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Medienkritikkritik: ZAPP nutzt Gunst der Stunde – auch gegen NachDenkSeiten

Das Magazin ZAPP, das zu vielen Dingen durchaus gute und kritische Beiträge bringt, hat sich leider einer sehr groben Methode bedient, mit der die NachDenkSeiten offenbar diffamiert werden sollen. In einem Beitrag über Medienkritiker, die aus dem Spektrum rund um AfD, PEGIDA und diversen rechtspopulistischen Plattformen (Compact, KOPP Verlag, PI NEWS etc.) stammen, werden plötzlich wie selbstverständlich auch die NachDenkSeiten aufgezählt. Was haben die NachDenkSeiten mit dem vorgenannten Spektrum, das sich durch Fremdenfeindlichkeit, Anti-Islam-Propaganda und Weiteres auszeichnet, zu tun? Genau, sie kritisieren die Medien. Das war’s dann aber auch.

Die NachDenkSeiten tun es nämlich auf eine ganz andere, u.a. empirisch belastbarere Weise, als das vorgenannte Spektrum. Doch ist dies nicht etwa Anlass dazu, scharf zu trennen, was die unterschiedlichen Arten der Medienkritik anbelangt, sondern vielmehr Gelegenheit, durch eine lockere Assoziation einen ungeliebten Kritiker zu diffamieren, um auf diese Weise einer argumentativen und ernsthaften Auseinandersetzung mit Kritik aus unterschiedlichen Richtungen zu entgehen. Zum Vorgang berichten die NachDenkSeiten selbst:

„Die Diffamierung der NachDenkSeiten geht weiter. Da hilft wohl nur Aufklärung mit Ihrer Unterstützung. Darum bitten wir.“ (NDS, 12.11.2015)

Lohnenswert ist es auch, die 6 Min. ZAPP Video anzuschauen, um sich die Stilmittel zu verdeutlichen, siehe hier.

In der Sendung kommt ein Wissenschaftler zu Wort, der darauf hinweist, dass „die Medien“ als Feindbild betrachtet werden, da sie als Teil einer „Verschwörung“ gesehen werden. Das mag zwar bei o.g. Spektrum der Fall sein, wer die NachDenkSeiten jedoch seit Jahren liest, weiß, dass diese eine andere Position vertreten. Hier spielt die Auseinandersetzung mit publizistischer Macht, strukturellen Faktoren (Medienkonzentration, Profitinteressen, Verkaufsdruck) etc. eine große Rolle. Verschwörungen spielen nur insofern eine Rolle, als dass eben publizistische Macht nachgewiesenermaßen genutzt wird, um Partikularinteressen auf intransparente Weise und mit falschen Argumenten und Stimmungsmache zu befördern (so z.B. bei der Rentenreform). Doch das interessiert ZAPP nicht. Kritik ist Kritik, und wenn es falsche Kritik gibt, ist alle Kritik – solange sie grundsätzlicher Art ist – falsch.

Der ZAPP Beitrag bemüht sich sichtlich darum, eine ernsthafte Diskussion um das erschütterte Medienvertrauen, das sich eben nicht allein im Spektrum rund um AfD und PEGIDA finden lässt, unter den Tisch fallen zu lassen. Ein wenig lächerlich ist das schon, wenn damit nun stets gründsätzliche und tiefgreifende Medienkritik beseite gefegt werden soll. Nicht nur hierzulande ist nämlich immer offensichtlicher geworden, dass man „Unabhängigkeit“ und „Objektivität“ von Leitmedien eben nicht einfach als unhinterfragbare Tatsache betrachten sollte, sondern sich Gedanken darüber machen muss, was diese Begriffe meinen und welche Voraussetzungen für ihre Gültigkeit bestehen müssten.

