Richard Zietz auf Freitag.de über die politischen Säuberungsaktionen, die Selbstjustiz und die gesellschaftliche Radikalisierung in der Ukraine:
„Ukraine: Lustration, Lynchjustiz, Krawalle“ (Freitag.de, 22.12.2014)
Die Rolle der Leitmedien, auf die Herr Zietz zu sprechen kommt, ist ja nun ein Vielen bekanntes Phänomen, dessen Ursachen zwar wenig mystisch, von vielen Medienschaffenden jedoch verdreht und obskuriert werden, um eine ernsthafte Auseinandersetzung zu vermeiden. Neuerlich kommen den Leitartiklern und solchen, die es werden wollen, dabei natürlich die unsäglichen Leute von PEGIDA zur Hilfe, indem diese mit dem Label „Lügenpresse“ zwar eine teils empirisch tragbare Behauptung aufstellen, dies jedoch mit falschen Befunden und platten Erklärungen unterlegen, um ihr mittelalterliches und menschenverachtendes Anliegen voranzubringen.
Besonders interessant ist jedoch ein weiterer Umstand, an den Herr Zietz erinnert, dass nämlich aus dem Spektrum der Grünen eine tragikomisch blauäugige Begeisterung für den „zivilgesellschaftlichen Aufbruch“ des Maidan kommt, bei der die NATO als Friedensorganisation, imperiale Interessen als Demokratisierungsprozess und Russland als Reich des Bösen dargestellt werden. Man muss sich doch fragen, was die genaueren Bedingungen und Hintergründe dafür sind, dass eine in der öffentlichen Meinung dem linken Spektrum zugeordnete Partei ein Verhalten an den Tag legt, als wäre Ronald Reagan aus seinem Grab auferstanden. Von den neokonservativen Hasstiraden, auf die auch Herr Zietz im Artikel verweist, ganz zu schweigen. Meiner Meinung nach braucht es dringend strukturelle Analysen und Debatten darüber, wodurch das neue Kriegszeitalter mit seiner sagenhaften Propaganda vorangetrieben wird und wie man sich ihm am wirksamsten entgegenstellen kann.