Thomasz Konicz zu den Ursachen des Dschungelcamp-Erfolgs

Thomasz Konicz parallelisiert das menschenverachtende „Dschungelcamp“-Format mit „Unterhaltungs“formaten zu Weimarer Krisenzeiten unter Rückgriff auf Ernst Bloch. Er berichtet über die Funktion von „Demütigungsakten und Erschöpfungsfolter“, die „Untertanenmentalität des autoritären Charakters“ und das „Amüsement als Verlängerung der Arbeit unterm Spätkapitalismus“:

Bloch vs. Dschungelcamp

Wie sich wirtschaftliche Krisen in zunehmender Abwertung und autoritärer Gesinnung äußern, konnte der Soziologe Wilhelm Heitmeyer für den Zeitraum 2002 bis 2011 durch seine Längsschnittstudie „Deutsche Zustände“ aufzeigen. Seine Ergebnisse legen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt der Ursachen für eine zunehmende Verrohung der Bevölkerung frei, da sie durchweg innerhalb unseres zunehmend pervertierten Konkurrenzsystems und unter spätkapitalistischer Massenarbeitslosigkeit erhoben wurden. Wie stark die Gesellschaft auf allen Ebenen besonders durch den neoliberalen Turbokapitalismus in ihr Elend getrieben wird, können wir uns nur unter Nutzung vielfältiger Quellen, Erfahrungen und Überlegungen ableiten. Die von Konicz geschilderten Exzesse des Privatfernsehens sind hierbei ein kleiner Stein im großen Mosaik des konstruierten gesellschaftlichen Leides, doch hoffentlich auch Motivator für jene, die an die Möglichkeit zivilisierterer Verhältnisse glauben, und für sie wirken und werben wollen.

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