Hierfür breitet sich das Bewusstsein immer weiter aus: In Großbritannien wettert der Medienmainstream geradezu gegen die neue Parteiführung der Labour Party, viele Menschen halten mit kluger Kritik und der Entlarvung propagandistischer Mittel dagegen. Dort handelt es sich jedoch nicht um AfD, PEGIDA und Islam-Feinde. In den USA haben zahlreiche Studien wiederum an großen Themen empirisch gut belegt, wie Berichterstattung systematisch verzerrt ist und auf leichtfertigste Weise Falschinformationen transportiert, die ganz auf Regierungslinie liegen. Hierbei wurde immer wieder deutlich, dass führende Journalistinnen und Journalisten sogar noch einen obendrauf gesetzt haben, wenn es darum ging, z.B. Kriege zu rechtfertigen (etwas, das sich hierzulande ja geradezu mit den Händen greifbar im Ukraine-Konflikt beobachten ließ, aber ebenso grundsätzlich dann, wenn es um das „westliche Bündnis“ und die NATO geht oder eben um „Militärintenventionen“, denen die Bevölkerung mehrheitlich strikt entgegensteht).

Hinter dem Verhalten der Mainstreammedien stehen sicherlich eine Reihe spannender, wechselwirkender Faktoren, die sich zudem auf unterschiedlichen Ebenen ereignen (sozialpsychologisch z.B. Konformität, politökonomisch z.B. Eigentumsstruktur und Profitinteressen), den Phänomenbereich nun jedoch einfach wegzuwischen, ist ein armseliger Versuch, sich der ernsthaften Auseinandersetzung zu entziehen.

Doch der ZAPP Beitrag macht deutlich: Wer scharfe Medienkritik äußert, der geht entweder eben von einer „Verschwörung“ aus (= ist verrückt), gehört zu den Rechtspopulisten und/oder hat nicht verstanden, dass es sich eben einfach um mehr oder weniger harmlose Ungenauigkeiten handelt, über die nicht genauer nachgedacht werden muss, und denen man nicht etwa dadurch begegnet, dass man seine Quellen deutlich diversifiziert und der allgemeinen Berichterstattung eben bei bestimmten Themen auch deutlich widerspricht bishin zu Nullvertrauen schenkt. Als Kronzeuge kommt nun im Beitrag von ZAPP noch ein Spiegel Online-Mitarbeiter zu Wort, der noch einmal zusammenfasst, was die auf jeden Fall falsche Version der Realität ist: „dass sie die Leute glauben machen wollen, als würden wir, die großen Medien, einseitig berichten“. So einfach ist das eben.

Zerrdarstellungen durch ZAPP Beiträge, wenn es darum geht, Medienkritik zu entkoffeinieren, sind leider nichts Neues. Ich erinnere an meine damalige Auseinandersetzung mit Daniel Bröckerhoff über seinen Beitrag zur Kritik an der Aktivität von Journalisten in transatlantischen Think Tanks (seinen Videobeitrag siehe z.B. hier):

„ZAPP-Video bemüht sich im jugendlichen Style um Deutungshoheit in Sachen Alpha-Journalismus“ (19. Mai 2014)

„Fortsetzung zum ZAPP-Beitrag vom 14. Mai – Daniel Bröckerhoff bezieht Stellung“ (26. Mai 2014)

Das Beispiel ist lehrreich, da es einerseits den Einsatz von Stilmitteln zur Verengung und Herstellung bestimmter Schlussfolgerungen aufzeigt, und andererseits wiederum mit dem Ergebnis solch eines Vorgangs, Medien vor grundlegender Kritik geradezu abgeschottet werden sollen.

Wer regelmäßig NachDenkSeiten liest, aber auch so manche Artikel von uns zum Thema Medien, Falschinformation und Propaganda zur Kenntnis genommen hat, für den oder die kann das „ob“ der systematischen Verzerrung (bis themenweiser massiver Propaganda) von Mainstreammedien keine Frage mehr sein. Spannend ist eher, wie es genauer zu diesen Phänomenen kommt (denn die unterschiedlichen Erklärungsfaktoren kann man hier unterschiedlich stark gewichten). Und spannend wäre auch in Erfahrung zu bringen, wie man sich allgemein vor Propagandisierung schützen kann, ob nun aus dem Mainstream oder auch bestimmten Spektren jenseits des Mainstream. Hier dürfte jedoch Wissen über politische, ökonomische und mediale Zusammenhänge und Phänomene einer der Hauptschutzfaktoren sein, für dessen Institutionalisierung es die gute und aufgeklärte Gesellschaft eben erst bräuchte.

