselwirken. Eine gesellschaftliche Analyse rein aus wirtschaftlicher Perspektive ist zu kurz gegriffen. Und so kann es auch unterschiedliche Ebenen von Ursachen mit unterschiedlichen zeitlichen Dimensionen geben, die für die Erklärung prekärer Zustände angemessen sein können.
Das ist ja ein ziemlich dramatisches Zitat von der Roten Rosa.
Ob die Verhältnisse tatsachlich so dramatisch sind???
Meiner Ansicht nach gab es immer Wege zur Freiheit und oftmals ist es unklug rein destruktiv gegen gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen vorzugehen.
Intelligenter ist es, die Verhältnisse schrittweise zu verbessern. Der Versuch, mit einem Pulverfass die Fesseln wegzusprengen, was vermutlich die Rote Rosa im Sinn hatte, bringt oftmals unerwünschte Kollateralschäden mit sich.
Teilweise sind bestehende Normen gerechtfertigt, obgleich sie wie Fesseln zu wirken scheinen, teilweise können sie hinterfragt und kritisiert werden.
Gewalt ist keine gute Wahl: Es entsteht regelmäßig eine unselige Hassspirale und am Ende liegt alles in Schutt und Asche.
Auch ist es eine Frage der Perspektive, denn in letzter Konsequenz sind die Gedanken frei. :)
Der kommunistische Klassenkampf, das Zerschneiden der Fesseln, hat in vielen Fällen Unglück und Elend in die Welt gebracht.
Daher mag ich diesem Zitat Folgendes entgegenhalten:
Hass kann nicht mit Hass aus der Welt gebracht werden.
Nachdenkliche Grüße, Deine Auc :)
Hallo Auc,
für dramatisch halte ich das Zitat nicht im Mindesten, dafür aber die Verhältnisse, es kommt eben darauf an, wie stark wir unseren Fokus weiten. Ob wir bei der alltäglichen Ausgrenzung und prekären Lebenssituation vieler Mitmenschen hierzulande verweilen, die sie zwar weiter bestehen lässt, ihnen jedoch die langfristige Daseinsfreude versperrt oder ob wir den Blick über die Landesgrenzen weiten, um die weltweite Ausbeutungspyramide (deren kausales Bausteinchen auch wir sind) mit ihren nicht zuletzt ökologisch katastrophalen Konsequenzen einzubeziehen.
Rosas Zitat halte ich für überaus angemessen. Interpretiere ich es als Einzelaussage, bemerke ich, dass es in useren Zeiten, in denen „freie Medien“ existieren, wir in einer „Demokratie“ leben, doch gerade darum geht, dass die Fesseln nicht ohne weiteres sichtbar sind, da die Menschen dazu gebracht werden, nicht mehr an ihnen zu rütteln. Verhältnisse sind abstrakter, anonymer, indirekter geworden, erzeugen aber immer noch immenses Leid. Wie soll Goethe gesagt haben: „Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“ Ein Umstand, der von amerikanischen Propagandisten des letzten Jahrhunderts freiheraus als „manufacturing consent“ bezeichnet wurde.
Betrachte ich Rosas Zitat hingegen im historischen Kontext, nehme ich zur Kenntnis, wie zunächst die absolutistischen Regime und die Menschen verheizenden Kriege aufkamen, aus denen heraus Menschen dann zur Revolution griffen. Dass viele Entwicklungen keinen wünschenswerten Verlauf genommen haben, ist wohl eine Tatsache, die jedoch auch Rosa beklagt hat:
„…Und je demokratischer die Institution, je lebendiger und kräftiger der Pulsschlag des politischen Lebens der Masse ist, um so unmittelbarer und genauer ist die Wirkung – trotz starrer Parteischilder, veralteter Wahllisten etc. Gewiß, jede demokratische Institution hat ihre Schranken und Mängel, was sie wohl mit sämtlichen menschlichen Institutionen teilt. Nur ist das Heilmittel, das Trotzki und Lenin gefunden: die Beseitigung der Demokratie überhaupt, noch schlimmer als das Übel, dem es steuern soll: es verschüttet nämlich den lebendigen Quell selbst, aus dem heraus alle angeborenen Unzulänglichkeiten der sozialen Institutionen allein korrigiert werden können. Das aktive, ungehemmte, energische politische Leben der breitesten Volksmassen.“
Viele Grüße, Jascha
Ich bezweifle ja nicht, dass sich unsere Gesellschaft in prekären Verhältnissen befindet.
Allerdings sehe ich die Ursachen dafür woanders.
Die Sichtweise der Roten Rosa kann ich nicht teilen: es ist meiner Meinung nach eine ideologisch verblendete Perspektive.
Hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen in unseren zerfallenden Demokratien habe ich folgendes, aufklärendes Vid gefunden:
http://www.youtube.com/watch?v=ZH8nuI27Vsg
Im Grunde mag ich mich ebenso für die Freiheit der Menschen einsetzen wie es die Rote Rosa und die anderen Kommunisten im Sinn hatten.
Von daher sind mir diese Menschen sympathisch.
Jedoch kann ich ihrer Analyse und auch ihren Lösungsvorschlägen nicht zustimmen.
Es gibt elegantere, effektivere und auch gewaltfreie Wege, um unseren (noch) freiheitlichen Gesellschaften zu neuer Lebenskraft zu verhelfen.
Mit freundlichem Gruß, Deine Auc :)
Liebe Auc,
schön, dass Du zu jenen Menschen gehörst, die Gutes für Menschen im Blick haben. Inwiefern ich eher Deiner Ursachenanalyse zustimmen würde oder jener von Rosa, vermag ich nicht zu sagen, da ich Deine nicht kenne. Allgemein kann ich jedoch dazu sagen, dass man manchmal sehr kritisch gegenüber Dingen eingestellt sein kann, weil man nur jene Ausschnitte von ihnen kennt, die andere einen kennen lassen wollten. Dass dies die Geburtsstätte engführender Missverständnisse ist, versteht sich von selbst.
Zudem möchte ich noch einmal wiederholen, dass wir nicht nur „unsere“ Gesellschaft im Blick haben sollten, die ja formell (und in relativer Hinsicht wohl auch inhaltlich) demokratisch sein mag. Sie ist auch das Ergebnis einer privilegierten wirtschaftlichen Situation, die sich aus der Geschichte ergeben hat und viele ihrer Zusatzkosten auf andere Teile der Welt auslagert. Wir müssen die Menschen auf der Welt als Ganzes im Blick haben und die gesellschaftlichen Verhältnisse erkennen, die mit den wirtschaftlichen wechselwirken. Eine gesellschaftliche Analyse rein aus wirtschaftlicher Perspektive ist zu kurz gegriffen. Und so kann es auch unterschiedliche Ebenen von Ursachen mit unterschiedlichen zeitlichen Dimensionen geben, die für die Erklärung prekärer Zustände angemessen sein können.
Viele Grüße, Jascha