Über den „deutschen Marshall-Plan“ aus Kontrolle, Verzicht, Strafe etc.

Ein kurzer NachDenkSeiten-Artikel über die Zuspitzung des deutschen Disziplinierungs- und Bestrafungseifers: „Der >>deutsche Marshall-Plan<< besteht hauptsächlich aus Kontrolle, Verzicht, Strafe…“

Was Herr Strassburg schildert, könnte uns allen jeden Tag sichtbar sein. Es geht eine geradezu primitive Arroganz umher im Land der Exportüberschussweltmeister. Leider haben die überwiegend meisten Menschen hierzulande nicht verstanden – hauptsächlich durch politisch-mediale Irreführung – was die Probleme speziell in der Eurozone sind. Ich selbst fühle mich häufig geradezu entwürdigt, wenn ich Mitmenschen dabei beobachte, wie sie sich demütig den propagandistischen Figuren und deren Slogans vom „Gürtel-enger-schnallen“, vom „Über-die-Verhältnisse-gelebt-haben“, vom „notwendigen-Sparen“, vom „Wettbewerbsfähigkeit-steigern“ etc. unterwerfen, um ein Teil der „zwar schmerzhaften, jedoch wahren, mächtigen und großen deutschen Vernunft“ zu sein. Gerade weil sie schmerzt, muss sie ja wahr sein, denn wer würde ihr sonst anhängen? So vielleicht der Glaube. Leider haben die meisten nicht verstanden, dass diese Slogans in vielen Punkten nicht nur quatschig sind, sondern einer ideologischen Ecke entstammen, die vor allem in Einem gut ist: die multiplen Ungleichheiten (Außenhandel, Staatskassen, private Armut) weiter voranzutreiben. Es ist erniedrigend, andere dabei zu beobachten, wie sie mit kindlich ehrfürchtig anmutender Seriosität eine Politik befürworten, die die verzichtende Mehrheit hierzulande mit jener in ganz Europa um Knochen streiten lässt, während geradezu groteske Vermögen und Macht sich weiterhin bei den Wenigen ansammeln. Eine deutsche Angestellte hat mit einem griechischen Arbeiter unendlich mal mehr gemein als mit einer Frau Quandt oder anderen jener Menschen, die fernab von Sorgen um Broterwerb und Leistungsdruck über jede Sekunde ihres Lebens frei verfügen können, da ja Erstere für sie arbeiten. Diese Ersteren erwirtschaften durch einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit jenen Überschuss, den Letztere dann verwenden können, um mit gekauften Medien jene Propaganda zu schalten, die die Bedingungen der Möglichkeit ihrer Entstehung zu erhalten vermag.

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