Ich verweise übrigens noch auf ein Beispiel aus dem Deutschlandfunk das aufzeigt, dass auch im Medienmainstream eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Spektrum möglich ist, wenngleich sie auch leider eine seltene Erscheinung bleibt:

„Ungefragte Übereinstimmung mit Brüssel und Berlin“ (Brigitte Baetz, Deutschlandfunk, 2.10.2015)

Der Titel des Scripts zum Beitrag verzichtete übrigens auf das „ungefragt“ und lautet: „Das TINA-Syndrom – Die Griechenland-Krise in den deutschen Medien“.

Abschließend noch der Verweis auf Beispielstudien aus dem US-Raum zur Funktions- und Manipulationsweise von Leitmedien. Auch sie machen deutlich, dass hier ein enormer gesellschaftlicher Diskussionsbedarf bestünde, wenn allgemeine Aufklärung statt Propaganda (die sich mindestens bei den besonders machtrelevanten Themen (z.B. Krieg, Makroökonomie) beobachten lässt) der oberste Grundsatz der Medien wäre, dem strukturell Rechnung getragen würde:

„Cascading Activation: Contesting the White House’s Frame After 9/11″ (Entman, 2003. Betrachtet wird am Beispiel des Irak-Krieges 2003 die Kopplung der Massenmedien an Regierungseliten, sowie ihre Funktionsweise im Dienste dieser.)

„Framing the War on Terror“ (Reese & Lewis, 2009. Hier wird die verantwortungslose mediale Verbreitung und Anwendung der von der Regierung Bush II konstruierten mächtigen Propagandametapher „War on Terror“ in der Berichterstattung der größten US-Tageszeitung USA Today analysiert.)

Und ein paar Befunde zur Wirkungsabschätzung:

„Misperceptions, the Media, and the Iraq War“ (Kull, Ramsay & Lewis, 2003. Hier wird die Falschinformiertheit der US-Bevölkerung über die herbeigelogenen Massenvernichtungswaffen und al-Qaida-Verbindungen des Irak, sowie die Ausprägung der öffentlichen Meinung zum Irak-Krieg in anderen Ländern in Abhängigkeit der Mediennutzung  betrachtet. Je mehr falsche Überzeugungen, desto stärker war, wie zu erwarten, die Zustimmung zum völkerrechtswidrigen Krieg. Der Sender Fox News nahm eine besonders herausragende Stellung bei der Desinformierung ein.)

