Claus Peter Ortlieb rezensiert das hochgelobte Buch “EGO” von Frank Schirrmacher.
Claus Peter Ortlieb: Wir Untoten
Ein Buch, dass auch den Verlauf der historischen Entwicklung der Ökonomie skizzieren möchte und als kapitalismuskritisch gelten soll, darf das Thema Arbeit und Lohn nicht ausklammern!
“Das neue Ethos globaler Verantwortung ist so in der Lage, Kapitalismus als das effizienteste Instrument für das Gemeinwohl einzusetzen. Das grundlegende ideologische Dispositiv des Kapitalismus – wir nennen es >>instrumentelle Vernunft<<, >>technische Ausbeutung<<, >>individuelle Gier<< oder was auch immer uns gefällt – wird von seinen konkreten sozioökonomischen Bedingungen (die kapitalistischen Produktionsverhältnisse) getrennt und vorgestellt als ein autonomes Leben oder eine >>existentielle<< Haltung, die durch eine neue, stärker >>spirituelle<< Anschauung überwunden werden sollte, wobei die kapitalistischen Verhältnisse völlig intakt bleiben.”
(Slavoj Žižek, Philosoph – Living in the End of Times)
Gegen den bevorstehenden “Wettbewerbspakt” in der EU, der nach der Implementierung des Fiskalpakts EU-weit und Kürzungs-, sowie Umstrukturierungspolitik in südlichen EU-Ländern nun auch jene Länder zu Lohnsenkungen und einer Schwächung der Arbeitnehmer_innenseite drängen soll, die nicht abhängig von ESM/EZB sind, hat sich ein Bündnis formiert, da der Wettbewerbspakt ab Juni verhandelt werden soll. Die Zeit drängt also! Wer die Iniative unterstützen will, kann hier ihre/seine Unterschrift leisten:
BLOCKUPY ruft auch in diesem Jahr zu europäischen Tagen des Protestes in Frankfurt am Main gegen das Krisenregime der Europäischen Union auf. Am 31. Mai und 1. Juni 2013 wird der Widerstand gegen die Verarmungspolitik von Regierung und Troika – EZB, EU-Kommission und IWF – in eines der Zentren des europäischen Krisenregimes gettragen: an den Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) und vieler deutscher Banken und Konzerne, der Profiteure dieser Politik.
Thorsten Schulten, Leiter für das Referat Arbeits- und Tarifpolitik in Europa (Hans Böckler Stiftung) in der taz über die europaweit konzertierten Pläne zur Lohnsenkung und Tarifschwächung:
Es bleibt weiterhin dringend zu empfehlen, dass alle Menschen, die die Dramatik dieser Entwicklung hin zur Entrechtung der Arbeitnehmer_innen, die ja 90% der Erwerbstätigen ausmachen, erkennen, ihre Mitmenschen auf diese Entwicklung aufmerksam machen. Auch die Rentner_innen und Sozialleistungsempfänger_innen sind abhängig von der Situation dieser Gruppe (die Sozialsysteme werden fast ausschließlich aus Löhnen und Gehältern bezahlt). Weiterlesen »
Saudi-Arabien, Katar, Indonesien,… Ja, dies ist eine Liste von Ländern, deren Regierende Menschenrechte ihrer Bevölkerungen massiv verletzen.
Saudi-Arabien, Katar, Indonesien,… Ja, dies ist eine Liste von Ländern, in die deutsche Regierungen massenhaft Panzer exportieren lassen.
Im aktuellsten Fall Indonesien springt die deutsche Industrie für die niederländische ein und liefert wohl ca. 160 Panzer, vor allem Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 von Rheinmetall, an das Land. Das Parlament der Niederlande hatte einen ähnlichen Panzerdeal mit ihrer ehemalige Kolonie auf Druck der Öffentlichkeit verwehrt. In Indonesien ist der ehemalige General Susilo Bambang Yudhoyono1 (gewählt), der die blutige Besatzung von Osttimor (3000 Tote) mitorganisierte, an der Macht. Laut Amnesty International befinden sich in Indonesien 90 Menschen aufgrund von gewaltfreien, politischen Protesten in Haft2 .
Heute erscheint das “Schwarzbuch Waffenhandel: Wie Deutschland am Krieg verdient” von Jürgen Grässlin, in dem uns von den Profiteuren in der deutschen Industrie, bzw. den politisch Verantwortlichen für die Rüstungsgeschäfte berichtet wird:
Deutschland ist Europameister beim Waffenhandel. Kriegswaffen und Rüstungsgüter werden selbst an menschenrechtsverletzende und kriegführende Staaten verkauft. Deutsche Rüstungskonzerne – wie Daimler, EADS, Krauss-Maffei Wegmann, Rheinmetall, Diehl Defence oder ThyssenKrupp Marine Systems – verdienen bestens am grenzenlosen Export ihrer Großwaffensysteme. Heckler & Koch erobert den Weltmarkt der Kleinwaffen mit profitablen Gewehrlieferungen und Lizenzvergaben. Durch die Unterstützung von Banken werden die Konzerne zu Kriegsgewinnlern. Die Verantwortung tragen die Täter in der Politik und in der Rüstungsindustrie. Besonders brisante Fälle werden geheim im Bundessicherheitsrat bewilligt – z.B. LEOPARD-2-Kampfpanzer für Saudi-Arabien.
