„Israel tötet, foltert, inhaftiert und vertreibt systematisch und in großem Ausmaß Palästinenser im Westjordanland. Es handelt sich um einen koordinierten Angriff von Militär, Polizei, Geheimdiensten, Gefängnisbehörden und Siedlermilizen, die alle vom israelischen Rechtssystem gestützt werden.
In den vergangenen drei Jahren hat Israel im Westjordanland mehr als 1.100 Palästinenser getötet – darunter 240 Kinder oder Jugendliche –, und mindestens 32 Palästinenser aus dem Westjordanland sind in israelischen Haftanstalten ums Leben gekommen. Das Militär hat wiederholt Razzien in Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern durchgeführt, dabei Menschen erschossen, Häuser und Infrastruktur zerstört sowie Massenverhaftungen vorgenommen. Gleichzeitig wurden Tausende von Siedlern in Militäreinheiten eingezogen, mit Waffen ausgestattet und mit offiziellen Befugnissen versehen, während der Staat ihnen freie Hand und militärische Rückendeckung gewährt. Seit Oktober 2023 haben Siedler im Westjordanland 35 Palästinenser getötet. Allein in der ersten Jahreshälfte 2026 wurden mehr als 1.020 Angriffe auf Palästinenser dokumentiert – durchschnittlich mehr als fünf pro Tag. Vor Ort verschwimmen die Grenzen zwischen >>Siedler<< und >>Soldat<< zunehmend.
Israelische Soldaten, Siedler und Polizeibeamte werden so gut wie nie für Übergriffe auf Palästinenser zur Rechenschaft gezogen. Sie werden durch ein System geschützt, das sie vor Verantwortung bewahrt und ihnen faktische Straffreiheit gewährt – nicht als Versehen, sondern als Teil des Systems.
Diese Gewalt betrifft mehr als nur die unmittelbaren Opfer: Sie hält eine ganze Gesellschaft in einem Zustand ständiger Angst. Jeden Tag wissen 3,5 Millionen Palästinenser im Westjordanland, dass bewaffnete Soldaten und Siedler jederzeit in ihre Häuser eindringen könnten; zugleich ist das Verlassen des Hauses ein kalkuliertes Risiko, da unangekündigt Kontrollpunkte errichtet werden und die Gefahr willkürlicher Gewalt allgegenwärtig ist.
Diese Angst ist kein unerwartetes Nebenprodukt der Gewalt, sondern ein gezieltes Mittel der Kontrolle.
Die Einschüchterung eines ganzen Volkes ist ein Bestandteil des >>Eliminierungsprojekts<< (Elimination Project): Israels fortwährendem Bestreben, jene Lebensbedingungen zu zerstören, die es Palästinensern ermöglichen, im Westjordanland als Kollektiv zu existieren, und gleichzeitig die jüdische Vorherrschaft sowie die Kontrolle über das Land zu zementieren.“1
(B’Tselem, israelische Menschenrechtsorganisation – Tweet auf X vom 16.9.2026, Übers. Maskenfall, 18.9.2026)