Jascha Jaworski

21 Kommentare

  1. Hier die Antwort auf mein empörtes Schreiben an die ZAPP-Redaktion:

    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Wir nehmen Ihre Kritik sehr ernst und würden gerne auf die NachDenkSeiten eingehen. Zunächst einmal: An der entsprechenden Stelle im Film wollten wir keineswegs den Eindruck erwecken, die NDS seien politisch mit den Seiten des Kopp Verlag, Compact oder PI News gleichzusetzen. Die entsprechende Textstelle im Beitrag lautet: „Das Netz ist voll mit medienkritischen Seiten. Zu den bekanntesten gehören PI News, Compact, die NachDenkSeiten, Kopp-Online.“ Unser Ansinnen war es, lediglich auf die Vielzahl der „alternativen Medien“ im Netz hinweisen.
    Allerdings – und auch das ist ein Grund, weshalb wir die NachDenkSeiten an dieser Stelle nennen – mit wachsender Reichweite haben sich die NDS unter der Herausgeberschaft von Albrecht Müller von einem nachdenklichen Online-Portal tatsächlich zu einer Plattform entwickelt, die unserer Meinung nach mit Ihrer Medienkritik oft über das Ziel hinausschießt. Mit dieser Position sehen wir uns auch durch den Ausstieg des ehemaligen Mitherausgebers Wolfgang Lieb bestätigt.
    Dieser begründet seinen Bruch mit den Seiten folgendermaßen: „Meinem Verständnis von Überzeugungsarbeit entspricht es nicht, wenn man Menschen mit konträrer Meinung als ‚gekauft‘, ‚nicht unabhängig‘, als ‚Agenten der US-Eliten‘ als ‚Einflussagenten‘ oder als von ‚anderen Kräften‘ oder gar von ‚Diensten‘ bestimmt usw. usf. beschimpft.“ Weiter schreibt er, es reiche nicht aus, „die Welt moralisch in ‚Freund‘ und ‚Feind‘ aufzuteilen und die Ursache nahezu allen Übels auf der Welt ‚einflussreichen Kräften‘ (oft in den USA) oder undurchsichtigen ‚finanzkräftigen Gruppen‘ oder pauschal ‚den Eliten‘ zuzuschreiben“.
    Die Kritik an „den Medien“ kommt zwar aus gegensätzlichen politischen Lagern, ist aber geeint darin, dass es klassische Medien als „Lügenpresse“ oder „Nato-Netzwerk“ ablehnt, „gleichgeschaltet“ oder „gekauft“. Müller selbst spricht in diesem Zusammenhang von „Kampfpresse“.
    Was die „alternativen Medien“ nach unserer Beobachtung eint, ist, dass sie hinter Fehlern, aber auch Einschätzungen, die sie nicht teilen, sofort Absprachen und Manipulationen sehen, befohlen von ganz oben. Wer Fakten recherchiert, die nicht in das jeweilige Weltbild passen, hat sie erfunden. Beobachtungen, die ihnen missfallen, sind ausgedacht. Und wer anderer Meinung ist, lügt.
    In Liebs Worten: „Mit einer pauschalen Aburteilung ‚der‘ Medien als ‚Kampfpresse‘ ‚als undemokratisch, als von Kampagnen, von Einseitigkeit, von Agitation und Dummheit geprägt‘ mögen sich vielleicht Menschen bestätigt fühlen, die ohnehin der Meinung sind, wir hätten es ganz allgemein mit einer ‚Lügenpresse‘ zu tun. Man unterstützt damit die Leserinnen und Leser jedoch nicht bei einer sachlich differenzierenden Aufklärung darüber, was an der Berichterstattung richtig ist oder nicht – also wo ‚gelogen‘ wird und wo nicht.“
    Insofern hält ZAPP weiter an seiner Berichterstattung – auch über die NachDenkSeiten – fest.
    Beste Grüße
    Daniel Schmidthäussler
    Er bezieht sich vor allem auf die Kritik Wolfgang Liebs, wobei sicherlich zu fragen wäre, ob er auch Müller zu Wort kommen lassen würde.
    Ich selbst sehe Müllers Auftreten auch des öfteren kritisch, finde seine Beiträge manchmal überzogen, manchmal zu selbstverliebt, aber das betrifft eben nicht die Beiträge der Anderen und auch nicht die verlinkten Artikel.

    • Danke für die Information!

      Zunächst etwas zur Vorgehensweise von ZAPP:
      „Unser Ansinnen war es, lediglich auf die Vielzahl der „alternativen Medien“ im Netz hinweisen.“
      Das mag so behauptet werden, wer sich den Beitrag anschaut, dem wird diese behauptete Absicht jedoch widerlegt. Außer man unterstellt, dass die Urheber des Beitrags grandios inkompetent sind, da eben nicht über „alternative Medien“ an sich berichtet wird, sondern über rechtspopulistische plus NachDenkSeiten. Hinzukommt, und das ist sehr verwerflich, dass somit eben die klugen Argumente und reichhaltigen Befunde zugleich in Ecken gedrängt werden, in denen man sich schließlich nicht mehr mit ihnen auseinandersetzen muss.

      Dass sich dann hinter der Einschätzung von Wolfgang Lieb versteckt wird – die Sprache der NachDenkSeiten hat sich auch meinem Empfinden nach zugespitzt und Intentionalität im journalistischen Verhalten wird durchaus häufiger eingefordert – ist schlicht faul. Auch hier wird die Bereitschaft zu ernsthafter Auseinandersetzung komplett verweigert.

      Alles in allem: ein Armutszeugnis für ZAPP. Wie das Weltbild hier aussieht, wird dann ja im zweiten Teil des Beitrags deutlich: außer kleinen Fehlern nix los: „Trotz manchmal berechtigter Kritik, z.B. in der Berichterstattung zum Charlie Hebdo Trauermarsch der Politiker in Paris …oder bei einigen Berichten über den Ukraine-Konflikt“. Glücklicherweise ist man über dieses Maß an kritischem Bewusstsein, das zugleich eben mit beobachtbaren Daten unterlegt ist, teils auch bereits in der Wissenschaft hinaus. So siehe etwa die drei Studien zu US-Medien am Ende meines Artikels. Der Deutungsrahmen und die unterhinterfragbare Annahme, der „unabhängigen“, „gut recherchierten“, „interessensfreien“ und irgendwie „objektiven“ Medien im Mainstream befindet sich schon lange im Zerfallsprozess. Steigende Bildungsmöglichkeiten im Verbund mit alternativen Quellen im Internet (so auch hochprofessionelle wie The Intercept oder Democracy Now!) leisten hier ihren Beitrag und machen wiederum deutlich, was der Medienmainstream alles auslässt, und zwar eben nicht nur in den USA.