- Wikipedia [↩]
- siehe Amnesty International [↩]
“Wir müssen uns abgewöhnen und aufhören, die Kultur als enzyklopädisches Wissen zu verstehen, wobei der Mensch nur als ein Gefäß gesehen wird, das mit empirischen Daten angefüllt und vollgepfropft werden muss, mit nackten und zusammenhanglosen Fakten, die er dann in seinem Gehirn wie in den Abschnitten eines Wörterbuchs rubrizieren muss […]. Wirkliche Kultur ist etwas völlig anderes. Kultur ist Disziplinierung des eigenen inneren Ichs, Inbesitznahme der eigenen Persönlichkeit und die Erlangung eines höheren Bewusstseins, mit dem man dazu kommt, den eigenen historischen Wert zu verstehen, die eigene Funktion im Leben, die eigenen Rechte und Pflichten.”
(Antonio Gramsci, Politiker und marxistischer Philosoph – Il Grido del Popolo (Wochenzeitung), 29.1.1916)
Dr. Thomas Herrmann rezensiert nachfolgend das neue Buch von Wolfgang Streeck:
Wolfgang Streeck hat mit dem Buch “Gekaufte Zeit – Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus” eine düstere Analyse vorgelegt. Im Rückblick auf die Nachkriegszeit bis in die 70er Jahre hinein konstatiert er eine Aufkündigung des keynesianischen Konsens durch die Unternehmer (Die Renditeabhängigen). Ursache war eine Anspruchsinflation der Oberschicht, die nicht mehr bereit war den Preis der Vollbeschäftigung in Form von aufmüpfigen Arbeitern zu zahlen und auf höhere Renditen anzielte. In der Folge wurde das recht stabile und wenig krisenanfällige, stetig Staatsschulden abbauende und stark wachsende keynesianische Regime schrittweise durch ein hayekianisches Sytem abgelöst. Die wichtigste Folge dieses Regimewechsels war, dass die Kosten des Wandels auf die Lohnabhängigen und die Kosten des Wachstums auf den Staat abgewälzt werden.
Eskalierende Wirtschaftskrisen, hohe Arbeitslosigkeit und im Trend abnehmendes Wachstum kennzeichnen das hayekianische Regime. Stets musste dieses staatlich gestützt werden, wodurch die Staatsschulden seit den 70er Jahren wieder steigen. Unter der Hand verwandelt sich keynesianische Wohlfahrtsstaat in einen hayekianischen Konsolidierungsstaat. Dieser unterwirft sich vermeintlichen ökonomischen Imperativen der Renditesteigerung und begibt sich originär politischen Handlungsmöglichkeiten. Am Ende steht die Suspension der Demokratie. Handlungsmöglichkeiten bietet dann noch die Widerständigkeit der Nationalstaaten mit ihren rechtsstaatlichen Verfahrensweisen und ein Protest, der sich nicht einlässt, sondern Sand ins neoliberale Getriebe streut. Weiterlesen »
Gelungener Kommentar auf NDR Kultur von Rainer Burchardt zur Eurodemokratur, “einem System, das sich zwar den Anschein gibt, demokratisch offene und Partizipation sicherstellende Entscheidungsstrukturen zu haben, jedoch faktisch das Gegenteil praktiziert”:
Hier noch einmal Folien zur wirtschaftlichen Entwicklung und den Umstrukturierungen in der Eurozone, wir benutzten sie gestern im Rahmen einer Mobilisierungsveranstaltung zu Blockupy Frankfurt. In unkommentierter Version sind die Folien zwar nicht jedem Menschen selbsterklärend, doch dürften zumindest einige Grafiken interessant sein und Teile deutlich machen, worum es geht: Entwicklung Eurozone
Die Einschätzung von Herrn Burchardt, was die Eurodemokratur anbelangt, stützt auch dieses Video mit relevanten Zitaten der Herrschaftsvertreter.
Langsam sollten wir gelernt haben, dass das Böse, i. S. Menschenschädliche/Leiderzeugende, nicht als Belzebub, behörnt, mit Hufen und Klauen und Schwefel spuckend unter uns weilt. Derartige Bilder taugen nur für Hollywoodwelten, ermöglichen uns jedoch keine sinnvolle Unterteilung der gesellschaftlichen Phänomene in solche, denen wir mit Wohlwollen zu begegnen und solche, gegen die wir Widerstand zu leisten hätten. Es ist doch die große Kunst des modernen Bösen, dass es indirekt in seiner Wirkung, schönrednerisch und elegant im Auftreten ist, dass es Meister darin ist, die dunklen Interessen zu verdecken oder selbige gar in einem abstrakten System der Verantwortlichkeiten und Profite sich zur Gestaltlosigkeit zerstreuen zu lassen. Krieg ist Frieden und Frieden ist Krieg. Und wer seine Mitmenschen auf einem Kirchentag mit der gebotenen Empörung darauf hinweist, dass Töten (Massaker von Kunduz), Diktaturensicherung und Kriegsführung für Handelsinteressen nicht der ursprünglichen Botschaft von Jesus Christus entsprechen, wird diffamiert und mit Repression bedacht, während die Werbefiguren der neuen Welt des systematisierten Tötens den kirchlichen Resonanzkörper für ihre Predigten von Bomben und Drohnen – pardon – “Verantwortung in der Welt” und “Durchsetzung der Menschenrechte” nutzen dürfen:


