Ronald Schettkat empört sich über die Perspektivlosigkeit schaffende Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, die nicht nur den Süden Europas ruiniert, sondern ebenso in Deutschland gegen das Wohl der Mehrheit gerichtet ist:
„Von Gipfel zu Gipfel: Verlorene Generation, verlorenes Jahrzehnt“
Herr Schettkat stellt prägnant dar, wie fehlgeleitet die Politik ist, wenn es darum ginge, tatsächlich Wohlstand in der Breite und gute Arbeit nicht nur hierzulande, sondern europaweit zu schaffen. Hierbei erwähnt er unter anderem Begriffe wie Preisstabilität und Exportüberschüsse. Hält man sich allein hier vor Augen, wie diese Konzepte einerseits der Bevölkerung verzerrt, verkürzt und falsch dargestellt werden, sie jedoch andererseits grundlegende Auswirkungen auf das gesamte Wirtschaftsleben haben, kann einem recht schnell deutlich werden, wie es um den Zustand der Demokratie wirklich bestellt ist. Eine reine Fixierung etwa auf Preisstabilität (wie sie die EZB von der erzkonservativen Bundesbank übernommen hat) führt dazu, dass die Massenarbeitslosigkeit nicht erfolgreich bekämpft werden kann, da die wirtschaftliche Aktivität künstlich gedämpft wird ((Eine Alternative wäre Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, aber auch hierfür sind die Machtverhältnisse sehr zu Ungunsten der Gewerkschaften beschaffen.)). Den Menschen wird dabei nicht deutlich gemacht, dass steigende Preise durch steigende Löhne ausgeglichen werden sollten, anstatt eine Preisstabilität so anzusetzen, dass die Massenarbeitslosigkeit nicht bekämpft werden kann. Die meisten Menschen sind nämlich in erster Linie nicht nur Sparer und Konsumenten, sie sind auch abhängig Beschäftigte. SparerIn oder KonsumentIn ist man dann erst in zweiter Linie, denn zunächst muss man das hierfür erforderliche Einkommen ja erst erzielen. Dies allerdings wird für die meisten Menschen stets der Lohn oder eben lohngekoppelte Leistungen (= Rente) sein. Wenn jedoch Massenarbeitslosigkeit besteht, haben die Kapitaleigner im Widerstreit mit den LohnempfängerInnen die besseren Karten. Und genau dies lässt sich auch an der deutschen Lohnentwicklung besonders des letzten Jahrzehnts ablesen:

Was die Exportüberschüsse anbelangt, so kann man feststellen, dass die deutsche Lohndrückerei, die die abhängig Beschäftigten seit 1995 rund 2100 Mrd. Euro gekostet hat, die „Wettbewerbsfähigkeit“ Deutschlands so toll ausgebaut hat, dass nun jährlich rund 150 Mrd. Euro (2012: 151,6 Mrd. Euro) an Waren und Dienstleistungen in das Ausland geschoben werden, ohne dass entsprechende Waren und Dienstleistungen zurückkommen. Diesen Betrag müssen die anderen Länder der EU und der Welt bei Deutschland anschreiben lassen (Zum Hintergrund, siehe hier). Was nach einer großzügigen Handlung klingt, ist jedoch nichts anderes als ein Niederkonkurrieren anderer Volkswirtschaften, die sich schließlich den Diktaten des „Gewinners“ unterwerfen müssen (siehe Südeuropa). Die gesamte Situation ist recht absurd und auch nicht mehr lange tragbar, doch steht leider kein „geordneter Übergang“ hin zu einem vernünftigeren Wirtschaftsmodell, das den abhängig Beschäftigten und der Mehrheit der Menschen zu Gute kommt, und eben nicht Vermögens- und KapitalbezieherInnen, in Aussicht. Die kommende Bundestagswahl böte eine gute Gelegenheit, dieser verrückten Politik ein Ende zu bereiten, doch werden die Menschen leider davon abgehalten, sich mit derartigen Zusammenhängen auseinanderzusetzen, wie etwa jüngste Umfragen zum Meinungsbild der Menschen hierzulande von der Eurokrise aufzeigen.