      Übrigens, wenn die NachDenkSeiten damals so viel besser waren laut ZAPP, indem sie sich von einem „nachdenklichen Online-Portal tatsächlich zu einer Plattform entwickelt, die unserer Meinung nach mit Ihrer Medienkritik oft über das Ziel hinausschießt“, warum hat ZAPP dann damals nicht die reichthaltigen Impulse der NachDenkSeiten aufgegriffen und der guten Arbeit zur Massenwirksamkeit verholfen?

      Es hilft nicht, sich hinter m.E.n. schlechter Medienkritik à la Compact und KOPP zu verstecken. Das wird den Urhebern des ZAPP Beitrags sicherlich auch noch irgendwann aufgehen. Und wenn nicht, sei’s drum.

  2. Es tobt ein Existenzkampf, also nicht nur einer um die Deutungshoheit. Da vergisst man offenbar gern mal „die guten Sitten“. Ich persönlich glaube nicht, dass es sich um einen bewussten Diffamierungsversuch des TV-Magazins handelt. Allerdings fand ich es schon seltsam, die NDS in einem Atemzug mit diesen Hetzpostillen zu nennen. Das hätte nicht sein müssen. Andererseits ist die dauernde Kritik an der „Lügenpresse“ sicher auch nichts, was den Leute, die dort arbeiten, am Allerwertesten vorbeigehen würde. Insofern habe ich für den Beitrag ein bisschen Verständnis.

    • Mir erklärt sich nicht recht, wie es sich hier quasi um einen dann offenbar „unbewussten“ Diffamierungsversuch handeln soll, aber dass hier etwas nicht am „Allerwertesten vorbeigehen“ dürfte, teile ich. Dies wäre ja ein Grund mehr, eine kritische Debatte über das Verhalten von Leitmedien anzustoßen, die nicht bloß das eigene Verhalten zu beschwichtigen sucht und einmal mehr aufzeigt, wie medial abenteuerliche Gleichsetzungen getätigt werden, so dass bestimmte Ergebnisse erzielt werden.

      • Jeder, der nicht blind ist, sieht doch, daß hier die NATO-Linie durchgehalten werden soll und jeder (relevante) Versuch, diesen Medienkonsens zu durchbrechen, als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet werden soll.
        Das macht man selbstverständlich mit dem gängigen „rechts“, wobei es erheitert, da die Kritik, die als (neu-)rechts bezeichnet wird, größtenteils klassisch linke Kritik an Wirtschaft, Banken oder Kriegen darstellt.

  3. Wir haben schon häufig darauf hingewiesen, doch ich tue es noch einmal. Herman und Chomsky haben sich mit den politökonomischen und ideologischen Grundlagen der Mainstreammedien auseinandergesetzt und fünf Filter aufgeführt, die dazu führen, dass Mainstreammedien gemäß Modell in wesentlichen Fragen letztlich die Elitenmeinung reproduzieren (spannend wird es bei Elitendissens), wodurch eine Version der Realität hergestellt wird, die im Interesse des Machterhalts operiert:
    „A Propaganda Model“, 1988
    Es gab einige Forschungsarbeiten, die das Thema nachfolgend aufgriffen, doch Herman und Chomsky behielten Recht mit ihrer Metahypothese, dass ihr Modell weitgehend vernachlässigt würde.
    Was hierüber hinaus nun noch die sozialpsychologischen Faktoren anbelangt, die beim Medienverhalten eine Rolle spielen, so sollte man nicht vergessen, dass auch Medienschaffende selbst einem personalen Filterungsprozess unterliegen, der sicherlich nicht absolut ist, doch aber Effekte haben dürfte.

