Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken
0

No 306

„Doch es scheint eindeutig zu sein, dass Stimmen für Le Pen zum Teil Stimmen des Protestes gegen das sind, was als selbstherrliche, abgehobene Funktionäre wahrgenommen wird, die die Europäische Union leiten. Und diese Wahrnehmung besitzt leider ein Element der Wahrheit. Jene von uns, die den europäischen Institutionen dabei zusahen, wie sie in der Schuldenkrise verfuhren, die in Griechenland begann und sich über weite Teile Europas ausdehnte, waren geschockt von der Kombination aus Abgebrühtheit und Arroganz, die durchweg vorherrschte. Obwohl Brüssel und Berlin wieder und wieder in ökonomischer Hinsicht falsch lagen – obwohl die Austerität, die sie anordneten, genauso verheerend war, wie die Kritiker mahnten – fuhren sie darin fort, sich zu verhalten, als wüssten sie alle Antworten, so als wäre alles Leiden, das daraus hervorging, nichts weiter als notwendige Bestrafung für vergangene Sünden. Politisch kamen die Eurokraten mit diesem Verhalten davon, weil die kleinen Staaten leicht zu schikanieren waren, zu verängstigt, vom Eurofinanzsystem abgeschnitten zu werden, um sich unverschämten Forderungen entgegenzustellen. Aber Europas Elite macht einen schrecklichen Fehler, wenn sie glaubt, dass sie sich in gleicher Weise gegenüber den größeren Spielern verhalten kann. […]
Seien wir offen: Auch wenn das Schlimmste an diesem Sonntag verhindert wird, ist alles, was die europäische Elite erhält eine zeitlich begrenzte Chance sich zu bessern.“

(Paul Krugman, Kolumnist und Wirtschaftsnobelpreisträger – What’s the Matter With Europe?, Kommentar in der New York Times, 5.5.2017, Übers. Maskenfall)

Jascha Jaworski

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.