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No 422

“[…] Die tendenzielle Überbewertung des US-Dollar als Weltreservewährung ist eine schwere Belastung für solche US-Industrien, die der internationalen Konkurrenz stark ausgesetzt sind. Kurz gesagt, der globale Status des US-Dollar und der Wall Street beschleunigt Amerikas Deindustrialisierung.
Das ist die wahre Schattenseite des >>exorbitanten Privilegs<<. Amerika ist Globalisierungsgewinner, aber die Gewinne sind stark konzentriert. Darunter sind viele Wall Street Millionäre und Milliardäre. Die Verlierer sind auch konzentriert, in bestimmten Industrien und Regionen.
Donald Trump hält die Verliererseite der Dollarmedaille für unfair. Denn viele der Verlierer scheinen ihn zu wählen. Mit der Gewinnerseite der Dollarmedaille hat er weniger ein Problem. Die Finanzbranche will er sogar deregulieren, damit sie hemmungslos – national wie global – agieren und munter verdienen kann. Denn die Wall Street liefert die Wahlkampfspenden. (Übrigens an beide Parteien. Die gewinnen also immer.)
Das selbsterklärte >>stabile Genie<< will im nächsten Jahr wiedergewählt werden. Amerikas Wirtschaft schwächelt nach kurzfristiger Beschleunigung im letzten Jahre heute aber wieder. Der US-Dollar ist dennoch sehr stark, weil die Federal Reserve in den letzten Jahren ihren Kurs gestrafft hat, das Wachstum im Rest der Welt noch gebrechlicher wirkt und globale Unsicherheiten gestiegen sind.
Doch der starke Dollar steht den Zielen des Handelskriegers Donald Trump im Weg. Mit Zöllen und anderen Mitteln will er Amerikas Handelsdefizit reduzieren. Ein starker Dollar bewirkt aber das Gegenteil. Da Handelskriege doch nicht ganz so leicht gewinnbar sind, wie er prahlerisch behauptete, droht jetzt, dass er sich auch als Währungskrieger versuchen wird. Die Anzeichen dafür mehren sich.
Welche konkreten Mittel zur Dollarschwächung zum Einsatz kommen werden, bleibt abzuwarten. In Frankfurt, Brüssel und Berlin darf man sich aber warm anziehen. Denn Deutschland und die Eurozone leisten sich weiterhin die größten Leistungsbilanzüberschüsse der Welt – womit sie voll im Visier möglicher Währungskriege stehen.”

(Jörg Bibow, Ökonom – Drohen in der Zukunft Währungskriege?, Makroskop, 25.7.2019)

Jascha Jaworski

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