    • interessant das sie Noam Chomsky erwähnen denn laut seiner Rezeption der westlichen Medien haben sie einen Auftrag – nämlich „Konsens“ herstellen im Sinne der „Eliten“. Und das wäre eigentlich eine Verschwörungtheorie. Ich bin im übrigen der Meinung das Chomsky näher an der Realität ist als die, sehr wohl lesenswerten, NDS.

      • Dann zitiere ich aus einem Interview mit Herman und Chomsky von 2009 (http://chomsky.info/200911__/):
        „Herman/Chomsky: […] We are very clear that the Propaganda Model does not rest on any conspiracy assumption but is rooted mainly in market-oriented processes. But many critics have not been able to see how similar results could arise without conspiracy, hence there must be an underlying conspiracy assumption. But in fact what seems to be conspiratorial behaviour is easily explained by natural market processes (e.g. use of common sources, laziness and copying others in the mainstream, common and built-in biases, fear of departure from a party line, etc.). We should note that some critics who claim that ours is a conspiratorial view do this by latching on to an occasional word or phrase we made that suggests planned action. It is true that occasionally common results arise at least in part from knowing joint action, sometimes by government request or pressure, but these are the exceptional cases. The market can do the job well, and we are very clear and explicit that this is the main mechanism through which the PM does its work.“

  4. Herr Jaworski,mal so eine rand frage-was ist fuer sie Rechtspopulismus?Baden sie da auch nicht allzu gern?Ist albern,wen der eine behauptet nicht das zu sein was immer nur die andern sind.Antwort ersparen sie sich-ich mag gerne vergleiche nicht aber verurteilung.

  5. Ich weiß überhaupt nicht was am Koop Verlag oder Compact so schlecht sein soll. Warum sind das rechte Seiten oder Hetzpostillen. Anstatt pauschal zu diffamieren wäre es angebracht argumentativ auf die Artikel zu reagieren. Aber das ist natürlich nicht die Absicht. Die Welt ist halt leichter in gut und böse einzuteilen. Für mich als aufgeklärten Leser sind diese Medien eine hervorragende Möglichkeit die klassischen Leitmedien zu hinterfragen und mir mein eigenes Bild zu machen. Ich brauche niemanden der mir sagt was richtig und falsch ist, über das Alter bin ich hinaus.

  6. Verstehe ich das richtig, das die Diffamierung von AfD, Pegida, Kopp & Co. in Ordnung ist, nur im Fall von NachDenkSeiten geht das nun gar nicht?
    Nennt man sowas nicht heuchlerisch?

  7. Die Kritik an Kopp ist hochgradig geheuchelt, sogar Compact und PI bringen Beiträge die „belastbar“ sind und im „Mainstream“ unerwünscht sind. Die zwangsfinanzierten Pseudoaufklärer bei ZAPP sind genauso in das verlogene System eingebettet. Ich weiß schon, warum ich diese Sendung nicht mehr sehe.

  8. Ich finde, dass hier nicht nur die Berichterstattung über die Nachdenkseiten zu kritisieren ist. Genau so verzerrend erscheint mir, Compact und Kopp mit den PI-News in einen Topf zu schmeißen. Letztere sind in der Tat fast ausschließlich darauf ausgerichtet, den Islam und seine Anhänger möglichst schlecht aussehen zu lassen, aber vor allem bei Compact ist dies mitnichten der Fall. Auch wenn einige (und wahrlich nicht alle) Beiträge dort rechtspopulistisch sein mögen: Ja nun, darüber, dass 90% der Mainstream-Postillen linkspopulistisch sind, erregt sich ja auch kaum einer. Stets soll der Eindruck erweckt werden, links sei per se gut, rechts per se schlecht. Und dann wird sich gewundert, wenn eine zunehmende Zahl von Menschen sich nicht mehr medial wahrgenommen fühlt und sich Pegida und Co anschließt. Aber man bekommt zunehmend den Eindruck, als sei genau das gewünscht.

  9. Der KOPP Verlag hatte diesen Beitrag verlinkt, so erklären sich die meiner Meinung nach letzten beschönigenden Kommentare zu dieser Plattform und anderem. Da ich Meinungen nicht wegfiltern will, außer sie sind – pardon, diese Seite betreiben wir nun einmal – rassistisch, rechtsextrem etc., stehen hier nun Kommentare, die ich nicht unterstützen kann. Sollte ich morgen dazu kommen, werde ich einige beantworten. Ansonsten ist es allen Leser*innen natürlich überlassen, sich durch evtl. eigene Recherche eine Meinung zu den einzelnen Punkten (z.B. inwiefern Compact nicht rechtspopulistisch ist) zu bilden.

