Rede von Oskar Lafontaine auf dem Parteitag am 2. Juni

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Ohne Oskar Lafontaine glorifizieren zu wollen, möchte ich feststellen, dass seine Reden gefüllt sind von visionären Elementen, die uns verdeutlichen, dass Politik mehr beinhaltet als die tägliche Organisation von Macht und Mehrheiten, dass politisches Handeln begleitet werden sollte von einem Bewusstsein für Kultur und Geschichte, indem es so erst seinen Sinn fernab karrieristischen Eigennutzes erfährt. Leider leben wir in Zeiten, in denen viele Menschen (trotz Möglichkeit) nicht einmal mehr den Versuch unternehmen, hinter die lieblos konstruierten Fassaden zu schauen, da sie daran gewöhnt wurden als reine Beobachter im Schnellzugabteil die Potemkinschen Dörfer in der Ferne an sich vorbeiziehen zu lassen. So wird die Partei die Linke allein auf ihre personellen Differenzen hin in die Öffentlichkeit hineingefiltert, obwohl sie ein reiches gesellschaftliches Gegenangebot zum Arbeite-Konsumiere-Konformiere Dich-Kapitalismus macht. Und ein Lafontaine, der auf das (offenbar altmodisch gewordene) Wohl der Mehrheit zielt und dafür sein politisches Gespür zum Einsatz bringt, wird jener Mehrheit als napoleonhafte Witzfigur verkauft.

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