„Heute haben die Vereinigten Staaten in einem historisch beispiellosen Schritt Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof als Institution verhängt. Dies folgt auf eine Reihe von Maßnahmen gegen dreizehn unabhängige Richter und Ankläger, die sich in den Dienst des Rechts stellen. Der Gerichtshof weist diese Sanktionen entschieden zurück. Als Richter am IStGH kann ich Ihnen versichern, dass der Gerichtshof nicht politisch motiviert handelt. Wir sind eine unabhängige und unparteiische Justizinstitution, und unser Handeln orientiert sich ausschließlich an Recht und Beweisen. Der Versuch, ein Gericht an der Erfüllung seines rechtsprechenden Mandats zu hindern, ist inakzeptabel. Es ist ein Angriff auf die souveränen Staaten, die den Gerichtshof ins Leben gerufen haben. Es ist ein Angriff auf die internationale Rechtsordnung. Darüber hinaus ist es ein Angriff auf die Opfer von Massenverbrechen, die jahrelang, bisweilen jahrzehntelang darauf gewartet haben, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. […]
Lassen Sie mich eines klarstellen: Der IStGH beugt sich nicht externen Drohungen, die nur jenen zugutekommen, die die schwersten Verbrechen begehen, welche die internationale Gemeinschaft betreffen. Heute bekräftige ich das unerschütterliche Engagement des Gerichtshofs, sein Mandat im Sinne der Opfer uneingeschränkt, unabhängig und unparteiisch zu erfüllen. […]
Doch der Gerichtshof kann nicht allein stehen. Sein Schicksal liegt nun auch in den Händen der Staaten, die ihn gegründet haben. Das Römische Statut ist ein gemeinsames Versprechen, dass die schwersten Verbrechen, die die internationale Gemeinschaft als Ganzes betreffen, nicht ungestraft bleiben dürfen. Dieses Versprechen ist nur so stark wie die Entschlossenheit derer, die es abgegeben haben. […]
Der Gerichtshof ruft die Staaten dazu auf, weiterhin konkrete Schritte zu unternehmen – unter anderem, um sicherzustellen, dass der Gerichtshof über die notwendigen Mittel zur Fortsetzung seiner Arbeit verfügt. Es geht hierbei nicht nur um die Verteidigung einer einzelnen Institution, sondern um die Wahrung der auf der Rechtsstaatlichkeit beruhenden internationalen Ordnung. Wir alle müssen uns jetzt entscheiden: für eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt, oder für eine Zukunft auf der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit, in der Opfer weiterhin Zugang zu Gerechtigkeit finden. Angesichts solcher Angriffe dürfen wir nicht gleichgültig bleiben. Wir alle – einschließlich der Vertragsstaaten – haben die rechtliche und moralische Pflicht, die internationale Ordnung zu verteidigen, für das Recht einzutreten, nicht für die Gewalt. Die Geschichte wird uns an den Entscheidungen messen, die wir heute treffen. […]“1
(Tomoko Akane, Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs – The ICC strongly rejects US sanctions against the institution, Website des IStGH, 9.10.2026, Übers. Maskenfall)
1. Anm. JJ: Am Beistand gegenüber dem IStGH wird sich einmal mehr zeigen, wie es Deutschland und die EU mit dem Völkerrecht halten. Die USA zeigen hier einmal mehr in aller Deutlichkeit, was für ein Schurkenstaat sie geworden sind, indem sie ihre befreundeten Kriegsverbrecher vor Strafverfolgung schützen wollen und dazu ihre ökonomische Gewalt und die unverantwortliche Abhängigkeit weiter Teile der Welt von ihnen ausnutzen. Die EU hätte die Möglichkeit die EU-Blocking-Verordnung heranzuziehen und europäische Unternehmen von der Ausführung der US-extraterritorialen Sanktionen abzuhalten, doch wollen sie es sich mit „Daddy“ sicher nicht verscherzen. Einmal mehr offenbart sich, auf welch Lippenbekenntnissen, Feiertagsreden, Bigotterie und himmelschreiendem Verrat Recht und Ethik begründet sind, wenn man an der Spitze der Staaten „Verantwortungsträger“ hat, die im Zweifel keine Verantwortung tragen wollen, weil sie sich als Eigentümer von Machtpositionen sehen, die in erster Linie ihren ganz egoistischen Interessen dienen. Solch eine Position opfert man doch nicht dem, was richtig, anständig und geboten wäre.