No 556

„Als 1997 die Frage aufkam, ob weitere NATO-Mitglieder aufgenommen werden sollten, wurde ich gebeten, vor dem Ausschuss für auswärtige Beziehungen des US-Senats auszusagen. […] Ich machte die folgende Aussage:
>>[…] Der Plan, die Mitgliedschaft der NATO zu erhöhen, berücksichtigt nicht die reale internationale Situation nach dem Ende des Kalten Krieges und folgt einer Logik, die nur während des Kalten Krieges Sinn machte. Die Teilung Europas endete, bevor es auch nur einen Gedanken an die Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO gab. Niemand droht, Europa neu zu teilen. Es ist daher absurd zu behaupten, wie einige es getan haben, dass es notwendig sei, neue Mitglieder in die NATO aufzunehmen, um eine künftige Teilung Europas zu vermeiden. Wenn die NATO das wichtigste Instrument zur Einigung des Kontinents sein soll, dann kann sie dies logischerweise nur tun, indem sie sich auf alle europäischen Länder ausdehnt. Aber das scheint nicht das Ziel der Führung zu sein, und selbst wenn es das ist, führt der Weg dorthin nicht über die stückweise Aufnahme neuer Mitglieder.<< […]
Die Aufnahme von Ländern Osteuropas in die NATO wurde während der Regierung von George W. Bush fortgesetzt, aber das war nicht das Einzige, was Russlands Beschwerden auslöste. Gleichzeitig begannen die Vereinigten Staaten, sich aus den Rüstungskontrollverträgen zurückzuziehen, die eine Zeit lang ein irrationales und gefährliches Wettrüsten gemildert hatten und die Grundlage für die Beendigung des Kalten Krieges waren. Die bedeutendste war die Entscheidung, sich aus dem Anti-Ballistic-Missile-Vertrag zurückzuziehen, der der Eckpfeiler für eine Reihe von Vereinbarungen gewesen war, die das nukleare Wettrüsten zeitweilig zum Stillstand brachten.“ ((Anm. JJ: Betrachtet man – weniger wohlwollend als Jack Matlock es tut – das Ziel der NATO-Fortsetzung und ihrer Expansion, obwohl ihr eigentlicher Gründungszweck mit dem Ende der Sowjetunion und des Warschauer Paktes sich ja aufgelöst hatte, darin, die USA unentbehrlich auf dem „Eurasischen Superkontient“ zu machen und die weltweite Vorherrschaft abzusichern, wie es der US-Sicherheitsberater Brzeziński u.a. in seinem berühmten Werk „The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives“ 1997 getan hat, macht die NATO-Osterweiterung wiederum mehr Sinn. Friedensstiftender wird sie dadurch freilich nicht.))

(Jack F. Matlock Jr., US-Botschafter in der Sowjetunion von 1987-1991 – I was there: NATO and the origins of the Ukraine crisis, Responsible Statecraft, 15.2.2022, Übers. Maskenfall)

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