  10. Um meine Position zu einigen Punkten kurz darzustellen, die sich aus Kommentaren anderer ergeben… Für mich ist Rechtspopulismus ein Titel wie „Asyl. Die Flut – So wird Deutschland abgeschafft“, so lautet z.B. das Thema einer Ausgabe von Compact Spezial.
    Um die Frage, wer hier „Deutschland“ ist und warum es durch eine Gruppe von – häufig extrem benachteiligten Menschen in Not – „abgeschafft“ wird, zu beantworten, braucht es schon den üblichen nationalistischen Klebstoff, der dem rechten Denken entspringt, um den entmenschlichten Feind („Flut“) von außen entsprechend zu konstruieren und somit den Handlungsimpuls der Abwehr (wohl aus reiner Notwehr) auszulösen. Ich erinnere an den Titel von Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab“.

    Um nicht missverstanden zu werden: Ich sage ja nicht, dass man nicht so denken und empfinden kann oder darf. Das wäre Quatsch. Dass derartige Empfindungen und Gedanken ihre Verbreitung haben, ist Fakt. Ich bin jedoch der Auffassung, dass man benennen sollte, was sich hinter derartigen Gedanken verbirgt. Man sollte schauen, in welchen historischen Kontexten dieses Denken eine Rolle spielte und wie viel Leid es in der Menschheitsgeschichte bereits hervorgerufen hat. Und ich werbe für andere Gedanken, Überzeugungen und Empfindungen. Und ich denke, den NachDenkSeiten geht es nicht anders, so zumindest kenne ich sie. Weshalb mich ja auch die fahrlässige Assoziierung von ZAPP empört hat.

    Für ein Meinungsbild zum KOPP Verlag verweise ich auf einen Artikel von „Kontext Wochenzeitung“, die beim Inhaber des Verlags zu Gast waren: http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/160/bruecke-nach-rechts-2147.html

    Dass KOPP, Compact, AfD und PEGIDA nicht identisch sind, bestreite ich nicht. Die NachDenkSeiten haben mit den anderen Plattformen jedoch nichts zu tun und verlinken auch nicht auf deren Inhalte. Statt auf Rechtspopulismus setzen die NDS auf die Ideen von Gleichheit und Gleichwertigkeit, sie betonen das Soziale und zwar nicht festgemacht an Nationalgrenzen. Sie zeigen Einseitigkeit bis Propaganda im Medienmainstream auf, verweisen zugleich jedoch auf hervorragende Artikel, die sich auch dort finden lassen…

    Zu einem weiteren Punkt: Dass der Medienmainstream von einem Teil der Menschen hierzulande als „links(populistisch)“ betrachtet wird, kann ich mir nur insofern erklären, dass sich eben bei bestimmten gesellschaftspolitischen Themen tatsächlich der Zeitgeist verschoben hat. Die Gleichwertigkeit von Frauen, Menschen mit Behinderung, Menschen unterschiedlichster Ethnien, Religionen, homosexuellen Menschen etc. sind heute – wie ich finde, glücklicherweise – Errungenschaften, die sich hierzulande wohl weniger hinterfragen lassen, als jemals zuvor in der Geschichte. Wenngleich m.E.n. in der konkreten gesellschaftlichen Realisierung dessen große Defizite verbleiben. Und was etwa Flüchtlinge anbelangt, so erinnere ich an die Hetze, die sich besonders in 90er Jahren im veröffentlichten Mainstream beobachten ließ, siehe z.B. hier: http://demokratie-reloaded.de/schlagworte-und-brandsaetze-die-asyldebatte-gestern-und-heute/
    Zugleich erleben wir seit Jahrzehnten mit dem Neoliberalismus eine Ideologie der Ungleichheit, die starke sozialdarwinistische Elemente in sich trägt und deren Wirkung nicht unerheblich für Phänomene wie PEGIDA verantwortlich sein dürfte. Und wir erleben einen Medienmainstream, dessen Leitartikler häufig begeistert in Richtung Krieg schreiben, mit „Linkspopulismus“ hat das nichts zu tun.

