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No 446

“Während Dissidenten aus China, Russland oder der Türkei von westlichen Journalisten wie Fetische angehimmelt werden, hält man sich bei heimischen Dissidenten wie Assange und Chelsea Manning vornehm zurück. Es ist ein Skandal, dass Manning, der von Barack Obama nach sieben Jahren Haftverkürzung gewährt wurde, seit neun Monaten wieder hinter Gittern sitzt, weil sie sich weigert, vor einer Grand Jury gegen Assange auszusagen.
Es ist beschämend, dass diese Heuchelei des freien Westens inzwischen von östlichen Dissidenten thematisiert werden muss. Kürzlich verließ der chinesische Künstler Ai Weiwei Deutschland und stellte ernüchtert fest: >>Es ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst beschützt. Die deutsche Kultur ist so stark, dass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gibt kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen.<< Ai Weiwei besuchte Assange bereits im Gefängnis.
Snowden, Assange und Manning sind die ersten westlichen Dissidenten des globalen Informationszeitalters: Sie fordern Transparenz und Rechenschaft von den Regierungen und das Recht auf Privatsphäre für die Bürger. Warum also halten sich vor allem etablierte Medien so zurück bei Assanges Verteidigung, wo es doch um nichts Geringeres geht als um ihre eigene Zukunft und Freiheit?”

(Angela Richter, Regisseurin und Gründungsmitglied von DiEM25 – Es ist unsere Freiheit, Der Freitag, Dezember 2019)1

  1. Anm. JJ: Immerhin, der Deutsche Journalisten-Verband hat wiederholt Appelle an die Verantwortlichen gerichtet, zuletzt am 8.1. an das britische Innenministerium: “Lassen Sie Julian Assange frei!”, gleichwohl ersetzt das keine gebührende mediale Darstellung und Einordnung der Geschehnisse. Assange und andere haben es eben mit Demokratie und Meinungsäußerung übertrieben, wenn sie imperialen Interessen in den Weg geraten und Kriegsverbrechen, Totalüberwachung und andere Schandtaten derjenigen aufdecken, die so etwas gar nicht begehen können, weil sie ein Dauerabonnement darauf haben, “die Guten” zu sein. Aber auch hier wiederholt sich nur Altbekanntes. (Das man dennoch stets wiederholen sollte, weil Wahres nicht unwahrer dadurch wird, dass man sich an die Unwahrheit gewöhnt.) []

Jascha Jaworski

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