Thorsten Schulten: „Uns droht Troika für alle“

Thorsten Schulten, Leiter für das Referat Arbeits- und Tarifpolitik in Europa (Hans Böckler Stiftung) in der taz über die europaweit konzertierten Pläne zur Lohnsenkung und Tarifschwächung:

„Uns droht Troika für alle“

Es bleibt weiterhin dringend zu empfehlen, dass alle Menschen, die die Dramatik dieser Entwicklung hin zur Entrechtung der Arbeitnehmer_innen, die ja 90% der Erwerbstätigen ausmachen, erkennen, ihre Mitmenschen auf diese Entwicklung aufmerksam machen. Auch die Rentner_innen und Sozialleistungsempfänger_innen sind abhängig von der Situation dieser Gruppe (die Sozialsysteme werden fast ausschließlich aus Löhnen und Gehältern bezahlt). Es war ja schon immer so, dass die Machthabenden in wesentlichen Dingen die Bevölkerungsmehrheiten hinters Licht geführt haben, doch die Krise bietet hervorragende Falscherzählungen für grundlegende Reformen, die die Lebenssituation für die nächsten Jahrzehnte festlegt (und zudem von einer „Krise“ in die nächste führt. Leider lernen die Menschen zu wenig über Löhne und Arbeitsbedingungen und deren zentrale Rolle im Wirtschaftssystem, so dass hier zwar eine individuelle Sensibilität aufkommt („Ich will nicht noch weniger Geld in der Tasche haben!“), jedoch keine systemische, die die Menschen dazu veranlassen könnte, die Verzichtsmythen („Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“, „Wir müssen durchs Tal der Tränen“) auf die Mülldeponie zu verweisen und sich stattdessen zu organisieren, um gegen die Eliteninteressen (hohe Gewinne, günstige Kapitalbedingungen, Eroberung der Weltmärkte) eine Front zu bilden. Und leider werden systemische Bedingungen (Verteilungsregeln (z.B. Tarifvertragslandschaft, Reichensteuersätze), institutionelle Machtverteilung) von den meisten weitgehend ausgeblendet, so dass hier stillschweigend eine Revolution von oben vollzogen werden kann. Siehe Barroso.

Hier noch einmal einige grundlegende Entwicklungen rund um die Eurokrise.

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