    Lassen sich jedoch zumindest einige der eben genannten Aspekte rund um Gleichberechtigung als eine Entwicklung in Richtung „links“ bezeichnen? Ideengeschichtlich wohl schon. Wir können diese Entwicklung jedoch auch einfach lesen als eine Teilannäherung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 als Ideal von einer großen Mehrheit in der UN-Vollversammlung angenommen wurde:
    http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf

    Wenn man sich nicht als „links“ bezeichnen will, sondern als „vorne“ oder was weiß ich (warum auch immer genau), so bietet sich hier doch ein wunderschöner Bezugspunkt dafür an, nach einer friedlichen, freien, sozialen und gerechten Welt zu streben. Man sollte nur nicht so tun, als würde man sich für die Ziele einsetzen, und in Wahrheit doch die Überzeugung der Ungleichwertigkeit vertreten, anstatt den Gedanken der einen, brüderlich einander verbundenen Menschheit.

    Zitat:

    „PRÄAMBEL
    Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet, da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt, […]
    verkündet die Generalversammlung diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal […]
    Artikel 1
    Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.
    […]“

    • Nach mM und Erfahrung muß man bei „kopp“ und „Context“ sehr sehr deutlich zwischen den Autoren unterscheiden und immer auch nachprüfen. Autoren wie Wisnewski, Engdahl, Escobar, Craig Roberts und auch Willy Wimmer sind immer interessant und Sichtweise erweiternd. Aber es gibt haufenweise andere Autoren die man nur als am rechten Rand stehend bezeichnen kann und einfach Autoren die ihre Bücher verkaufen wollen und eine Angst-Agenda betreiben.
      Der Kommentarbereich ist wiederum sehr sehr oft offen rassistisch.

  11. Für mich, ist schon alleine das Buch „mein Kampf“ im Zusammenhang mit den Nachdenkseiten zu zeigen, nichts anderes als kritische Medien in der heutigen Zeit pauschal zu diffamieren.
    Denn Inhalte werden ja hier explizit nicht kritisiert, schon gar nicht diskutiert. Wenn der sog. Mainstream, sich so sicher wäre, würde es ja eine Unterlassungsklage nach der anderen hageln, zumindestens würde man auf die Kritik einzelner, Abseits des Mainstreams eingehen. Aber da man weiß, oder wissen kann, dass hier der Mainstream, zu Einseitig und schlecht recherchiert bzw. nur oder teilweise abgeschrieben wird, unterbleibt eine Diskussion, und zeigt dann in diesem Zusammenhang „Mein Kampf“ als bildliches Argument“ Ich kann nur hoffen, das die Nachdenkseiten sich nicht beirren lassen.

  12. Eloquenter Beitrag, aber:
    „Die Gleichwertigkeit von Frauen, Menschen mit Behinderung, Menschen unterschiedlichster Ethnien, Religionen, homosexuellen Menschen“…
    Alter, das sind nur Nebensächlichkeiten.
    Alle 5 Sekunden verhungert ein Säugling, jeden Tag werden Tausende (nicht nur 129) Zivilisten im Jemen, im Irak, in Syrien, im Südsudan, in der Ukraine, in Nigeria, in Afghanistan, in Somalia hingerichtet.
    Und Ihr schreibt über Gendergerechtigkeit?!
    Was ist mit euch los?

    Beste Grüße an die Nachdenkseiten

    • Nein, nein, ich bin nur auf den Aspekt eingegangen, weshalb der Medienmainstream wohl teilweise als „links“ wahrgenommen wird (wurde in den Kommentaren behauptet). Wer diesen Blog hier verfolgt, weiß, dass wir viel über imperiale Kriege, Armut und Ausbeutung geschrieben haben. Das ist ja der makabre Witz an der Sache: Bei den sichtbarsten Aspekten (Nahumfeld) stellt sich ein System als sozialfortschrittlich dar, und auf der anderen Seite nutzt es den Aufmerksamkeitsgradienten (der im Gefälle gegenüber anderen Weltteilen besteht, siehe aktuell Beirut gegenüber Paris) aus, um schwere Verbrechen zu begehen.

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