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Sascha Pommrenke zum Terrorismus der westlichen Welt

“Dem Westen und seiner auf Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Demokratie beruhenden Legitimität ist kein Gegenpol mit ähnlich universaler Strahlkraft erwachsen. Und der jahrzehntelange Garant dieser Ordnung, die Vereinigten Staaten, bleibt zumindest auf absehbare Zeit die einzige Supermacht mit globalem Ordnungswillen und Reichweite.”

So sieht es aus, das Weltbild, das in weiten Teilen der deutschen Elite besteht. So wird es kommuniziert im Strategiepapier “Neue Macht – Neue Verantwortung”, dessen Aufgabe es ist, einen weitreichenden Konsens in den Führungsetagen aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Militär herzustellen, um die Außenpolitik Deutschlands in Richtung zentralisierter Macht, beliebig definierbarer “Risiken”, statt konkreter Gefahren, und globaler Kriege neu auszurichten. (Wir hatten ausgiebig darüber berichtet.)

Bei vielen Menschen im Westen dürfte nur ein vages Gefühl dafür vorhanden sein, wie grundlegend falsch das oben genannte Weltbild tatsächlich ist. Es wird jedoch nicht mehr als ein vages Gefühl sein, da zur westlichen Ideologie als ein Kernelement gehört, dass es sich um gar keine Ideologie handelt. Wer daran zweifelt, hat es nicht einfach, schließlich wird in Schule, Universität, Massenmedien und anderen Sozialisationsinstanzen genau diese Überzeugung implizit vermittelt, indem immer nur die Ideologien der anderen (oder die eigenen, jedoch stets vorgestrigen) zum Gegenstand der Betrachtung werden. “Wir” sind diejenigen, die sie analysieren, und stehen somit über aller Ideologie. “Unsere” Medien sind zwar manchmal auch ungenau, ein wenig propagandistisch oder schönrednerisch, eine klare Systematik, gar eine grundlegende Ideologie will man ihnen jedoch nicht zusprechen. Das tun nur die “Verschwörungstheoretiker”, also die “verrückten Spinner”, denn wir wissen doch: bei “uns” geht es “frei” und “demokratisch” zu, “wir” sind “modern” und “zivilisiert”.

Wie albern und bei ein wenig Überlegung auch hochgradig unplausibel diese Sichtweise und auch das oben genannte Weltbild sind, macht dankenswerter Weise ein kürzlicher Telepolis-Artikel von Sascha Pommrenke deutlich, der das Abschlachten der westlichen Staaten, die Gleichgültigkeit gegenüber den “Unpersonen”, die Perversität und das Massenmorden “moderner” Kriegsführung, sowie das Versagen der Mainstreammedien (stünde ihre Funktion tatsächlich im Dienste von Demokratie und Menschenrecht) auf eine Art und Weise beschreibt, wie es sinnlich fast greifbar wird:

“Kriege, Kriegsverbrechen und Propaganda – Der Terrorismus der westlichen Welt – Teil 1” (Telepolis, 18.1.2015)

Der Artikel basiert u.a. auf dem kürzlich von Noam Chomsky und dem investigativen Journalisten und Filmemacher Andre Vltchek herausgegebenen Buch “Der Terrorismus der westlichen Welt”, und lässt eine seiner Schlussfolgerungen in einem Zitat von Vltchek zusammenfassen (das auch im Artikel aufgeführt wird):

“Im Allgemeinen halte ich die Menschen im Westen, besonders Europäer, für extrem indoktriniert und von einem Gefühl ihrer Einzigartigkeit besessen. Sie durchlaufen eine einseitige Erziehung und verlassen sich auf ihre Medien, und infolgedessen sehen sich viele als Auserwählte und suchen nicht nach alternativen Informationsquellen.”

(Chomsky und Vltchek, “Der Terrorismus der westlichen Welt”, 2014, S. 30)

Womit die Frage verbleibt, wie man dies – besonders in Anbetracht der neuen kriegsbasierten Weltordnung und der darin für Deutschland angedachten Rolle – ändern kann.

Jascha Jaworski

Ein Kommentar

  1. Chomskys Aussage ist gleichermaßen erschütternd wie wahr. In meiner überspitzten Polemik vor einiger Zeit wollte ich das Augenmerk auch auf die Manipulationsempfänger richten, die in widerlicher Ignoranz vor der Glotze dahinvegitieren und sich das allabendliche Tagesschau Ritual geben und meinen sie wüssten nun Bescheid. Viel schlimmer sind aber diejenigen, die sich montäglich zu tausenden zusammen rotten, um gegen eine Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren und sich dabei auch noch patriotische Europäer nennen und zur gleichen Zeit zulassen wie die infame Austeritätspolitik Europa langsam spaltet. Unfassbar!

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